Reise

Djerba

10.08.2015

Eine Einladung der besonderen Art: Zwei KITE-Leser haben das Freestyle- und Lernrevier auf der Ferien-Insel Djerba getestet. Aldiana hat die Reise organisiert. Djerba hat nun zwei begeisterte Fans mehr.

Djerba ist das Mallorca des südlichen Mittelmeers – ­allen Wirren des aktuellen Tagesgeschehens scheint die Sonneninsel entrückt zu sein: Politik hat keinen Zutritt zum Ferienparadies – die Lage ist ruhig und entspannt. Es trifft sich gut, dass auf dem Palmeneiland mit seinen langen, weißen Stränden auch hervorragende Hotels europäischer Spitzenanbieter stehen – zum Beispiel die deutsche Clubanlage Aldiana Djerba Atlantide. Und es trifft sich auch perfekt, dass Aldiana neuerdings die Kitesurfer als eine attraktive Zielgruppe entdeckt hat. Denn nirgends im ganzen Mittelmeer gibt es einen Spot, der fürs Lernen, Cruisen und Freestyle, also für Einsteiger und Aufsteiger, so gut geeignet wäre wie die Lagune Souk el Guebli im Südosten der Insel.

Die Binnensee-artige Lagune, mit ihren 40 Quadratkilometern Stehrevier, muss Allah oder wer auch sonst extra zum Kitesurfen erschaffen haben. Und hier sind wir die VIPS –  auf diesem Meer der Moves und Tricks sind wir eingeladen vom Reiseveranstalter Aldiana, der Kitesurfen und vieles mehr „Unter Freunden“ verspricht. Als das KITE Magazin auf kitemagazin.de zwei Revierreporter gesucht hatte, traf die Wahl auf meinen Kitekumpel Anthony und mich.

Wir waren hoch begeistert, aber auch etwas verunsichert, ob wir nicht zu „normal“ für den Trip seien, denn im KITE Magazin wimmelt es von sexy Girls und eindrucksvollen Pros. Aber die Bedenken werden schnell zerstreut im Club, wo wir herzlich empfangen werden.

Dass die Woche im Club Aldiana Djerba Atlantide keine Kaffeefahrt wird, sondern ein ernsthaftes Kitetraining mit exakter Recherche, macht uns Jens Siegert, Ex-Worldcup Fahrer und einer der erfahrensten Kitelehrer Deutschlands, schon am Nachmittag nach der Ankunft klar. An der Kitestation, in der neben seinem Partner Mike auch Hannes und die beiden Zwillingsschwestern Estelle und Lucia arbeiten, ist schon entspannter Betrieb. Fünf Instruktoren sorgen für kleine Schülergruppen – ein wichtiger Faktor für schnellen Lernerfolg.

Das Revier ist unglaublich groß. So groß, dass es in einer Woche Kiteurlaub eigentlich nicht möglich ist, das gesamte Revier zu erkunden. Auf der Lagune treiben sich keine Boote, Jet Skier oder Windsurfer ­herum. Sie ist frei von Korallen, Steinen oder sonstigen, das Vergnügen störenden Hindernissen und in den Sommermonaten Juni bis September so warm wie meine ­Badewanne. Neoprenanzug? Vergiss ihn! Ein ­Lycra und eine Badehose reichen. Dazu kommt die Stehtiefe – so weit das Auge reicht.

Ein schier unendliches Spielfeld, das durch seine Trennung vom offenen Meer ein wohliges Gefühl der Sicherheit gibt. Ich selbst habe so einen Spot noch nie gesehen. Durchgehendes Flachwasser, keine Wellen, keine Brandung, sauberer, gleichmäßiger Wind. Flächen mit Seegras, die dunkelgrün schimmern, wechseln sich mit hellblauen Flächen mit knietiefem Wasser ab. Weit abseits der Kitestation wird die Lagune von azurblauen Fahrrinnen durchzogen. Hier wird’s ein bisschen tiefer – Stehen gibt’s hier nur für Basketball-Größen. Die Flächen mit Stehtiefe, so meine Schätzung, machen 80 bis 90 Prozent der Lagune aus. Die tieferen Bereiche liegen weit von der Station entfernt. Deshalb kommen Anfänger, für die ein fester Stand wichtig ist, nicht in Gefahr, irgendwann den Boden unter den Füßen zu verlieren. Der Platz zum Aufbau und Start der Kites direkt an der Station ist nicht sehr groß, aber ausreichend und man findet eigentlich immer einen Platz für seinen Schirm.

Der Wind kommt in den allermeisten Fällen sehr gleichmäßig und schräg auflandig, oder sideshore. Man darf also von sicheren Bedingungen ausgehen, die den berühmten Walk of Shame am Strand zurück überflüssig machen und das Abtreiben verhindern.

Und wie freundlich war der Wind zu uns? Wir hatten in einer Woche fünf verwertbare Tage: Bei Ankunft war der Wind schwach, da einige Tage vorher ein Tiefdruckgebiet mit Regen durchgezogen war. Weil der Wind am Kitespot sehr stark von der Thermik abhängig ist, wird das regionale System von Schlechtwetter-Fronten eingeschüchtert. Als sich die Thermik dann erholt hatte, blies der Wind mit fünfzehn bis 20 Knoten – man nennt das Sahnebedingungen.

Der Wind nimmt im Laufe des Tages ab 13 Uhr meist noch einmal um zwei bis drei Knoten zu, es scheint fast so, als wäre der Wind hier dein Freund: Wenn er sieht, dass du die Tageslektion beherrschst, gibt er dir noch einmal einen kleinen Bonus.

Die Schule hat am Spot eine Windstation und eine Webcam installiert, um die Gäste im Club rechtzeitig zu alarmieren und die Zaungäste zu Hause zum Buchen zu animieren. Die angezeigten Daten entsprachen der Realität – was man nicht von jeder Station behaupten kann.

Wenn der Wind dann doch mal schwächelt, gibt’s ja immer noch den Club Aldiana Djerba Atlantide mit all seinen Annehmlichkeiten: perfekte Organisation, sehr gute Küche mit hohem Hygiene-Standard und vielen, meist kostenfreien Alternativen zum Kiten. Bogenschießen, Surfen, Segeln, Tennis, Tauchen, Quad, Golf, Aerobic und Fitness-Kurse verpflanzen mitteleuropäischen Lifestyle ins südliche Mittelmeer.

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