Lago di Santa Croce - Italien

Je weniger Wasser in der Wanne ist, desto größer wird der Kitestrand. Wenn das Wasser in den Alpen knapp wird, dann zapfen die Italiener die eiserne Reserve des Lago an.
Schwimmen ist besser als Laufen
Platz genug für Wakestyler, oft genug Wind für kleine Schirme
Angenehm: wenig Kabbelwelle

Aus: KITE Magazin 5/06
Von Heiko Mandl

Der kleine Lago di Santa Croce müsste eigentlich Santo Vento heißen. Die Natur hat ihn mit einem zuverlässigen Thermiksystem ausgestattet. Wenn der nachmittägliche Wind weht, ist der See des heiligen Kreuzes ein Alpentraum. Der kleine Gebirgssee in den Dolomiten aber kann schnell zum Alptraum werden – wenn im Hochsommer kein Wasser mehr in der Stau-Wanne ist.

Der kleine Lago wurde für Langschläfer erfunden: Der frühe Nordwind funktioniert nur am nahen, aber steinigen Lago Morto, der richtige Südwind am Lago di Santa Croce dagegen kommt erst, wenn mittags das Nudelwasser bei den Einheimischen kocht. Bei schönem und nicht zu heißem Wetter und einer leichten Südströmung ist die Garantie auf Wind so sicher wie der Sonnenaufgang am Morgen. Einzig ein Gewitter über den Bergen kann dann dem Wind einen Strich durch die Rechnung machen. Nur im Hochsommer bringen die hohen Temperaturen das Thermiksystem durcheinander, und Tage mit über zwölf Knoten sind eher seltener, bis im Herbst wieder die Windernte reicher wird. Wir konnten bei unserer Recherchenreise sogar den Zehner-Schirm auspacken, mit Größen von 12 bis 16 ist man am Croce immer auf der sicheren Seite. Das Wasser ist nicht besonders kabbelig, in einigen kleinen Buchten finden wir sogar richtiges Flachwasser vor.

Nur der Schlamm kann beim Wasserstart etwas störend sein. Wenn man die Füße in die Schlaufen steckt, hat man plötzlich Socken aus dem glitschigem Schlick an. Richtig unangenehm wird der Schlamm beim abendlichen Reinigen von Neo, Board und der Kites. Mit Hausfrauen- Beharrlichkeit kriegt man aber auch die Patina aus dem See wieder weg.

In den Abendstunden, wenn der Wind Feierabend hat,kehrt wieder Ruhe ein den einsamen Tälern der Dolomiten. Während sich am Gardasee die Menschenmenge durch die Gassen schiebt, herrscht am Croce eine Stille, die für uns in den ersten Tagen fast schon beunruhigend war. Keine Staus an den Straßen, die Trattorias so gut wie leer und im kleinen Supermarkt in Farra tauschen nur die Einheimischen Dorfklatsch aus – wie am Gardasee vor 40 Jahren.

Das soll aber nicht heißen, dass der Croce nichts als Friedhofsruhe zu bieten hat. Eine Disco gibt’s zwar nicht, dafür locken die Berge mit Bike- und Wandertouren. Und abends verwöhnen die Restaurants zu günstigen Preisen mit hervorragender italienischer Küche.

Der Lago di Santa Croce unterscheidet sich auch durch seine Entstehung vom Gardasee: Im Gegensatz zum Gletscher-gehobelten Groß-Lago ist Croce ein Stausee. Im Sommer, wenn das Wasser für die trockenen Felder gebraucht wird, kann es schon sein, dass sich der Strandbereich verdreifacht. Im Frühjahr 2006 machte sogar das Gerücht die Runde, dass der See die ganze Saison wegen Wassermangels an die niedriger gelegenen Gegenden spendiert wird.

Wer an den Lago di Santa Croce fährt, sollte deshalb nicht nur den Wind checken, sondern auch die Wasserlage. Stell Dir vor, es ist Wind und Du hast kein Wasser. Das kann der frustrierte Kiter nur mit Grappa auffüllen.

Gut zu wissen:

ANREISE: Der Lago di Santa Croce liegt südlichvon Belluno. Kürzester Weg von München über den Brenner bis zur Ausfahrt Trento Nord, Richtung Caldonazzo, Levico, Belluno bis nach Farra d’Alpago. Zweite Variante: (landschaftlich sehr schön) Felbertauern, Lienz, Cortina d’Ampezzo und. Für Kiter aus Österreich: Tauernautobahn, Villach, Autobahn Richtung Udine, Ausfahrt Tolmezzo nach Belluno.

WIND UND WETTER: Gleiches Windsystem wie am Gardasee: bis um 9 bläst der Nordwind, ab 12 Uhr fängt der Südwind an zu wehen. Beste Windzeit: März bis Juli. An guten Tagen bringt es die Thermik auf bis zu sieben Windstärken. Der Wind weht meistens konstant, wird zum Nachmittag hin etwas stärker und flaut gegen Abend langsam ab. Im Hochsommer oft zu wenig Wind am Nachmittag, mit großen Schirmen meist Gleitzeit. Im Herbst wird der Südwind wieder besser, ist aber nicht so konstant wie im Frühjahr/Frühsommer. Schönes, wolkenloses Wetter ist Windvoraussetzung, leichte Südströmung unterstützt den Südwind. Webseite www.meteosurf.it/stazionemeteo.php?idstazione=
5.

WASSERTEMPERATUR: Sommer über 20 Grad. Achtung Stausee. Bei Wassermangel wird das Wasser abgelassen.

KITESPOT: Bester Platz ist der Strandabschnitt rund um Camping Sarathei bei Farra d’Alpago. Der Strand ist zwei Kilometer lang. Das Wasser ist auf den ersten Metern stehtief und man kann stellenweise mehrere hundert Meter ins Wasser gehen: Ideal für Anfänger. Der Strand ist aus Wer nicht am Campingplatz wohnt, parkt am besten auf einem der beiden kostenpflichtigen Parkplätze (der zweite liegt hinter dem Fußballplatz) und geht zum Strand.

WOHNEN: Camping Sarathei mit viel Schatten direkt am Spot, Via al Lago 13, 32016 Farra d’-Alpago, Tel. 0039/0437/46996, Fax 454931. Internet: www.sarathei.it.

ÜBERNACHTUNG: Parkplatz 8,50 Euro, Erwachsene 4,50 Euro und Kinder von drei bis zehn Jahren 2,50 Euro). Albergo alla Spiaggia: hat ganzjährig geöffnet, liegt neben dem Campingplatz am Spot in Farra. Tel./Fax 0039/0437/4238. Bellavista: liegt oberhalb vom See und bietet ein wenig Almhüttenambiente (Tel. 0039/0437/46892)




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