Als „Elevating Sensation“ hat Crazyfly seinen Neuzugang Hyper selbstbewusst angekündigt. Der Shape verspricht satte Sprungleistung, doch wie einfach ist die abrufbar?

Der Hyper von Crazyfly im Test

Wir halten stets die Augen nach interessanten Newcomern offen. Genau so einer ist uns beim letzten King of the Air aufgefallen: Der Hyper von Crazyfly bricht mit seiner ultra­gestreckten Kappe aus dem Mainstream aus. Der High-Aspect-Ratio-Shape schielt offenbar in Richtung des Ozone Edge, der sich in der Woo-Community größter Beliebtheit erfreut. Grund genug für uns, den Newcomer Hyper ausgiebig unter die Lupe zu nehmen. Die Kappe basiert auf einem Gerüst aus fünf Struts. Anders wäre die enorme Streckung kaum zu stabilisieren gewesen. Der ­Shape kom­biniert Delta- und Bow-Elemente mit leichter Pfeilung und einer gerundeten Leading Edge. Crazyfly setzt bei der Konstruk­tion auf solide Verarbeitung mit zahlreichen Kevlar-Patches an den Scheuerstellen, einem großzügigen Dacron-Rahmen, der sogar die Struts seitlich flankiert, sowie Triple-Ripstop-Tuch. Auf Einstelloptionen an der Vier-Punkt-Waage wird verzichtet. An den Tips lassen sich über drei verschiedene Anknüpfpunkte Bar-Kräfte sowie Drehgeschwindigkeit einstellen. Erwähnenswert: Crazyfly fertigt seine Kites in eigener Produktion in Europa.

Flugstabilität:

In der Luft punktet der Hyper mit seinem steifen Rahmen. Die Flugstabilität ist hoch. Man fühlt, dass die Kappe sehr straff abgestimmt wurde. Hin und wieder überträgt der Hyper bei böigem Wind ein paar Schläge und Vibrationen nach unten an die Bar, doch das stört nicht weiter. Die Kappe ist neutral aufgehängt und produziert keine Stalls. Lediglich ein paar leichte Zündaussetzer im Vortrieb fallen bei sehr böigem Wind auf.

Bar-Gefühl:

An der Bar fühlt sich die enorme Spannweite erstaunlich klar an. Das Feedback fällt prä­zise aus, sodass der Kite jederzeit seine Po­sition vermittelt. Die Bar-Kräfte liegen im mittleren Bereich, ebenso wie die Lenkkräfte. Der Kite benötigt jedoch aufgrund der hohen Streckung einen definierteren Steuerimpuls, um die Flugrichtung zu ändern.

Der Hyper von Crazyfly im Test

Flug- und Drehverhalten:

Hier macht sich der extreme Shape deutlich bemerkbar. Denn der Hyper dreht relativ langsam und in großen Radien, jedoch rund und harmonisch. Im Vergleich zu den flin­keren Konkurrenten hat man selbst beim Siebener das Gefühl, es handele sich um einen Neuner. Die gestreckte Kappe benötigt eben mehr Zeit, um zu drehen. Dabei ist die Fluggeschwindigkeit an sich hoch. Positiv: Der Hyper reagiert gelassen auf Oversheeten der Bar. Schiebt man die Bar etwas nach vorne, beschleunigt er spürbar, aber kontrolliert, ähnlich wie ein Softkite. Das Handling erfordert zwar ein wenig Eingewöhnungszeit – ge­rade wenn man von den sehr intuitiv zu fliegenden Switchblade, Rebel, XR oder Bandit umsteigt – ist aber erstaunlich gutmütig.

High End:

Im High End überzeugt der Hyper durch seine gute Depower und die hohe Stabilität. Das Profil lässt sich kaum aus der Ruhe bringen. Die Depower arbeitet linear und sehr effizient. Zieht man den Adjuster komplett, parkt der Kite ein.

Absprung:

Beim Absprung ist Technik gefragt, denn beim Hyper reicht es nicht, nur den Kite nach hinten zu lenken und an der Bar zu zupfen. Das Mittel zum Erfolg: Vollgas und Flachwasser. Der Kite bevorzugt eine hohe Anfahrtsgeschwindigkeit und viel Leinenspannung. Im Kabbelwasser, wenn der Absprung weniger sauber gelingt, wird es schwieriger. Man muss sich auf das Timing einstellen, denn er braucht etwas länger, um über den Zenit zu schießen. Außerdem produziert er spürbare Querkräfte. Wer die Kante nicht sauber setzt, fliegt weit nach Lee und nicht nach oben. Die Sprungtechnik erinnert an frühere Bow-Kites. Ein kleineres Board hilft, um die Kante länger zu halten. Dann kann man den Kite einfacher mit einem definierten Absprung­impuls nach oben jagen. Bei viel Wind sollte der Kite vor dem Absprung nicht zu tief ge­flogen werden. Das erleichtert das Timing für den richtigen Absprungmoment.

Boost/Lift:

Wenn man ihn perfekt trifft, setzt der Lift kräftig und lang anhaltend, aber nicht so brachial explosiv ein wie beim XR5. Anders­he­rum gilt: Wenn irgendetwas nicht passt, wird aus dem Sprung eher ein Hüpfer. Bei den ersten Sprüngen muss man sich an die richtige Dosierung herantasten, denn der Hyper fliegt wirklich lange aufwärts und man weiß anfangs nicht genau, wie weit es hochgeht.

Hangtime:

Seine hohe Streckung macht ihn zum regelrechten Hangtime-Monster. Länger segelt im Test keiner. Bei dem Hochleister-Shape können wohl sonst nur Matten mithalten.

Steuerung in der Luft:

Im Sprung benimmt sich der Hyper sehr kul­ti­viert. Der Kite segelt stabil, ruckelt nicht und neigt auch nicht dazu, den Kiter zu über­flie­gen. Verreißen wird man den Hyper kaum. So kann man sich voll auf seine Tricks kon­zen­trieren. Wer einen Lande-Loop anhängen will, muss sich auf das etwas langsamere Drehverhalten einstellen.

Fazit:

Der Hyper ähnelt in seiner Charakteristik mehr dem Ozone Edge als XR, Rebel und Co. Für blutige Sprungeinsteiger fordert er zu viel Technik. Fortgeschrittene und Könner, die vor allem Wert auf enorme Hangtime legen und dafür Abstriche bei der Agilität in Kauf nehmen, dürfen den Crazyfly in die engere Auswahl nehmen.

Der Hyper von Crazyfly im Test

Grössen / Preise (Kite only)

7,0 qm: 1.249 EUR*
8,0 qm: 1.349 EUR
9,0 qm: 1.399 EUR*
10,0 qm: 1.499 EUR
11,0 qm: 1.549 EUR
12,0 qm: 1.599 EUR
13,0 qm: 1.649 EUR
15,0 qm: 1.749 EUR
17,0 qm: 1.849 EUR

*getestete Größen

Bar / Preise

Sick Bar: 549 EUR

Gut / Weniger Gut

  • hohe Flugstabilität
  • enorme Hangtime
  • sehr stabil während des Sprungs
  • erfordert Fortgeschrittene Sprungtechnik

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet
Der Hyper von Crazyfly im Test

Der Hyper im Big Air-Vergleichstest:

Weitere Kites im Test: Cabrinha Switchblade, Duotone Rebel, Naish Pivot, Core XR5, F-One Bandit, RRD Addiction, Liquid Force NV und Slingshot Rally

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Hersteller-Video zum Produkt:

CrazyFly Hyper 2019 from CrazyFly Kiteboarding on Vimeo.