06.09.2007

North profiliert sich neu

Während andere Hersteller mit neuen Designs Aufsehen erregen, bleibt sich die deutsche Marke treu: Wenig Show, viel seriöse Profilarbeit.

Till Eberle

KITE: Die Konkurrenz trommelt, bei North herrscht konzentrierte Ruhe – vor dem Sturm? Wann beherrscht North wieder die Bühne?

EBERLE: Es gibt bei uns keine so spektakulären Änderungen wie bei F.One oder Naish. Die ersten beiden Schirme, die auf den Markt kommen, sind der Rebel und der Vegas. Beim Rebel haben wir ein vollständig neues Profil realisiert. In den hinteren Sektionen bei 70 Prozent (zwischen Anström- und Abströmkante) haben wir mehr Profiltiefe. Bisher lag der Profilschwerpunkt in den ersten 30 Prozent. Wir haben uns beim Rebel das Flugzeugprofil im Landeanflug angeschaut, wenn die Landeklappen ausgefahren sind. Unser Profil ist vorne genauso tief wie früher, zieht sich aber deutlich länger nach hinten. Das Profil flacht nicht so schnell ab, ist also deutlich runder geworden.

KITE: Da spricht der Ingenieur. Was bringt das denn dem Kiter?

EBERLE: Wir haben damit zwei Effekte erreicht: 1. Das Lowend, sprich die Schwachwindeigenschaften haben wir verbessert. 2. Wir haben die Barkräfte stark verringert. Man sieht das sogar mit bloßem Auge, dass der Schirm ein deutlich verbessertes Profil besitzt. Um dieses Profil stabil zu halten, haben wir eine neue Strut-Konstruktion gewählt. Zusätzlich haben wir Dacron-Patches von den Backlines weg integriert, die den Druck in den Endpunkt des Kites verteilen. Wir kriegen damit den Zugpunkt des Schirms von weiter oben her. Das ergibt ein direkteres Bargefühl im Vergleich zum letzten Jahr. Bei den Bowkites geht der Zug über die Waageleinen in die Leadingedge, wir haben mit verschiedenen Tüchern gearbeitet, um den Zug optimal zu verteilen. Wir haben dabei einen Riesenschritt gemacht.

KITE: Die Konkurrenz hat sehr radikale Designs gewählt. Angst davor?

EBERLE: Nein, wir haben im Gegensatz zur Konkurrenz keine Ecken und Kanten und das aus gutem Grund. Ein Blick in die Natur zeigt, dass harmonische Geometrien strukturell und aerodynamisch einfach am besten sind. Diese Erkenntnis prägt seit Jahrzehnten auch die zivile Luftfahrtentwicklung. Profilnasen über harte Winkel verlaufen zu lassen, macht keinen Sinn. Die spezielle Vogel-Grundform des Helix ist seit vielen Jahren wissenschaftlich erforscht und ausschließlich auf komplexe, biologische Formen übertragbar. Der markante Knick in der Anströmkante dient den Vögeln als Drehpunkt der Flügel die beim Schnellflug nach hinten angelegt werden müssen.
Daher sehen wir keinen Sinn darin, diese Form auf einen starren Tubekite zu übertragen. Lange Tubesegmente wiederum ermöglichen eine Kostenersparnis in der Produktion, da auf Zwischensegmente verzichtet werden kann.  Wir beschreiten in der Entwicklung eher eine gegenläufige Richtung. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass die Optimierung des Ganzen in Summe meist mehr bewirkt als ein radikaler Neuansatz. Daher befassen wir uns lieber intensiv mit neuen Profilen, Abwicklungsmethoden, verfeinerten Geometrien und neuen Materialien als mit optisch markanten Flügelgrundformen.





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