Kristin Boese - KITE Mag Interview 2005
Kristin Boese, Noch-Weltmeisterin, wurde vom deutschen Playboy zur Wassersportnixe erkoren. Das KITE Mag hat die Karriere von Kristin Boese lange begleitet und gefördert – sie begann in grauer Vorzeit als KITECITY-Lehrerin. Wir drucken hier noch einmal das Interview, das Kristin mit dem KITE Magazin 2005 geführt hatte:
KITE: Auf die launige Frage vor drei Jahren „Und wann wirst Du Weltmeisterin?” hast Du im KITE-Interview fast ernst geantwortet: Gib mir noch etwas Zeit. War der Titel immer ein konkretes Ziel?
KRISTIN: Ja, es war von Anfang an mein Traum, Weltmeisterin zu werden, und ich habe hart und viel dafür gearbeitet. Irgendwie wusste ich, dass ich es schaffen kann, wenn ich ausreichend Zeit zum Trainieren habe.
KITE: Du bist einen dornigen Weg gegangen. Welche Entbehrungen hast Du auf Dich genommen?
KRISTIN: Es gab sicherlich viele harte Zeiten, teilweise habe ich mich in Hotels gemogelt, um wenigstens etwas zu essen zu bekommen, oft habe ich mich einsam gefühlt, und immer wieder wurden mir irgendwelche Steine in den Weg gerollt. Einige Male war ich kurz vor dem Aufgeben. Mein Ziel vor den Augen, und die immer neuen Erfolgserlebnisse und der Spaß auf dem Wasser waren mir aber immer wichtiger. Ich empfand nichts wirklich als Entbehrung. So richtig entbehren musste ich wohl nur meinen Bürojob in Berlin und die eine oder andere Stunde mit Freunden und Familie.
KITE: Es war eine Marketinglaune der Großindustrie, Dich zu vermarkten, bis die Herren ihr “Spielzeug" nicht mehr liebhatten. Bist Du im Nachhinein froh darüber, dass nicht mehr Fa auf dem Board klebt?
KRISTIN: Nein, froh bin ich darüber nicht. Ich hatte eine tolle Zeit mit Fa. Auch wenn die ganze Kooperation sehr zeitaufwendig und kraft- raubend für mich war. Ich möchte die Zeit nicht missen.
KITE: Viele Mädchen im Zirkus gönnen Dir den Titel. Gibt es auch Neid und Missgunst?
KRISTIN: Nicht wirklich. Unter uns “Mädchen” im World Cup geht es sehr freundschaftlich zu, alle freuen sich füreinander.
KITE: Was hat Dir immer geholfen, wenn Du nach schlechten Ergebnissen, Müdigkeit, finanziellen Sorgen keine Lust mehr hattest?
KRISTIN: Mit meinen besten Freunden darüber reden zu können. Am besten konnte ich mich da natürlich mit Ingrid (Koelbichler), Petra (Goeschl) und Cindy (Mosey) austauschen, da wir genau wussten, worüber die andere sprach. Wir konnten uns gegenseitig wieder Mut machen. Im Laufe der Zeit habe ich auch einfach gelernt, Dinge gelassener zu sehen und mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken.
KITE: Du bist weniger in Deutschland als der Außenminister. Wie klappt das familiär, unterstützt Dich Deine Mutter?
KRISTIN: Meiner Mutter hat zu Hause die Stellung gehalten hat und mich immer aus den schlimmsten Situationen gerettet. Als sie die Nachricht bekam, dass ich uneinholbar vorne liege und den Titel in der Tasche habe, hat sie gleich mal den Champagner aufgemacht.
KITE: Wie stehen die Männer zum Frauenkiten? Wie Robby Naish, der mal murmelte, dass die Damen nur das Preisgeld der Männer drücken. Oder sehen sie, dass Frauen wichtig für den Sport sind?
KRISTIN: Robby Naish ist da inzwischen eher eine Ausnahme. Die Akzeptanz wird eigentlich immer größer – bei den Männern am Strand, im World Cup und auch bei den Herren in den Redaktionen der Kite Magazine. Die Herren wissen inzwischen, dass auch Frauen rippen können. Ich bekomme sehr oft anerkennende Worte zu hören.
KITE: Wieviel Prozent Anteil am Erfolg hat eigentlich das Material? Konkreter: das Brett und die JN-Kites?
KRISTIN: Ich habe schon ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich auch ohne die Primadonna (JN Kite; Red.) Weltmeisterin geworden wäre. Als ich diesen Kite in die Hände bekommen habe, habe ich einfach wirklich einen großen Schritt nach vorn gemacht. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich in jeder Situation immer genau fühle, wo der Kite steht und habe dieses direkte Lenkverhalten bisher bei keinem anderen Kite feststellen können. Das hat mir, denke ich, schon sehr geholfen. Auch die Boards sind sicherlich nicht unwichtig. Man benötigt einfach ein Board, das in allen Bedingungen gut funktioniert, früh angleitet und gut durchgleitet, schließlich hat man bei Wettkämpfen nicht immer Traumbedingungen. Ich war happy mit meinen alten Boards und bin genauso happy mit meinen neuen JN- Boards.
KITE: Wenn Du viel Zeit hast und Dich in der Sonne räkeln könntest, gehst Du auch ohne Trainingszwang noch aufs Wasser?
KRISTIIN: Auf jeden Fall. Das sind die Tage, an denen ich das Kiten am meisten genieße. Ohne Traininszwang lerne ich sogar am meisten, denn ich habe einfach Spaß daran. Natürlich genieße ich es dann zwischendurch aber auch, mich am Strand zu räkeln, denn den ganzen Tag kann man ja sowieso nicht kiten.
KITE: Wann heiratest Du Deinen Marc? Wann werden die Kite-Gene eigentlich weitervererbt?
KRISTIN: Darüber denken wir noch nicht nach, schließlich sind wir beide sehr busy und viel unterwegs. Wir genießen unsere gemeinsame Zeit sehr und fühlen uns auch ohne Ring am Finger einfach verbunden. Für Kinder wären die äußeren Umstände im Moment wohl sehr ungeeignet.

































