08.01.2008

Die Kitefactory-Macher Björn Ohlau und Frank Fessler

Fast durch die Hintertür kommt eine neue Kitemarke in den Markt: Kitefactory, die Marke von Björn Ohlau und Frank Fessler, will mit niedrigen Preisen und hoher Qualität überzeugen. Die beste Arbeitsprobe von Designer Björn Ohlau: Er war ehemaliger Carved- und Core-Designer. „Wer als Hersteller nur bei Traumbedingungen testet und selber kiten geht, kann gar nicht wissen, wie wichtig und sinnvoll aus heutiger Sicht BOW-Kites sind“, sagt Björn Ohlau und verspricht Schirme, die auch in deutschen Revieren funktionieren.

Kitefactory Team, Björn Ohlau und Frank Fessler

Die Kitefactory-Macher Björn Ohlau und Frank Fessler

KITE MAGAZIN: Unter Kitefactory können sich selbst Brancheninsider noch nicht viel vorstellen.

Frank: Die Firma Kitefactory besteht seit Sommer 2007. Gründer sind Björn Ohlau und ich, Frank Fessler. Unser Motto ist, unsere exklusiven Kleinserien auf Kiter abzustimmen, die höchste Ansprüche an ihr Material stellen. Dabei ist uns bewusst, dass Massenware und Produktlinientreue ertragreicher wären als der teure Versuch, die Perle unter den Kites zu suchen und zu produzieren und das alles zu vernünftigen Preisen. Dabei ist Björn der kreative Kopf der Firma, der mit viel Know how und seiner jahrelangen Erfahrung als Kitedesigner seine Träume verwirklicht. Seine Anfänge als Entwickler hatte Björn bei GUN-Sails, danach baute er erste eigene Kites unter dem Namen Sonic33. Ab 2004 war er an der Entwicklung der EH-Kites beteiligt. Anschließend designte Björn die Carved Kites. Zu seinen Entwicklungen gehören der Unit, Fireball und Core-Riot-Kite.

Björn: Frank ist in der Firma für den Vertrieb und das Marketing verantwortlich. Dabei kommt ihm seine jahrelange Erfahrung im Vertrieb in den unterschiedlichsten Branchen zugute. In dieser Zeit sind viele gute und enge Kontakte zur Surf- und Kiteszene entstanden.

KITE MAGAZIN: Viele Kitehersteller halten ihre Designer unter der Decke. Diese Politik hat Carved besonders ausgeprägt verfolgt. Warum werden die Künstler eigentlich versteckt?

Frank: Es ist richtig, dass man bei vielen Herstellern die kreativen Köpfe nur selten oder gar nicht kennt. Viele arbeiten auch eher unauffällig und tüfteln immer wieder an neuen Ideen für noch  bessere Kites. Dabei sind ihnen weder Prestige noch Ruhm wichtig. Deutlich wurde dieses Missverhältnis bei Carved, wo bis heute viele begeisterte Kiter den eigentlichen Designer ihrer Schirme gar nicht kennen. So reifte die Idee, eigene Kites zu eigenen Bedingungen und unabhängig vom finanziellen Interesse zu entwickeln. Björn ist selbständiger Dipl. Ing. für Elektrotechnik, und ich arbeite als Niederlassungsleiter für einem Hersteller für alternative Energien.

KITE MAGAZIN: Welche Philosophie vertritt nun die Kitefactory? Hiss sagte einmal, er finde Bowkites schwul, um dann mit dem Riot selbst einen sehr erfolgreichen Kite zu bringen. Sind Bowkites schwul, Bowfahrer Weichlinge?

Björn: Hiss hat da seine eigene Denkweise und ist nur aufgrund finanziellem Interesse sehr spät auf die Bow-Schiene aufgesprungen. Wer als Hersteller nur bei Traumbedingungen testet und selber kiten geht, kann gar nicht wissen, wie wichtig und sinnvoll aus heutiger Sicht BOW-Kites sind. Ich selbst zähle mich ja auch nicht zu den extrem guten Kitern, ich will vor allen Dingen Spaß haben, und das kann ich mit meinen Schirmen. Ich denke, es liegt auch ein wenig daran, dass ich manchmal ein wenig gemütlich bin und deswegen garnix von hohen Haltekräften halte. Dass durchtrainierte Profis anderer Meinung sind, sollte dabei keine Rolle spielen, denn die meisten Kites gehen eben an Anfänger und Leute, die neben ihrem Job nur ab und an zum Kiten kommen.

Frank: Jeder Hobby- und Freizeitkiter kommt meistens nur am Wochenende aufs Wasser und muss dann mit möglichst wenig Material einen großen Windbereich abdecken. Dabei möchte man als Kiter ja auch noch bei böigen Bedingungen den maximalen Spass haben. und Contestfahrer werden weiterhin zum C-Kite greifen, da sie sich die Kites enger abstufen können und nicht das ganze Material bezahlen müssen.

KITE MAGAZIN: Wie sieht Eure Palette aus? Björn als Inhaber der Urheberrechte hat seine Carved-Schnitte ja mitgenommen zur Kitefactory. Wie viel Carved/Riot ist in Euren Schirmen enthalten?

Frank: Als erstes kommen wir mit einem neuen Hybridkite auf den Markt. Es handelt sich im Grunde um eine Weiterentwicklung von einem bekannten Kite, dessen Namen man nicht nennt.  Für 2008 ist dann noch ein C-Kite in Zusammenarbeit mit Ron Reimers geplant. Ron bekommt seinen eigenen Cuxkite. Wenn dann noch Zeit bleibt, werden wir einen HD-C Kite (High Depower C-Kite) entwickeln.

Björn: Das ist ne schwierige Frage, da könnte man genauso fragen wieviel EH steckt in Carved, es wird halt ständig weiterentwickelt, und das ist eben schon eine Menge Arbeit.

KITE MAGAZIN: Wie siehst Du die Marktsituation? In einem heftig umkämpften Markt kommen jetzt noch drei neue Marken dazu. Platz für alle, oder ist die Verdrängung in vollem Gange?

Frank: Die guten Kitemarken und die Finanzkräftigen werden überleben. Für die anderen sieht es leider nicht so rosig aus, gerade wenn man noch nicht so viel Erfahrung im Designen hat, dauert es unheimlich lange, bis der erste Kite wirklich funktioniert. Einige Hersteller werden das aber mit einem „schönem Design“ kaschieren, was dann leider der Endverbraucher bezahlen wird.

Björn: Ich seh da für uns kein großes Problem, wir machen ja hier, wozu wir Lust haben. Wenn das Geld, was wir dabei verdienen, nicht zum Leben reicht, werd ich wohl wie auch in diesem Winter meinem Job als Ingenieur nachgehen.





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