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Red Sea Worldcup Ägypten: Rodwald nur Dreizehnter

06.06.2014

Die deutsche Handschrift trug der erste Worldcup im ägyptischen Soma Bay. Nicht die deutschen Teilnehmer überzeugten am Roten Meer bei bis zu 40 Knoten Wind – die Organisation der Hamburger Act-Agentur organisierte vor der Kulisse eines Nobelhotels ein perfektes Event. Die deutschen Asse Mario Rodwald und Sabrina Lutz schafften es nicht aufs Podium. Gewinner waren der Belgier Christophe Tack und die Polin Karolina Winkowska.

Pausenclown oder PR-Genie – der Brasilianer Eudazio Da Silva sorgte beim ersten Kite-Worldcup in ägyptischen Gewässern für die Aaaahs und Wows beim Publikum an der Pier des Nobelhotels Palm Royale. Nicht durch seine Mobes, KGBs, und Blind Judges, sondern durch turmhohe Sprünge direkt vor dem Publikum.

Zwischen den Heats der 63 Teilnehmer war immer Platz für einen Pausenfüller, und den nutzte der Brasilianer für unglaubliche Airtime. 15 Meter über den Zuschauern wackelte er noch freundlich mit dem Board hin und her, das Publikum grölte, andere Teilnehmer nölten. Immerhin erwarb sich der Showman dadurch klammheimlich ein paar Promi-Punkte bei den Judges.

Der Rendsburger Mario Rodwald, bekannt durch filigrane, saubere Tricks, hatte es deshalb schwer bei seinem Heat gegen den Brasilianer. Obwohl Da Silva vor seinen Heats in der Hitze Ägyptens seine anstrengenden Stunts bot, zeigte er keinerlei Schwächen im Sieben-Minuten-Heat gegen Mario. Er stand seine Tricks meist sauber, während der Deutsche zum Schluss mehrere technisch hoch anspruchsvolle Moves ins Wasser setzte. So war es keine Überraschung, dass die Judges den Showman in die nächste Runde schickten, während Mario enttäuscht die Wettkampfbox verließ. Am Schluss wurde der North-Teamrider Dreizehnter – nach seinen Ansprüchen durchaus enttäuschend.

Mit der Enttäuschung geht Deutchlands bester Kiter sehr introvertiert um. Er fährt dann meist noch weit raus aufs offene Meer, um dort die negative Erfahrung zu verarbeiten. Er schimpft nie laut, er nimmt sogar die Punktrichter in Schutz: „Früher hatten die Judges schon mal Promi-Boni vergeben, heute ist das Bewertungssystem weitgehend nachvollziehbar und transparent.“ Mario Rodwald gilt als einer er höflichsten Worldcupper: Sogar für den Beachboy, der den grünen Teppich auf der Rampe fegte, hatte er nettes Wort.

Der Gewinner der Double Elimination hieß Christophe Tack. Er spulte einen Heat nach dem anderen mit einer unglaublichen Präzision ab und durchbrach die Phalanx der Südamerikaner. Nur der Spanier Liam Wahley konnte als einziger Europäer die Tack-Power mitgehen, verlor allerdings im Finale der Double Elimination gegen den Belgier. Europas Kiter haben also noch ein paar Eisen im Feuer.

Enttäuschend lief die Veranstalter für die lebende Legende Aaron Hadlow. Der frühere Abo-Sieger verkümmerte im Viertelfinale: Hadlows lange Wettkampf-Pause hat den Briten zurückgeworfen.

Am Schluss der Double Elimination wurde speziell für den ägyptischen Tourismus-Minister noch ein Airtime-Wettbewerb organisiert. Act-Agentur-Chef Matthias Neumann, der den Cup veranstaltete, legte noch einmal 500 Euro Preisgeld auf die 58 000 drauf, um spektakuläre Sprünge zu provozieren. Auch in diesem Wettbewerb gab der Hoch-Springer Da Silva alles und landete auf dem Podium. Mario Rodwald, durch seinen 13. Platz im Freestyle gefrustet, pushte sich noch einmal für den Airtime-Contest und flog in atemberaubender Höhe knapp vor der Hafenmole an den Zuschauern vorbei. Er landete versöhnlich auf dem dritten Platz und durfte sich damit trösten, dass sein Name doch noch auf einer Siegerliste stand. Skurril dagegen war die Idee der Wettfahrtleitung, dem Tourismus-Minister die Aufwartung und Aufwertung der Teilnehmer angedeihen zu lassen. Die Worldcupper mussten mit dem Schirm im Zenit eine schmale Rampe hoch krabbeln, um dem Politiker die Hand zu schütteln. Sicherheitsfanatiker hätten einen Schreikrampf bekommen. Der erste Worldcup in ägyptischem Gewässern war trotzdem eine Demonstration deutschen Organisationstalents und der Faszination des Kitesports. Jeder Kiter sollte sich einmal im Leben einen Worldcup ansehen – Gelegenheit dazu ergibt sich im Juli in St. Peter-Ording. Wer nicht am Strand des Palm Royale Hotels stand, konnte sich als Trost zuhause den Ergebnis-Lifestream aufs Handy holen. Dort war life zu sehen, wie die Judges während des Heats die Tricks der Teilnehmer bewerten.

Mario Rodwald belegt overall zur Zeit den siebten Platz zusammen mit dem Österreicher Stefan Spiessberger.

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