News

Kite-Worldcup zerlegt sich: Aus eins mach FÜNF

07/01/2016

Das Jahr 2016 könnte eine Weltmeister-Schwemme bringen. Vier oder fünf Verbände wollen im Championsgeschäft mitmischen und eigene Worldtouren organsieren. Es geht um Prestige und viel Geld. Seit die Fahrervereinigung PKRA in den Geldtöpfen der Industrie verschwunden ist, streiten sich die Funktionäre. Melissa Rodwald hat für das KITE Magazin versucht, das Geflecht konkurrierender Verbände zu entwirren.

Was wird aus dem Profi-Sport im Kitesurfen?

 

Das Jahr 2016 könnte eine Weltmeister-Schwemme bringen. Vier oder fünf Verbände wollen im Championsgeschäft mitmischen und eigene Worldtouren organsieren. Es geht um Prestige und viel Geld. Seit die Fahrervereinigung PKRA in den Geldtöpfen der Industrie verschwunden ist, streiten sich die Funktionäre. Melissa Rodwald hat für das KITE Magazin versucht, das Geflecht konkurrierender Verbände zu entwirren.

Am Anfangs stand die Gier. Die Fahrervereinigung PKRA (Professional Kiteboarding Riders Association) hatte sich einer eigenartigen Investorengruppe an den Hals geworfen, manche sagen auch, sie hatte sich verkauft. Die Worldcups hießen nun VKWC und waren nach einer Fluglinie namens Virgin benannt. Doch diese Periode war nur eine Episode. 

Mitte letzten Jahres stritten sich die Verbands-Meier, welche Veranstaltung sich nun Worldcup nennen durfte. Auch den deutschen  Cup in St. Peter streifte der Streit. Die Funktionäre  (eigentlich sind es ja Disfunktionäre) schafften es tatsächlich, dass Worldcupper auf ihr Preisgeld warteten. Zudem riefen die streitenden Verbände verschiedene Weltmeister aus – Chaos pur (IKA: Carlos Mario und Karolina Winkowska; WKT:  Liam Whaley und Gisela Pulido)  

Jetzt heißt die Eventreihe wieder WKT, kurz World Kite Tour. Und der Buchstaben-Salat nun geht erst richtig los. 

Neben der WKT hat die Branche noch im Angebot: IKA, eine Körperschaft unter dem Dach der International Sailing Federation (World Sailing). Dieser Verein ist das Sammelbecken  für alles, was schwimmt und textilen Vortrieb besitzt. Die Herren mit den feinen Anzügen bestimmen übrigens auch, welche Segelklassen zu den Olypmpischen Spielen dürfen – diese World Sailing bildet also den Funktionär-Adel im Verbands-Zeug. 

Diese World-Sailing-Tochter IKA also will die Kiteboarding World Championships organisieren. Zwei Events haben schon stattgefunden, eines in El Gouna und eines in Leucate. 

So weit so gut? Nein, denn die Kiteboarding Riders United (KRU) will auch noch mitmischen. Wortführer sind Annelous Lammerts, Liam Whaley, Youri Zoon und Alex Pastor. Viel Prominenz also, die nun eine eigene Tour plant - die World Kiteboarding League. Die Pros hoffen sogar, dass die ersten Cups noch in diesem Jahr steigen sollen. 

Um das  Sponsorengeld, das auch nicht mehr so üppig fließt wie früher, streiten sich aber nicht nur

• WKT

• Kiteboarding World 

  Championships

• Kiteboarding Riders 

  United.

• Eine International Federation of Kitesports Organizations tritt auch noch auf den Plan. Dieses Konstrukt wird von Franzosen und Portugiesen gesteuert. Hintergrund dieser Gründung: In Frankreich werden die Kitesurfer von der Regierung als Paraglider betrachtet. Deshalb dürften sie auch nicht bei Events mitmachen, die unter der Regie des Weltsegelverbandes stattfinden. Die Yacht-Herren im englischen Southhampton aber verlangen, dass Worldcup-Teilnehmer einem anerkannten Sportverband angehören. 

Wem nun der Kopf von den vielen Abkürzungen brummt, der wird noch mehr leiden müssen. Denn zu diesen konkurrierenden Veranstaltern kommt noch die

• Global Kitesports Association (GKA). Dieser neue Mitspieler hat deutsche Wurzeln. Geleitet wird die Vereinigung von dem deutschen Rechtsanwalt  Jörgen Vogt.  Sie hat sich dem Strapless-Kiten verschrieben: Fünf  Tourstops allein noch in diesem Jahr sollen zeigen, was auf einem Waveboard in der Welle und beim Freestyle möglich ist. Man könnte diese Tour auch die Airton Special Show nennen – sie ist ihm und seinem jungen Freund Matchu auf den Leib geschneidert. Tourstopps:  Tarifa, Fuerteventura, Mauritius, Dakhla und Fortaleza. Da hat sich jemand was vorgenommen. Da hinter der GKA die Kiteindustrie steht - insbesonders die deutschen Marken - scheint Geld auch kein Problem zu sein. Einen Weltmeister will die GKA nicht ausrufen - sie krönt einen Rider of the Year. Ein schlauer Schachzug, so geht sie Ärger mit den allmächtigen Seglerherren aus dem Weg. 

Der deutsche Worldcup, der von St. Peter-Ording nach Fehmarn ausweichen musste, weil den Nordfriesen wohl der Rummel zu groß wurde, schlüpft auch unter das GKA-Dach.

Wie stehen denn nun die Chancen für die einzelnen Touren? 

• WKT: Die Nachfolge-Organisation behauptet, dass sie den Segen der Weltseglervereinung ISAF habe. Sollte das stimmen, darf sie natürlich einen Weltmeister ausrufen. Allerdings gilt auch hier: Papier ist geduldig, und solange kein buntbedrucktes in Form von Geld, viel Geld vorhanden ist, stehen alle Events nur auf demselben. Kleiner Gag am Rande: Sowohl die WKT als auch die IKA führen den deutschen Worldcup auf Fehmarn auf ihren Listen. 

• KRU, die neu gegründete Fahrervereinigung: Die Akteure, um die es ja eigentlich gut (wirklich?) haben jetzt beschlossen, aus der IKA auszutreten. Sie wollen mit den Herren mit den Krawattennadeln und dem blauen Blazer nichts mehr zu tun haben. 

Das bringt sie allerdings um das Recht, einen Weltmeister auszurufen. 

 

• IFKO: Diese  französisch geprägte Organisation will einen Kitesports Freestyle Worldcup und Kitefoil Silver Cup World Series ausrichten. Da funkt dann gleich der offizielle Seglerverband dazwischen. Wer bei diesen Jungs mitfährt, wird für die anderen Cups gleich zwei Jahre lang gesperrt. Doper werden auch nicht härter bestraft.

© 2017 KITE Magazin | made by ideenwerft