Für die Freestyle-Profis ist das Geschäft ­knallhart geworden. Krassere Tricks, blutjunge Konkurrenten, ab Mitte 20 zählt man zur ­alten Garde. Training auf eigene Faust oder mit den Kite-Kumpels reicht längst nicht mehr aus, um sich in der Weltspitze behaupten zu können. Einige Fahrer leisten sich deshalb einen professionellen Trainer. Und davon scheint es aktuell nur einen zu geben: Fabio ­Ingrosso. Der Schweizer hat aus talentierten Kindern wie Mika Sol oder seinem Landsmann Maxime Chabloz Spitzenprofis gemacht, die heute die World Cups dominieren – oder es in den nächsten Jahren noch werden. KITE hat den Meistermacher zum Gespräch gebeten und wollte wissen, was hinter seinem Erfolgsrezept steckt, wie er in der Diskussion Air Games vs. Freestyle steht und ob es gesund ist, dass bereits Kinder eine Profilaufbahn einschlagen.

Hallo Fabio, herzlichen Glückwunsch zu den guten Ergebnissen, die deine Athleten gerade wieder bei den World Kiteboarding Championships in Dakhla einfahren konnten! Scheint ja zu laufen. Bist du zufrieden oder siehst du Verbesserungspotenzial?
Ja, das war ein aufregendes Finale. Mika [Führende im Freestyle-World-­Cup-Ranking; Anm. d. Red.] hatte einige Probleme und es war schwer, sie wieder in die richtige Spur zu bringen. Am Ende hat sie mit 0,1 Punk­ten Vorsprung gewonnen. Und Maxime hat auch kein gu­tes Finale erwischt und ein paar wichtige Tricks nicht gelandet. Aber unterm Strich bin ich sehr zufrieden mit den Leistungen.

Betreust du neben Mika und Ma­xime derzeit noch andere Athleten? Ich sehe dich am Strand während der Contests immer mit sehr vielen Fahrern sprechen.
Ja, da gibt es einige Fahrer, mit denen ich arbeite. Paul Serin, Paula No­votná, Pippa van Iersel, um nur einige zu nennen. Außerdem starte ich jetzt im Winter in Brasilien das Training mit Rita Arnaus. Mit Stefan Spiessberger arbeite ich auch immer wieder. Vor ihm waren Anthar ­Racca, Tom ­Bridge und Christian Tio bei mir. Anthar ist derzeit viel mit seinem Vater unterwegs, Christian war zuletzt beim Twintip Racing aktiv, wird aber wohl wieder zum Freestyle zurückkommen, und Tom hatte eine Knieverletzung. Also wenn man so will, sind Mika und Maxime zurzeit meine beiden „Schlüsselspieler“, aber ich arbeite eben parallel noch mit einer ganzen Reihe von wirklich guten Fahrern. Einige davon sind immer mal wieder dabei, andere eben langfristig.

Ich glaube, dass du der erste richtige Profi-Coach im Kitesurfen bist. Kann man das so sagen? Oder gab beziehungsweise gibt es noch andere Coaches, die nur weniger auf der Bildfläche auftreten?
Na ja, ich coache eigentlich schon seit zehn Jahren. Allerdings habe ich das am Anfang nur für Freunde gemacht und nicht als richtigen Job aufgefasst. Das hat sich langsam ent­wickelt. Aber vor drei Jahren war ich dann an dem Punkt, dass ich mir gesagt habe: „Ich will das richtig machen.“ Ich wollte mein ganzes Wissen und meine Erfahrung an diese Kids weitergeben. Angefangen habe ich dann mit Christian Tio. Kurz da­rauf habe ich Mika und Maxime ­kennengelernt. Die zwei sind mittlerweile seit drei Jahren bei mir. Ich denke, dass ich im Moment der Einzige bin, der das so macht wie ich. Es ist auch ein enormer Aufwand, denn ich fliege zu jedem Contest und bin immer mit dabei.

Ich habe dich nun schon ein wenig kennengelernt, aber kannst du noch mal erzählen, was du vorher gemacht hast? Immerhin hast du ja selbst viel Erfahrung und einige Erfolge bei Contests sammeln ­können.
Ich habe 1995 mit dem Snowkiten angefangen. Damals musste ich mir alles selbst beibringen, Schulen gab es noch keine. Ich hatte einen Kite, den ich bei allen Bedingungen fliegen musste. Das war wild, aber ich war sofort von dem Feeling fasziniert. Kurz darauf habe ich dann mit Buggy-Kiten angefangen und bin dort auch einige Wettbewerbe mitgefahren. Snowkiten wurde bei mir dann immer stärker, sodass ich auch da irgendwann Contests gefahren bin. Neun Jahre bin ich die Snowkite-Tour mitgefahren und wurde sechsmal Snowkite-Weltmeister im Freestyle. Damals war ich schon bei North unter Vertrag, hatte ein Pro-Model und habe für North auch Material mit entwickelt und getestet. Irgendwann bin ich dann immer mehr auf dem Wasser anstatt im Schnee gekitet. Contests auf Wasser wollte ich aber damals nicht mehr fahren, da gab es bereits junge Kids, die die Szene aufgemischt haben. Ich habe mich aufs Testen spezialisiert. Währenddessen habe ich meine ersten Erfahrungen als Coach gesammelt und 2011 meine eigene Kiteschule in Sri Lanka eröffnet. Das hat sich immer weiterentwickelt und seit drei Jahren dreht sich der Hauptteil meiner Arbeit ums Coaching.

Fabio Ingrosso

Mit den jungen Fahrern mache ich auch Interviewtrainings.

Früher hat ja jeder Profi irgendwie für sich allein oder mit seinen Kumpels trainiert. Nun stehst du als Coach am Ufer und gibst den Fahrern Tipps. Wieso passiert das gerade jetzt?
Die Sportart wächst nach wie vor, wenn auch langsam. Ich denke, wir brauchen die Wettbewerbe, damit Kitesurfen weiterhin wachsen kann. Auf der anderen Seite werden die Kite-­Profis einfach immer besser und damit auch immer professioneller. Das ist wie in jedem anderen Sport auch. Irgendwann erreicht man ein so hohes Level, an dem es nur noch professionell funktioniert. Das bedingt sich quasi gegenseitig: Das Level steigt permanent, also professionalisieren sich der Sport und die Sportler zwangsläufig. Es geht aber nicht nur darum, den Fahrern nur irgendwelche neuen Tricks beizubringen. Du musst alle Stärken und Schwächen deiner Fahrer kennen und wissen, wie du in einer bestimmten Situation das Maximum aus ihnen herausholen kannst. Ich kenne das von früher, denn ich war bei Contests immer auf mich allein gestellt. Wenn man jemanden hat, mit dem man vor, während und nach den Wettbewerben sprechen und sich austauschen kann, ist das sehr viel wert.

Wie würdest du deine Arbeit als Coach beschreiben, wenn es nicht nur um das Training von neuen Tricks geht? Hast du da einen ganzheitlichen Ansatz, also betreust du deine Fahrer auch abseits der Zeit auf dem Wasser?
Zunächst mal treffe ich die Fahrer, um ein Vorgespräch zu führen. Darin definieren wir die Ziele, die der- oder diejenige hat. Abhängig vom individuellen Ziel entwickle ich dann einen Plan, wie sich dieses Ziel realisieren lässt. Das kann mit ein paar Wochen Training zu machen sein, das kann aber auch als sehr langfristiges Projekt angelegt sein. Ein Teil davon ist natürlich die fahrtechnische Entwicklung. Ich filme jede Session, habe meinen Computer am Spot dabei und wir machen viele Videoanalysen und solche Dinge. Genauso wichtig ist es aber für mich, auch an der mentalen Stärke zu arbeiten. Gerade bei den jungen Fahrern versuche ich, einen ganzheitlichen Ansatz zu gehen. Ich mache mit ihnen zum Beispiel Interviewtrainings. Oder wir erarbeiten eine Routine für Contest-Tage, was sie nach dem Aufstehen tun, wann und wie sie sich aufwärmen, wie die gesamte Vorbereitung auf einen Heat aussieht. Andere Fahrer kommen aber auch ausschließlich für ein paar Wochen zum sportlichen Training zu mir. Das ist immer unterschiedlich.

Fabio Ingrosso und Mika

Bei Mika habe ich beim ersten Treffen sofort gewusst: Dieses Mädchen wird irgendwann Weltmeisterin.

Ich habe dich bei einigen Contests in den letzten Monaten beobachtet, wie du während der Heats am Strand stehst, den Fahrern immer wieder Tipps und Anweisungen gibst und dabei ziemlich mitzueifern scheinst. Wie viel Einfluss hast du während eines Contests auf die Fahrer? Sagst du ihnen genau die Tricks an, die sie springen ­sollen, oder geht es eher um ­Motivation?
Genau da kommt der Punkt ins Spiel, dass ich die Fahrer sehr gut kenne und genau weiß, wann sie welche Tricks abliefern können. Es kommt durchaus vor, dass ich sa­ge: „Du machst jetzt genau diesen Trick!“ Das kann ich sagen, weil ich weiß, dass sie die Manöver schon im Training sicher gestanden haben. Die Fahrer können ihren Kopf ausschalten beziehungsweise müssen sich weniger Gedanken während des Heats machen, sodass sie sich voll auf den jeweiligen Trick konzentrieren können. Damit das funktioniert, müssen sie mir natürlich voll und ganz vertrauen. Das funktioniert die meiste Zeit wirklich gut. Mit einigen anderen Fahrern, wie zum Beispiel Gianmaria Coccoluto aus dem Duotone Team, mache ich das ähnlich, wobei ich mit denen nicht ganz so regelmäßig trainiere. Wenn du als Fahrer zu viel während deines Heats nachdenken musst, ist das nicht gut.

Klingt für mich nach einer Mischung aus Motivation und taktischer Unterstützung. Aber wie wichtig ist der strategische Teil mittlerweile? Bei den WKC-Con­tests sieht man die Fahrer während ihrer Heats mit Smartphones in der Hand, um das Livescoring zu checken. Dazu muss man wissen: Es gibt verschiedene Trickkatego­rien, die während eines Heats gezeigt wer­den müssen. Aus jeder Kategorie benötigt man eine Punktwertung. Entwirfst du ähnlich wie ein Fußballtrainer eine Art Spielplan passend für jeden Fahrer und den jeweiligen Heat?
Natürlich! Manchmal fühle ich mich fast schon wie ein Schachspieler. Ich bin in einem Spiel und muss auf das reagieren, was die anderen Spieler tun. Dafür muss ich nicht nur meine Fahrer einschätzen können, sondern auch alle anderen Kontrahenten und deren Trickportfolio kennen. Außer­dem muss ich wissen, welcher Trick welche Punktzahlen bringt, damit ich kalkulieren kann, was mei­ne Fah­rer zeigen müssen, um zu gewin­nen. Im Prinzip judge ich also parallel jeden Trick mit, da liege ich auch meistens bis auf 0,1 oder 0,2 Punkte richtig. Wenn ich also sehe, wie die anderen Fahrer punkten, kann ich meinem Fahrer genau sagen, welchen Trick er als Nächstes zeigen muss, um die entsprechende Punktzahl zu bekommen. Nur wenn ich diese drei Dinge gut einschätzen kann, bin ich für meine Fahrer eine gute Hilfe am Strand.

Da wir gerade beim Thema Judging sind: Bei den ersten Air-­Games-Events gab es offenbar Un­stim­migkeiten in Bezug auf die Wer­tungen. Auch schien einigen Fahrern insbesondere bei dem Event in Tarifa nicht klar zu sein, welche Tricks sie zeigen müssen, um einen guten Score zu erzielen. Hingegen schienen die von dir betreuten Fahrer einen sehr genauen Plan davon zu haben, was zu tun ist. Wusstest du damals schon mehr als die anderen oder hast du dich einfach besser mit der Thematik auseinandergesetzt? Und ist die Idee, einen Pit-Stop zu machen, also wäh­rend des Heats den Kite und das Board zu wechseln, von dir?
Nein, den Pit-Stop habe nicht ich er­funden. Aber es ist absolut nahe­liegend, dass man in dem Air-­Games-­Format das Material auf die Wer­tungs­kriterien anpassen muss. Es gibt eben Kites, die für Big Air besser geeignet sind als andere, weil sie mehr Hangtime bieten. Und wenn man Board-offs zeigen muss, dann ist auch klar, dass das mit Boots nicht klappt, also wechselt man das Board. Ich trainiere meine Fahrer im Wake­style mit Boots. Es gibt einige, die beides mit Schlaufen fahren, aber davon bin ich nicht überzeugt. Ich gehe allerdings ohnehin nicht davon aus, dass die Air Games nächste Saison wieder in der Form gefahren werden.

Wie? Du glaubst, nächstes Jahr wird es keine Air Games geben? Das höre ich gerade zum ersten Mal.
Nein, ich glaube, es wird nur noch eine Tour geben. Aktuell gibt es wieder viele Diskussionen darüber, ob man nur eine statt zwei Touren veranstaltet. In der gemeinsamen Tour sollen dann Freestyle und Big Air gefahren werden. Was daraus wird, muss man abwarten. Ich würde es vorziehen, eine richtige Wake­style-Tour zu haben. Aber das zu entscheiden ist nicht meine Aufgabe.

Jetzt hast du meine nächste Frage schon vorweggenommen. Mich in­ter­essiert, wie du die Air Games einschätzt. Einige Fahrer, natürlich hauptsächlich die Wakestyler, hacken auf dem Format herum, andere sehen für sich darin plötzlich neue Chancen, die sie im Wakestyle nie hätten.
Ja, ich finde es auch schwierig, wenn man Big-Air-Fahrer dazu bringen will, Free- beziehungsweise Wake­style zu machen, und andersherum genauso. Ich bin der Meinung, man sollte das trennen, also reine Big-­Air-Contests und reine Wakestyle-Con­tests. Natürlich weiß ich, dass es Leute gibt, die aus verschiedenen Gründen eine gemeinsame, große Tour bevorzugen würden. Vielleicht muss man eine neue Regelung finden, dass man windabhängig auf einigen Events Wakestyle und auf anderen Big Air fahren kann. Big Air macht aber meiner Meinung nur bei Wind über 25 oder 30 Knoten Sinn. Darunter sieht das einfach albern aus. Genauso ist es sinnlos, Fahrer dazu zu bringen, bei 15 oder 20 Kno­ten Board-offs oder Kite­loops zu springen. Das ist aus meiner Sicht in Tarifa und Cabarete schiefge­laufen, da das Reglement die Fahrer zu Tricks gezwungen hat, die bei dem wenigen Wind eigentlich nicht ­funktionieren.

Also unterstützt du das derzeitige Format der WKC?
Ich unterstütze das Format, von dem ich glaube, dass es gut für den Sport ist. Wie gerade der letzte WKC-Event gezeigt hat, funktionieren die Con­tests wirklich gut. Auch der Live­stream und das verständliche Livescoring haben sich bewährt. Als Coach muss ich mich aber auch auf andere Formate, wie eben die Air Games, einstellen können. Ich persönlich mag Wake­style lieber, das ist die Formel 1 des Kitesurfens. Dort sind die Besten der Besten am Start. Natürlich ist das nicht für die breite Masse. Board-offs sind nicht das Maß der Dinge. Wenn ich ein wenig trainiere, kann ich das nach ein paar Wochen auch. Genau wie Loops, das ist auch nicht so schwierig. Aber ich werde nie in der Lage sein, Double Passes oder einen Slim 9 zu springen. Für mich ist es sehr wichtig, diesen Aspekt des Wettbewerbs zu bewahren, da es wirklich ein Wettbewerb zwischen den weltweit besten Kitern ist. Auch wenn der Durchschnitts-Kiter sicher sagt, dass er das niemals selbst machen oder können wird, so glaube ich doch, dass viele davon fasziniert sind und sich die Contests gerne ­ansehen.

Es kommt immer eine jüngere Generation hinterher, die alles vorher Dagewesene in Grund und Boden fährt.

Wer bezahlt dich eigentlich für deine Arbeit? Du ­arbeitest ja viel mit sehr jungen Fah­rern, denen selbst vermutlich das Geld fehlen dürfte. Müssen die Eltern da einspringen oder finanzieren die Sponsoren das Training?
Der finanzielle Part ist leider nie so ganz einfach. Nicht alle Fahrer haben ein richtiges Sponsoring-Budget, von dem sie mein Honorar zahlen können. Dann übernehmen das meistens die Eltern. Es gibt aber auch Sponsoren, die das Training für Nachwuchsfahrer ganz gezielt fördern, so wie bei Mika beispielsweise. Dazu kommen dann noch Gelder, die das ganze Reisen abdecken. Ma­xime hat ebenfalls einen Sponsor, der ihn stark unterstützt. Klar, unterm Strich ist das zusammengerechnet ein großes Investment, das die Eltern oder Sponsoren eingehen müssen, um so junge Talente zu fördern. Für die Älteren ist das meistens einfacher, da die in der Regel bereits Sponsoren haben, die sich an den Kosten ­beteiligen.

Also scouten Marken wie Duotone oder F-One ganz gezielt junge Ta­len­te, die sie dann zu dir schicken, damit du aus ihnen erfolgreiche Pro­fis machst?
Bei Duotone ist es so, dass mich die Marke damit betraut hat, zu den Events zu fahren und ihr Team zu betreuen. Maxime hat seine eigenen Sponsoren, die ihn finanzieren. Inwieweit F-One darin involviert ist, weiß ich nicht, aber auch die werden ihn sicherlich entsprechend ­unterstützen.

Worauf ich hinauswollte, ist, dass es für junge Talente leider, ins­be­son­dere in Deutschland, wenig För­de­rung und professionelle Strukturen gibt. Mika ist gerade einmal 14 Jahre alt. Für die letzte Ausgabe habe ich mich mit Stefan Spiessberger unterhalten, der sagte, im Finale in Akyaka sei kein Fahrer älter als 20 Jahre gewesen. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich der richtige Weg ist, dass die Profis immer jünger werden und sie sich bereits so früh für eine Profilaufbahn entscheiden müssen, weil sie sonst zu alt sind, um noch dieses enorme Level zu erreichen. Nicht gerade nachwuchsfreundlich – oder es funktioniert nur noch für Kinder mit reichen Eltern.
Diese Entwicklung ist in allen Freestyle-Sportarten dieselbe, egal ob beim Surfen, Skaten, Mountainbiken oder was auch immer. Es kommt immer eine jüngere Generation hinterher, die alles vorher Dagewesene in Grund und Boden fährt. So kommt es, dass bereits Kids mit 15 oder 16 bis, sagen wir mal, Anfang zwanzig an der Spitze fahren. Darüber ist man bereits alt. Also ja, das ist normal und da unterscheidet sich Kiten nicht von anderen Sportarten. Die Sportarten wachsen eben und die ganz jungen Kids kommen vielleicht mit neun oder zehn Jahren das erste Mal in Kontakt mit dem Sport, fangen an zu träumen und wollen das, was sie gesehen haben, irgendwann selbst können. Und dann fangen sie an, dafür zu trainieren. Genau so war das für Mika. Sie wollte das bereits extrem früh und jetzt eröffnet sie eine komplett neue Art des Damen-Kitesurfens. Sie ist derzeit die absolute Referenz und macht Dinge, die vor ihr nie eine Frau gemacht hat. Garantiert werden ihr jetzt viele Mädchen nacheifern. Also wird das Level bei den Mädchen insgesamt ­ansteigen.

Dass Mika für die nächsten Jahre gute Aussichten hat, das Geschehen bei den Damen zu dominieren, glaube ich dir sofort. Wie sieht es deiner Meinung nach bei den Herren aus? Kann Carlos Mario seine Rolle verteidigen oder wird ihn demnächst ein anderer Fahrer vom Thron stoßen? Und wenn ja, wer wird das sein?
Das werden nur die jungen Fahrer können. Die Älteren haben aktuell keine Chance gegen Carlos. Ich glaube, dass er sich noch ein Jahr an der Spitze be­haupten kann, und danach werden andere kommen. Er ist jetzt 20, Maxime und Adeuri Corniel zum Beispiel sind 17 oder 18 Jahre alt, Valentín Rodríguez ist 16 – diese Jungs werden in zwei oder drei Jahren die nächsten Weltmeister unter sich ­ausmachen.