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Weltmeister der Zukunft

21.06.2017

Die GKA stellt eine neue World-Tour vor.

 

Die Idee: Mehr Bigair-Elemente sollen für den Wow-Faktor sorgen.

Das neue Format der Air Games soll attraktiver für Zuschauer, Fahrer und Veranstalter werden. Dennoch wird der klassische Wakestyle nicht aussterben. KITE hat bei GKA-Chef Jörgen Vogt nachgefragt, was genau hinter

dem Konzept steckt.

 

 

Wie kam es zu der Entscheidung, mit den Air Games ein neues Contest-Format zu etablieren und wer war am Entwicklungsprozess beteiligt?

An der Entwicklung waren Susi Mai, Jaime Herraiz und Mallory de Villemarque als ehemaliger Headjudge der WKL Tour gemeinsam mit der GKA beteiligt. Außerdem haben wir das Feedback vieler Kitemagazine weltweit und die Ausrichtung der führenden Kitemarken berücksichtigt. Das waren im Prinzip die Geburtsthelfer dieser Tour. Warum? Weil wir neben dem komplettesten Kitesurfer auf einem Surfboard eben auch den komplettesten Kiter auf einem Twintip in einer Weltmeisterschaftstour ermitteln wollen. Aus diesem Grund wird die neue Tour alle Elemente des Kitesports integrieren und dabei so spektakulär, so nah am Publikum und so verständlich wie möglich sein. Ein wesentlicher Grund war außerdem, dass die Brands gesagt haben, dass ihre Absatzzahlen bei Nischenprodukten wie C-Kites dermaßen marginal sind und sie ihre Produkte eben auch in einer massenkompatiblen Tour repräsentiert sehen möchten. Außerdem wollen wir eine Plattform für alle Rider schaffen. Ob das nun ein Toby Bräuer ist, der Board-Offs oder Oldschoolmanöver oder Liam Whaley, der Handlespasses springt – alle sollen die Möglichkeit haben, auf dieser Tour teilzunehmen und mit ihren verschiedenen Stilrichtungen zu gewinnen. Damit wollen wir den Sport wieder spannender und attraktiver für Hobby-Kiter und Nicht-Kiter machen.

Und was wird jetzt aus dem klassischen Freestyle, der sich ja bisher als Königsdisziplin verstanden hat? In welchem Verhältnis wird eine neue Wakestyle Tour der KRU zu neuen Format stehen? Habt Ihr keine Bedenken, dass die beiden Touren sich gegenseitig Konkurrenz machen? Ich frage mich, wie sinnvoll so eine Differenzierung für eine kleine Sportart wie Kitesurfen wirklich ist. Es wird dann wieder zwei Weltmeister geben. Das erinnert etwas an Mark Shinn und Martin Paris Zeiten und die KPWT sowie PKRA Touren.

In Konkurrenz zueinander soll das gar nicht stehen! Deshalb werden bei den Air Games auch Manöver, die auf einer Wakestyle Tour hohe Scores erzielen, gar nicht gewertet werden. Also ein gepowerter Trick mit tief stehendem Kite bringt hier nichts. Es kommt eher auf Höhe an – auch bei Handlepasses. Dadurch wird der Wakestyle aber keineswegs aussterben. Ob und welche Wakestyle Events die KRU beziehungsweise die WKC auf die Beine stellt, kann ich nicht sagen. Das obliegt allein der KRU. Der Freestyle hat sich immer als Königsdisziplin verstanden, ist aber letztendlich heute eher eine Nischendisziplin. Und diesen Tatsachen muss man einfach ins Auge sehen. Aus diesem Grund gehen wir auf das ein, was der Markt fordert. Auch die Eventveranstalter – und das ist wichtig – wollen keine puren Freestyle Contests mehr machen, da es zu wenig Leute interessiert. Die Veranstalter müssen ohnehin schon entscheiden, welche Sportarten und welche Disziplinen sie zeigen wollen. Ich glaube, man tut dem Ganzen keinen Gefallen, wenn man unbedingt einen Konflikt herbeischreiben oder herbeidiskutieren will. Das schadet dem Sport. Ich werde oft von Außenstehenden mit dem Vorurteil konfrontiert, dass unter Kitern so viel Konflikte herrschen. Wenn wir den Sport größer machen wollen, sodass sowohl die Fahrer als auch die Hersteller etwas davon haben, dann schießen wir uns selbst ins Knie, indem wir das immer als konfliktgeladene Situation beschreiben. Unsere Konkurrenten sind ganz andere Sportarten außerhalb des Wassersports, wie Mountainbiken, Parcours oder sogar Fußball. Mit denen kämpfen wir um Aufmerksamkeit und Sponsorengelder und nicht die Wakestyler gegen die Bigair-Freestyler. Wenn die KRU eine reine Wakestyle Tour veranstalten möchte, dann ist das für uns völlig in Ordnung.

Wir werden also bei den Air-Games auch Dangle-Passes wie beim King of the Air sehen? Beim KOTA hat sich ja ein Teil der Szene auch schon die Köpfe heißdiskutiert, ob das die richtige Richtung ist.

Klar, darüber kann man natürlich diskutieren. Man kann auch den gesamten Profi-Sport hinterfragen, wie einige das gerne tun. Es gibt aber ein Bedürfnis für diese Kombination aus Bigair und Freestyle und das versuchen wir abzudecken. Ich habe schon einmal gesagt und das wiederhole ich gerne: Egal was man macht, es gibt immer 20 Prozent der Leute, die sich über irgendetwas beschweren. Deshalb gehen wir nach der Mehrheit. Und die Mehrheit der Magazine, der Firmen, der Fahrer und des Publikums will eine solche Disziplin, mit der sie sich identifizieren können.

Was wird denn jetzt aus der KRU beziehungsweise der WKL? Wir haben eine E-Mail bekommen, die darauf schließen lässt, dass sich die KRU nicht wirklich einvernehmlich von WKL-Chef Danny Galliart getrennt hat.

Das ist gar kein großes Geheimnis. Die KRU hat sich mit Danny Galliart zerstritten. Galliart hat eine Firma, die sich den Namen „World Kiteboarding League“ hat schützen lassen. Nach allgemeinen Informationen, soll Galliart wohl erhebliche Schulden bei Eventveranstaltern und Medienpartnern haben und wollte diese Schulden angeblich auf die Fahrervereinigung abwälzen. Da wollte die KRU wohl nicht mitmachen und hat den Vertrag mit Galliart nicht verlängert. Dadurch ist die WKL nur noch als reine Worthülse existent. Die KRU wird also voraussichtlich eine eigene Tour auf die Beine stellen, die dann unter dem Namen World Kiteboarding Championships (WKC) laufen soll. Die WKL als World Tour gibt es nicht mehr. Danny Galliart hat keine Rechte mehr, eine solche Tour zu veranstalten.

Laut Judging-Kriterien muss jeder Kiter aus drei der vier Kategorien Regular Jumps, Board-Offs, Kiteloops und Handlepasses verschiedene Tricks in jedem Heat zeigen. Bei wenig Wind dürfte das schwierig werden, wenn jemand z.B. keine Passes springt. Wie kann man sich das neue Event-Format also konkret vorstellen? Tritt dann Toby Bräuer gegen Carlos Mario an, der dann nur noch Dangle-Passes springt, weil ihm sonst die Höhe für einen anständigen Score fehlen würde?

So ähnlich, ja. Natürlich ist die Frage, was jeder einzelne unter dem Begriff „Bigair“ versteht. Sind das jetzt über dreißig Meter oder nur zehn Meter? Vielleicht darf man sich nicht so sehr an diesem Begriff aufhängen. Es geht generell viel stärker um die Höhe der Sprünge, die dann mit Loops, Grabs, Boardoffs oder Handlepasses kombiniert werden können. Je nach Bedingungen werden wir – genau wie bei der Kitesurf World Tour – eine prozentuale Gewichtung im Scoring haben. Das heißt, wenn wir 30 bis 40 Knoten haben, wird natürlich der Loop und die Höhe stärker gewichtet, als bei wenig Wind.

Das klingt so, als wäre das Format mehr auf Starkwind zugeschnitten. Beim World Cup auf Fehmarn hatten wir in der Vergangenheit viele Leichtwindtage. Werden die Eventlocations entsprechend angepasst? Im Rulebook steht, dass 15 Knoten Minimum für einen Contest sind.

Gefahren werden kann gemäß des Rulebooks bei „geeigneten Bedingungen“. Aber es ist richtig, dass wir Spots mit Chance auf starken Wind bei der Auswahl der World Cup Standorte bevorzugen würden.

Also werden wir in Deutschland eher keine Airgames sehen?

Das Format der GKA Kiteboarding World Tour: Air Games soll so umfassend wie möglich sein, alle spektakulären Varianten des Kitens abbilden und in seiner Perfektion demonstrieren. Deshalb werden wir natürlich auch Spots in unsere World Tour aufnehmen, die nicht nur Flüge nahe an der Stratosphäre ermöglichen. Auch bei leichterem Wind kann man eine atemberaubende Show zeigen. Alles andere würde doch wieder nur den Nischenansatz befördern und das Gefühl bei den Nicht-Profis verstärken, dass Kiteboarding an 80 Prozent aller Spots weltweit und Profisport nichts miteinander zu tun haben. Genau dieser Fehlvorstellung wollen wir mit der neuen Tour entgegenwirken.

Viele Hobby-Kiter sind keine Freestyle-Experten. Die WKL hatte ein Live-Scoring eingeführt, da bis dahin der Großteil der Zuschauer kaum verstanden hat, was auf dem Wasser passiert und warum ein Fahrer gewinnt oder verliert. Ist das neue Format zuschauerfreundlicher oder wird alles noch komplexer?

Es wird deutlich spektakulärer werden und der Wow-Faktor wird ein wesentliches Kriterium für die Zuschauer. Sicherlich ist es für einen Außenstehenden bei allen Sportarten, bei denen es auf Ausdruck und Performance ankommt, dasselbe Problem: Ohne Fachkenntnisse kann man manchmal nicht beurteilen, warum jemand besser oder schlechter ist. Das gilt genauso für Turmspringen oder Eiskunstlauf. Wir werden ein Live-Scoring bei den Events haben und sind gerade dabei, dafür ein Programm zu schreiben, das wir erstmals in Leucate einsetzen werden. Allerdings werden wir keinen Live-Stream im Internet anbieten, denn die Kosten dafür sind in Relation zu den Zuschauerzahlen zu hoch.

Versprecht Ihr Euch mit dem neuen Konzept weitere Groß-Events, weil es attraktiver für Sponsoren ist?

Bezüglich der Groß-Sponsoren bin ich sehr zurückhaltend. Das ist auch nicht das Ziel der GKA. Ja, wir wollen die Qualität der Tour und die Events verbessern, aber auf einer gesunden und nachhaltigen Wachstumsstrategie aufgebaut. Die Fahrer, die heute entscheiden, dass sie in den Profi-Sport einsteigen wollen, müssen sicher sein können, dass sie auch in fünf Jahren noch an Weltmeisterschaften teilnehmen können. Das ist das primäre Ziel. Dabei wollen wir den Spirit und die Seele des Kitens aufrechterhalten. Der ein oder andere mag das vielleicht als unprofessionell beurteilen, weil es eben nicht so sehr auf Wachstum ausgelegt ist. Aber wir sehen eben auch, dass Kiten etwas anderes als eine Fußball-Weltmeisterschaft ist. Dementsprechend versuchen wir, eine Auswahl an Events zu haben, die in erster Linie dem Sport gerecht wird, aber auch den Herstellern und den Fahrern gleichermaßen und die vor allem nachhaltig und sicher finanziert ist. Zwischen diesen Elementen muss eben immer ein Kompromiss beziehungsweise der richtige Mix gefunden werden.

Das bringt mich indirekt schon zur letzten Frage: Wie sieht es mit dem Preisgeld für die Fahrer aus? Gibt es Mindestbeträge pro Event? Und wieso ergibt sich laut Rulebook beim Preisgeld ein Split von 80 zu 20 Prozent zwischen Männern und Frauen. Fahren Männer viermal so gut wie Frauen?

Wir haben kein festgesetztes Mindestpreisgeld. Da muss ich auf die Kitesurf World Tour verweisen. Dort haben wir im letzten Jahr immer ein Preisgeld von 25.000 bis 30.000 Euro ausgezahlt. Mauritius war nicht in der Lage das zu bezahlen, also hatten wir dort nur 12.000 Euro Preisgeld. Wie haben die Fahrer gefragt, ob Sie trotzdem teilnehmen wollen. Und alle haben zugesagt, da Mauritius der wichtigste Event mit den besten Bedingungen ist. Für die meisten Fahrer ist es in dem Fall wichtiger, dass der Event stattfindet als dass ein bestimmter Betrag an Preisgeld garantiert ist. Auf der neuen Tour wird das ähnlich laufen. Das Preisgeld sollte 25.000 Euro nicht unterschreiten - kann es aber in Ausnahmefällen. Wir versuchen, das Preisgeld in einer Spanne zwischen 20.000 bis 30.000 zu halten, damit die Events auch realisierbar bleiben. Es bringt uns nichts, wenn wir einen Event absagen müssen, weil wir die letzten 5.000 Euro Preisgeld nicht zusammen bekommen. Was das Splitting anbelangt: Mit dieser Frage habe ich gar kein Problem und die ist natürlich auch etwas ketzerisch gestellt. Wir haben die Erfahrung bei der Kitesurf World Tour gemacht, dass wir kaum Frauen zusammen bekommen haben. Da haben bisher 40 Männer und sechs Frauen um das Preisgeld gekämpft. Und bei den Frauen bekommen die ersten drei Plätze auf jeden Fall ein Preisgeld. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, bei den Frauen ein Preisgeld zu bekommen, viel höher ist als bei den Top-20 Männern. Und um das gerechter zu gestalten, haben wir diese Anpassung vorgenommen. Sollte sich bei der neuen Tour zeigen, dass dort genauso viele Frauen wie Männer teilnehmen, müssen wir natürlich eine andere Regelung schaffen und das auf 50:50 anpassen.

Welche Events sind für 2018 konkret in der Pipepline?

Den Auftakt macht im April Leucate. Danach kommt Ende Juni Tarifa. Anschließend folgt der Contest in Cabarate mit Susi Mai. Diese drei sind bisher bestätigt. Zusätzlich planen wir einen Tourstopp in Sotavento auf Fuerteventura und als letzten Event Brasilien, wo der Weltmeister gekrönt werden soll. Die letzten beiden sind noch nicht bestätigt, die Chancen auf eine Realisierung stehen aber sehr gut. Und Interesse angemeldet hat auch Neukaledonien. Dann hätten wir im ersten Jahr schon sechs Events, aber da bin ich erstmal noch zurückhaltend.

 

 

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