Plötzlich ist der Wind weg, der Kite stürzt ab und klebt auf dem Wasser. Der Relaunch gelingt bei den meisten modernen Kites heutzutage kinderleicht – vorausgesetzt, der Wind reicht aus, um den Kite nur über das Ziehen einer Steuerleine in die Relaunch-Position am Windfensterrand zu bugsieren. Um im untersten Windbereich den Kite zuverlässig wieder in die Luft zu befördern, benötigt man ein paar Tricks und Kniffe. KITE Praktikant Max Schwerdtmann demonstriert bei knapp zehn Knoten zwei Varianten mit einem Tube-Kite: den Rückwärts-Relaunch und den Leichtwind-Relaunch am Windfensterrand.

Variante 1: Der Rückwärts-Relaunch

Der Wind reicht nicht aus, um den Kite aufzurichten, sodass er sich für den normalen Relaunch über das Tip aufrichten kann. Also versucht es Max rückwärts.

Der Kite liegt downwind im Wasser. Max lässt die Bar los und greift beide Steuerleinen weit vorne. Dabei muss er aufpassen, dass sich die Leinen nicht um seine Finger oder Hand wickeln.

Nun zieht er beide Steuerleinen gleichzeitig zu sich heran. Die Tips klappen ein und verformen die Kappe stark, sodass die Anströmung umgekehrt wird – quasi ein künstlicher Backstall.

Max zieht die Steuerleinen weiter und wartet, bis sich der Kite mit der Leading Edge nach unten langsam rückwärts aus dem Wasser hebt. Beide Steuerleinen sind gleich stark gezogen.

Der Kite fliegt ganz langsam rückwärts nach oben. Max muss ihn weit genug von der Wasseroberfläche aufwärts dirigieren, um die Drehung einleiten zu können.

Er beobachtet den Kite: Da dieser selten genau gerade und ruhig rückwärts aufsteigt, sondern leicht pendelt, achtet Max darauf, welches Tip sich näher an der Wasseroberfläche befindet.

Das rechte Tip senkt sich ab, also lässt er auf dieser Seite die Leine etwas kommen, um die Drehung des Kites einzuleiten. Die andere Steuerleine bleibt unverändert voll gezogen.

Zeit, der Drehung Schwung zu verleihen: Max lässt die Steuerleine aus seiner rechten Hand los und entfernt sie sogleich von der Bar. Die linke Hand zieht weiter die andere Steuerleine.

Sobald sich der Kite gedreht hat und mit der Leading Edge nach oben zeigt, nimmt Max beide Hände von der Bar und nach oben. Der Kite ist depowert und kann mit wenig Zug aufsteigen.

Voll depowert kann der Kite in der Powerzone beschleunigen und steigt einfacher nach oben. Bei Leichtwind muss sich Max keine Sorgen machen, vom Kite nach vorn gerissen zu werden.

Sobald der Kite sich von der Power- weiter in die Soft-Zone bewegt, greift Max die Bar mit der – in diesem Fall – rechten Hand, um den Kite weiter nach aufwärts zu steuern.

Hätte Max die Bar jetzt nicht gegriffen, würde der Kite seitlich zum Windfensterrand fliegen und dort wieder absinken. Stattdessen kann Max ihn nun wieder kontrolliert in der Luft halten.

Variante 2: Der LW-Relaunch am Windfensterrand

Dieser Relaunch ähnelt dem normalen Relaunch am Wind­fensterrand. Doch bei wenig Wind muss Max ein wenig nachhelfen, damit sich der Kite drehen und aufrichten kann.

Max hat den Adjuster ein paar Zentimeter gezogen. Dann greift er oberhalb des Adjusters die Centerleinen. Der Kite treibt genau downwind vor ihm mit der Leading Edge nach unten.

Max zieht die Centerleinen kräftig zu sich heran. Die Steuerleinen hängen dabei ohne Spannung durch.

Durch den kräftigen, ruckartigen Zug an den Centerleinen bewegt sich die Leading Edge auf Max zu. Der Kite beginnt, nach hinten umzuklappen.

Um das Umklappen des Kites zu beschleunigen, geht Max ein paar schnelle Schritte auf den Kite zu, während er weiterhin die Centerleinen in der Hand hält.

Dadurch legt sich der Kite in die Belly-up-Position. Die Tips zeigen jetzt nach oben und die Mittel-Strut nach Lee. Max geht weiter auf den Kite zu und hält die Centerleinen auf Spannung.

Jetzt greift Max um. Die rechte Hand wandert an den Schwimmer der rechten Steuerleine. Das Tip richtet sich weiter auf und wird dadurch etwas mehr vom Wind angeströmt.

Der Kite beginnt, in Richtung Windfensterrand zu krabbeln, und richtet sich weiter auf. Max hält die Steuerleine auf Spannung und bewegt sich immer noch langsam auf den Kite zu.

Nun hat der Kite fast seine Relaunch-Position am Windfensterrand erreicht. Max bleibt stehen und zieht die rechte Steuerleine etwas stärker.

Nur noch ein paar Zentimeter und der Kite hat den Windfensterrand erreicht. Der Zug an der Steuerleine benötigt etwas Gefühl, um den Kite beim Krabbeln nicht abzuwürgen.

Hat der Kite den Windfensterrand erreicht, schält er sich aus dem Wasser. Gerade bei One-Strut-Kites kann sich leicht Wasser auf dem Tuch ansammeln, das zunächst ablaufen muss.

Die letzten Wassertropfen rinnen vom Tip herab und der Kite löst sich von der Wasseroberfläche. Jetzt kann Max ihn am Windfensterrand dosiert nach oben fliegen.