Ein Züricher Paar hilft human trafficking-Opfern. Und verhilft gleichzeitg alten Kites zu einem neuem Leben.

Menschenhandel ist ein Milliardengeschäft

Die UN geht davon aus, dass jährlich rund 2,5 Mio. Menschen Opfer von werden – das entspricht einer Person alle 30 Sekunden. Davon sind laut UNICEF fast ein Drittel Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Als die Züricherin Tabea Oppliger erfuhr, dass diese Form moderner Skalverei jeden Tag vor ihrer Haustür passiert, wollte sie helfen. Das bedeutet vor allem eines: Verstehen, warum die betroffenen Frauen und Mädchen den Ausstieg nicht schaffen. Die ausgebildete Heilpraktikerin ging über drei Jahre lang in Bordelle und Laufhäuser in ihrer Umgebung, bot Massagen gegen symbolische Beträge an. So baute sie Kontakte zu Prostituierten auf, gewann langsam ihr Vertrauen. Und erfuhr, dass es den Betroffenen vor allem an Ausbildung und sozialen Kompetenzen fehlt. Tabeas Ehemann Matthias war zur selben Zeit im Polizeidienst, kannte das Problem also aus einer anderen Perspektive. Gemeinsam beschlossen sie, ein Social Business zu gründen, das Sexindustrie-Opfern bei der Wiedereingliederung in die Arbeitswelt hilft.

Die Geschäftsidee dafür übernahmen die passionierten Kitesurfer von Rebekka Federer, einer Modedesignerin und Kiterin aus der Schweiz: Ausgediente Kites werden zu hochwertigen Taschen und Rucksäcken upgecycelt. Und zwar in einem Ausbildungsbetrieb, in dem die Angestellten nicht nur neue berufliche Fähigkeiten erlernen, sondern auch rechtliche und soziale Unterstützung bekommen. Da eine Firmengründung in der Schweiz langwierig und um einiges komplizierter gewesen wäre, zogen die Opplingers mit ihren drei Kindern 2014 nach Tel Aviv, wo heute die Werkstatt und das Ladengeschäft stehen. Übrigens: Wer seinen Kite spendet, bekommt eine der handgefertigten Taschen geschenkt.