Neos ohne Reißverschluss sind der letzte Schrei – sagen zumindest die Surfer. Die Paddelfraktion liegt nämlich mehr im Wasser, als auf dem Board zu stehen, und freut sich, wenn möglichst wenig von der kalten Plörre in den Anzug sickert. Faustregel: Weniger Öffnungen führen zu weniger Wasser im Neo. Zudem sollen die neuen Zippless-Neos wärmer und ­flexibler sein. Um zu checken, ob sich der Umstieg auf Zipless lohnt, lassen wir zwei 4/3er-Modelle von ION und RRD im Kurztest gegeneinander antreten.

Im Test: ION Onyx Amp Zipless vs. RRD Celsius Pro Zipless (beide 4/3)

Anziehen:
Wir haben mit beiden Modellen beim ersten Anziehen Mühe. Kaum zu glauben, dass durch die kleine Öffnung unter der Schul­ter­partie ein ausgewachsener Kiter passen soll! Dennoch: Es funktioniert. Allerdings braucht man dafür deutlich mehr Zeit, Kraft und Ausdauer als bei einem Front-Zipper. Das Hochziehen bis zu den Rippen ist ähnlich, doch dann beginnt der Kampf. Beide Anzüge verfügen über eine enge Öffnung und sind ähnlich dehnfähig. In den ION schlüpft man etwas leichter, denn der ist sowohl im Rumpfbereich als auch an den Armen weiter geschnitten als der knall­enge RRD. Zudem bietet der ION etwas mehr Stretch. Selbst unser schmaler Chef-Tester Michi hat alle Mühe, den Einstieg ohne fremde Hilfe zu meistern. Bei beiden darf man sich nicht scheuen, das Neopren an der Öffnung weit auseinanderzuzerren. Das halten beide Anzüge aus. Mit der Zeit dehnt sich das Neopren ein wenig, sodass der Einstieg mit ein wenig Routine einfacher wird.

Passform und Tragekomfort:
RRD schneidert italienisch eng. Bei ION ist die Passform abhängig vom Modell: Die Strike-Linie ist etwas weiter geschnitten als die sportlichere Onyx-Linie. Da es nur den Onyx als Zipless-Version gibt, ist man bei ION auf die engere Variante festgelegt. Dennoch ist eng nicht gleich eng, denn der RRD sitzt deutlich enger an als der ION. Wer ein paar Kilo mehr auf den Rippen hat, tut sich beim ION leichter und fühlt sich etwas freier. Doch auch kräftige Kerle passen in den RRD, es dauert eben nur länger. Wenn man erst mal drin ist, sitzt der Celsius Pro perfekt – egal bei welcher Körperform. Nur der Durchmesser der Unterarme könnte etwas größer sein. Mit einem sehr schmalen Körperbau kann es sein, dass man den Onyx Amp nicht komplett ausfüllt. Unser Chef-Tester hat bei Größe M am Gesäß und im Schulterbereich leichte Falten festgestellt, die unser kräftiger XL-Tester nicht bemerkt hat. Beim Tragekomfort liegen beide An­zü­ge auf Topniveau und unterscheiden sich kaum. Die Bewegungsfreiheit ist enorm, auch dank des nicht vorhandenen Reißverschlusses – wenngleich das Gefühl sich zu einem Front-Zip nur wenig unterscheidet. Aufgrund der etwas besseren Passform über beide Größen hinweg geht der Punkt knapp an den RRD.

Neoprenanzug ohne Reisverschluss RDD Celsius

Ausstattung:
Das doppelt kaschierte Neopren beider An­züge ist flexibel und bietet sehr gute Be­we­gungs­freiheit. Der Onyx ist mit IONs Hotstuff-2.0-Lining ausgekleidet und verfügt vom Brustbereich bis zu den Oberschen­keln zusätzlich über das dickere Plasma-Plush-Futter. Die Nähte sind geklebt und blindstich-vernäht und wurden mit flexiblem Tape abgedichtet. Die Italiener stopfen den Celsius ebenfalls randvoll mit hochwertigen Features. Sein Superstretch-Neopren auf Kalksteinbasis verdient seine Marketing-Bezeichnung. Innen ist der Celsius Pro großflächiger als der ION mit sehr dickem und vor allem angenehm weichem Futter ausgekleidet, dessen waffelförmige Struktur angenehm auf der Haut liegt und schnell trocknet. Beide Anzüge bieten ansonsten alle wichtigen Features wie gummierte Arm- und Beinabschlüsse, Drainage-Öffnungen, optionale Kletts und Knieverstärkungen. Bei der Ausstattung hat keiner klar die Nase vorn.

Wärmeleistung:
Beim Schwimmtest im eiskalten Atlantik vor Kapstadt ließen beide Anzüge kaum Wasser eindringen. Beim ION spürt man nach längerem Schwimmen oben im Schulterbereich ein wenig Feuchtigkeit hineinkriechen. Weniger sickert beim RRD hinein – hier macht sich der straffere Sitz bezahlt. Im Wasser spürt man bei beiden Vorteile gegenüber Front-Zips. Zudem punkten bei­de mit einer sehr guten Wärmeleistung. Durch das dickere Innenfutter und die engere Passform fühlt sich der RRD ein wenig wärmer an als der ION.

Neoprenanzug ohne Reisverschluss ION Onyx Amp

Preis/Leistung:
Top ausgestattet, warm und bequem sind beide Anzüge. Nur das Anziehen bereitet Mühe und ist Geschmacks- oder eben Trainings­sache. In den ION kommt man ein­facher hinein, zudem wirkt er etwas flexibler, was allerdings auch dem weiteren Schnitt geschuldet ist. Der RRD sitzt eng und perfekt, ist etwas wärmer und lässt weniger Wasser eindringen. Dafür fordert er beim Anziehen mehr Geduld und Kraft. Mit 379 Euro für die 4/3er-Version ist er zudem kein Schnäppchen. Etwas günstiger liegt der ION mit 309 Euro.