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Rote Null in Spo

22.06.2016

Matthias Neumann hat St. Peter-Ording zum größten Kitesurf-Worldcup entwickelt. Doch die Veranstaltung steht auf der Kippe.

Matthias Neumann hat St. Peter-Ording zum größten Kitesurf-Worldcup entwickelt. Doch die Veranstaltung steht auf der Kippe.

KITE: Der deutsche Worldcup-Glamour täuscht darüber hinweg, dass sich die Profi-Serie in einer tiefen Krise befindet. Ärger mit Verbänden und unzufriedene Pros sind die sichtbaren Krisensymptome. Was steckt hinter dem aktuellen Trouble?

NEUMANN: Zuerst einmal muss ich das Wort Glamour relativieren. Tatsächlich veranstaltet meine Agentur Act den größten Kitesurf-Event der Welt mit den besten Sponsoren und den meisten Werbebannern und Fahnen am Strand. Und der Beachclub in St. Peter-Ording ist einzigartig in der Welt. Leider sieht niemand, dass das Ganze auch sehr viel Geld kostet. Aber der ganze Worldcup funktioniert nur dann, wenn er diese Größe hat.
Die Kehrseite der Medaille sind die Sicherheitsauflagen der Gemeinde St. Peter-Ording, die zum Teil überzogen waren. Diese Auflagen haben dazu geführt, dass der Worldcup für uns alles andere als ein wirtschaftlicher Erfolg war. Wir haben dieses Jahr in St. Peter-Ording eine rote Null geschrieben. Alle Abrechnungen sind zwar noch nicht gemacht, aber ich fürchte, die Null ist sehr rot.

KITE: Welche Sicherheitsmaßnahmen haben Euch zu schaffen gemacht?

NEUMANN: Die Gemeinde hat einen Sicherheitsbeauftragten verlangt, der ein Konzept von über 100 Seiten erstellen musste. Wir waren für die gesamte Verkehrsregelung im ganzen Ort und für die Sicherheit auf allen Parkplätzen zuständig. Wir haben sogar Campingplätze bewirtschaftet. Überall haben wir draufgelegt.

KITE: Heißt das, dass der nächste Worldcup gefährdet ist?

NEUMANN: Zuerst einmal haben wir der Gemeinde angeboten, den Worldcup auf einen Termin nach den Ferien zu verschieben. Damit bekäme der Ort eine Extrasaison wie auf Sylt. Dort ist die Insel während des Surfworldcups noch einmal ausgebucht. Trotzdem sind wir uns, Stand November, noch immer nicht einig mit der Gemeinde. Deshalb haben wir den Worldcup nun auch ausgeschrieben, es ist also alles andere als sicher, dass der Worldcup wieder in St. Peter stattfindet.

KITE: Welche Alternativen gibt es?

NEUMANN: Fehmarn, Sylt und andere Gemeinden.

KITE: Bis Stand November sind die Preisgelder immer noch nicht ausbezahlt. Wer ist denn vertraglich verpflichtet, die versprochenen Preisgelder auszuschütten?

NEUMANN: Die Preisgelder zahlt die PKT aus. Deshalb kann ich mich dazu auch nicht äußern.

KITE: Wenn man die Gerüchte mal zusammenfasst, muss man sich fragen, ob nicht der gesamte Worldcup auf der Kippe steht?

NEUMANN: Das ist schwierig zu beurteilen. Wir entwickeln jedenfalls zusammen mit der Worldcup-Agentur PTA Events. Und wenn das alles so kommt, wie das jetzt auf dem Papier steht, wird alles gut.

KITE: Würde Deine Agentur einen Worldcup auch ohne Anerkennung der Profi-Assoziation durchführen?

NEUMANN: Als Ultima Ratio kann man das schon machen. Wir sind aber in engem Kontakt mit allen ernstzunehmenden Event-Veranstaltern und mit dem Fahrer-Sprecher Aaron Hadlow, wir sprechen sogar mit der International Sailing Federation, also dem Dachverband der Segler. Wir werden alles tun, dass es im nächsten Jahr eine Tour gibt, und vor allem, dass es nur eine Tour gibt. Ich vermute, dass es nicht allen Beteiligten in der Branche bewusst ist, wie wichtig ein offizieller Status für einen Worldcup ist. Das heißt, dass ein Event von einem offiziellen Verband abgesegnet sein sollte.

KITE: Verbandskram ist nun leider im Bewusstsein der Kiter nicht besonders attraktiv. Für einen Worldcup-Veranstalter scheint der Segen einer höheren Instanz lebenswichtig zu sein?

NEUMANN: Die Anerkennung ist so etwas wie ein Qualitätssiegel. Ich habe vor Jahren den Profis von der PKRA, also der Organisation, die den Worldcup organisiert, klar gemacht, wie wichtig, ja lebenswichtig eine Anerkennung der Tour durch den Kite- Verband IKA ist. Die IKA wiederum ist Mitglied der ISAF, dem internationalen Seglervereinigung. Und diese ISAF entscheidet darüber, welche Bootsklassen olympisch bleiben oder werden.

KITE: Zurück zum deutschen Worldcup: Gibt es 2016 einen Cup im Deutschland?

NEUMANN: Wenn die Zusagen, die wir haben, auch eingelöst werden, sieht alles gut aus.

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