Rhodos - Fanes

Aus: KITE Magazin 5/06

Griechische Trias: Wein, Salat und Meer. Auf Rhodos gehört noch der Wind zum Glück der Gäste. Dank des beständigen Thermik-Windes ist Fanes das Tarifa des Ostens geworden. In einer kleinen Kitestation unter deutscher Leitung ist das Menü schon zubereitet: Bis zu sieben „Gänge” kredenzt der Sommerwind. Nur die Tischdecke ist schlecht gebügelt – Fanes hat bis zu zwei Meter hohe Dünungswellen.

Die Wellen von Rhodos sind sagenhaft. Der Grieche, der für alles eine mythologische Erklärung hat, erzählt dem staunenden Kiter lachend: „Als der Koloss von Rhodos ins Meer stürzte, gab’s ein kleines Seebeben. Und die Schockwellen laufen immer noch an den Strand von Fanes.” Die 34 Meter hohe Statue, die sich über die Hafeneinfahrt von Rhodos gespreizt hatte, fiel allerdings schon vorgestern (so ungefähr vor 2500 Jahren) in Wasser. Für die Wellen gibt es aber auch eine weniger romantische Erklärung: Beständige westliche Winde schieben das tintenblaue Wasser in die Enge zwischen Rhodos und türkischem Festland. Während im Westen der griechischen Großinsel die Luft in der mediterranen Mittagshitze flimmert und das Meer wie gelähmt ist, beginnen 15 Kilometer vor dem Flughaten – im Osten der Insel – plötzlich die OIivenbäume zu wackeln. Der Grund ist schemenhaft in 17 Kilometern Entfernung zu sehen: Die türkischen Gebirgszüge. Während die Ägäisinseln im Norden meist nur vom hochsommerlichen Meltemi profitieren, lebt Rhodos von der See-Land-Thermik. Im türkischen Hinterland steigt die an den Bergflanken erhitzte Luft auf und saugt die kühlere Luft über dem Meer an. Eine solche Saugmaschine bringt allerdings nur starken Wind, wenn die Topographie mithilft: Die türkischen „Leitplanken” in Form von Gebirgszügen und die bis zu 1200 Meter hohen Berge auf Rhodos bilden ein Ofenrohr, in dem die Luft schneller fließt.

So sorgt die Türkei, sonst eher nicht für Wohltaten an Griechen bekannt, für eine sommerliche Klimaanlage auf Rhodos.

Der Wind trifft im Ferienörtchen Fanes in einem Winkel von zehn bis 45 Grad aufs Ufer. Er beginnt morgens um 7 sein Tagwerk mit etwa fünf Windstärken, schlafft um die Mittagszeit für eine kurze Siesta ab und kommt dann nachmittags gegen halb drei für zwei Stunden zurück. Roland Rau, Segel- und Surflehrer an der Kite-Station des Surfshops Laupheim, warnt vorsorglich alle Großkite-Flieger: „Der sommerliche Wind kann bis zu acht Beaufort stark werden.”

Das allein ist schon ein Reise-Grund. Was Rhodos radikal von Inseln der Ägäis unterscheidet, ist die jährliche Windperiode. Segel-Experte Roland: „Schon im April gibt es 50 Prozent Wahrscheinlichkeit, fünf Windstärken zu erleben. Im Mai steigert sich die Quote auf 60, im Juni sogar auf 70 Prozent. Beim Juli und August wird einer der beiden Monate besser, der andere schlechter.” Die beste Nachricht aber kommt noch. Roland: „Der September kann so gut werden wie der Juni. Im Oktober gibt’s nur eine Alternative: Sturm oder Flaute.” Der braungebrannte Allgäuer muss es wisssen – er arbeitet seit 1990 auf Rhodos.

Im Winter, wenn Rhodos wieder den Griechen gehört, donnern mächtige Fronten an die Gestade der Nymphe Rhode: „Da schieben sich dann zehner-Sets ans Ufer, die letzte Welle rund drei Meter hoch.”

Der Shorebreak im Sommer dagegen ist harmlos wie die Milch auf dem griechischen Cafe frappé. Jeder Aufsteiger überwindet das Weißwasser am Ufer, ohne blass zu werden. Draußen macht sich der Flachwasser-verhätschelte
Luxuskiter aber doch mal in den Neo-Shorty: Zwei Meter hohe Dünungswellen (die meist nicht brechen) zwingen ihn zu einer ungewohnten Achterbahn. Wenn man dem Swell den Buckel runter rutscht, weicht der Zug kurz aus dem Schirm. Ein Wipe out ist mit einer kleinen Seereise verbunden, weil eine geheimnisvolle Strömung an der Hafenmauer vorbei aufs Meer zieht. Das ist nicht weiter tragisch, weil die Türkei auch als schönes Land gilt – kleiner Scherz, weil die Station natürlich ein geländegängiges Motorboot besitzt.

Könner, die sich zwischendurch ein bisschen Wakestyle geben wollen, rutschen hinter der Hafenmole auf einem 100 Meter langen Flachwasserstreifen herum – ungefährdet, weil die Steine in Luv liegen. Abends, wenn die Recken müde sind, nehmen sie Michael und seine Frau in ihre Obhut. In seinem kleinen Hotel mit 13 Zimmern wird abends im schattigen Innenhof getafelt: vom Stifado bis zum Horiatiki, vom Psari (Fisch) bis zum Tsaziki, Michalis lässt seine Gäste spüren, was Xenophilie – Gastfreundlichkeit in Griechenland bedeutet. Sein Hotel Michael’s Vacancies liegt zehn Minuten von der Kitestation und 13 Kilometer vom Flughafen entfernt.

Kiter verlassen ihren Spot nie – besonders nicht bei Flaute, es könnte ja noch Wind kommen. Deshalb hier nur die theoretischen Möglichkeiten eines alternativen Urlaubstages (könnte ja sein, dass einen die Freundin dazu zwingt): Rhodos Stadt glaubt, sie sei das östliche Ibiza. Eine Nacht in Rhodos kostet immerhin keine Stunde Wind, falls man am nächsten Tag „arbeitsfähig” ist. Eine kleine Reise an den Südwestzipfel der Insel nach Prassonissi wird nicht als Damenprogramm anerkannt, weil dort exzellente Kitebedingungen herrschen – falls einen die polnischen Dauer-Kiter aufs Wasser lassen.

Da hilft nur ein Abstecher an den Sorbas-Strand und eine kleine Wallfahrt auf den Klosterberg Tsampika. Eine Frau, die dort betet, soll mit reichem Kindersegen beschenkt werden. Das wäre dann wahrscheinlich aber sehr schädlich fürs Kitesurfen.

Könner, die sich zwischendurch ein bisschen Wakestyle geben wollen, rutschen hinter der Hafenmole auf einem 100 Meter langen Flachwasserstreifen herum – ungefährdet, weil die Steine in Luv liegen. Abends, wenn die Recken müde sind, nehmen sie Michael und seine Frau in ihre Obhut. In seinem kleinen Hotel mit 13 Zimmern wird abends im schattigen Innenhof getafelt: vom Stifado bis zum Horiatiki, vom Psari (Fisch) bis zum Tsaziki, Michalis lässt seine Gäste spüren, was Xenophilie – Gastfreundlichkeit in Griechenland bedeutet. Sein Hotel Michael’s Vacancies liegt zehn Minuten von der Kitestation und 13 Kilometer vom Flughafen entfernt.

Kiter verlassen ihren Spot nie – besonders nicht bei Flaute, es könnte ja noch Wind kommen. Deshalb hier nur die theoretischen Möglichkeiten eines alternativen Urlaubstages (könnte ja sein, dass einen die Freundin dazu zwingt): Rhodos Stadt glaubt, sie sei das östliche Ibiza. Eine Nacht in Rhodos kostet immerhin keine Stunde Wind, falls man am nächsten Tag „arbeitsfähig” ist. Eine kleine Reise an den Südwestzipfel der Insel nach Prassonissi wird nicht als Damenprogramm anerkannt, weil dort exzellente Kitebedingungen herrschen – falls einen die polnischen Dauer-Kiter aufs Wasser lassen.

Da hilft nur ein Abstecher an den Sorbas-Strand und eine kleine Wallfahrt auf den Klosterberg Tsampika. Eine Frau, die dort betet, soll mit reichem Kindersegen beschenkt werden. Das wäre dann wahrscheinlich aber sehr schädlich fürs Kitesurfen.

Gut zu wissen:

ANREISE: Von vielen deutschen Flughäfen aus nach Rhodos (zweieinhalb
Stunden Flug von München aus; ab 250 Euro unter anderem mit Condor).

KITESPOT: 13 Kilometer vom Flughafen entfernt - geringe Lärmstörung.Der grobsandige Kitestrand ist 30 Meter breit und 60 Meter lang, die Station liegt jenseits einer kleinen Straße, besitzt Dusche, Toilette, Lagerräume und eine schöne Liegewiese mit Sonnenschirmen. Nebenan kleine Restaurants. Der Spot hat eine mittlere Uferbrandung bei starkem Wind. Draußen etwa zwei Meter Dünungswelle, die man schön abreiten kann. Der Spot ist geeignet für Kiter ab Könnensstufe 2 aufwärts. Reine Anfängerschulung funktioniert nur mit Unterricht vom Boot aus (funktioniert gut bei Kitern ohne Wasserangst).

BUCHUNGEN: Das einfache, sehr saubere Hotel Michael’s Vacancis mit schmackhafter Halbpension wird exklusiv vertrieben vom SURFSHOP LAUPHEIM, Tel. 07392/5555, Kitecity, Tel. 07392/913566




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