GUT GEREIFT

Lange hatte Cabrinha beim FX wenig verändert – bis Anfang 2022 der FX2 vorgestellt wurde. Der ist weit mehr als nur ein Re-Design des Vorgängers. Er kommt mit mehr Big-Air-Performance und einem Zusatz-Feature, das unsere Test-Crew überflüssig findet. 

Da haben wir aber nicht schlecht gestaunt, als Cabrinha den FX2 herausgebracht hat. Denn der Kite wurde im Vergleich zum Vorgänger mehr als nur überarbeitet. Eigentlich ist es ein komplett neuer Kite. Das liegt zum einen am neuen Kappendesign, das mit deutlich gerundeteren Tips, einer weiter geöffneten Kappe und relativ viel Sweep daherkommt. Und zum anderen hat Cabrinha dem FX2 eine zweite, zusätzliche Bridle verpasst. Wir haben den Kite im Frühjahr schon mal im Einzeltest vorgestellt und damals bemerkt, dass der Neue deutlich weniger nach Freestyle aussieht als sein Vorgänger. Im „normalen“ Bridle-Set-up, also so, wie er ab Werk ausgeliefert wird, ist der Kite auch weiter ins Big-Air-Segment gewandert. Damit Freestyler trotzdem auf ihre Kosten kommen, bietet Cabrinha optional eine Sechsleiner-Bridle an. Schon damals hatten wir moniert, dass das Umknüpfen umständlich ist und wir die Performance-Vorteile der Freestyle-Bridle gemessen am Umbauaufwand nicht wirklich sehen. Weil das Vierleiner-Setting einfach und gut funktioniert, haben wir nun auch für den Vergleichstest auf die Freestyle-Bridle verzichtet – und wurden nicht enttäuscht, denn Freestyle kann der FX2 auch ohne Umbau. Doch dazu gleich mehr. Wer sich wundert, warum wir den FX2 als 13er gegen die Zwölfer der Konkurrenz fliegen: Es gibt ihn abgesehen vom Achter nur in ungeraden Größen. Da wir den Elfer schon hatten und er im Vergleich zu den anderen Zwölfern auch untermotorisiert wäre, haben wir uns für den 13er entschieden. 

Flugstabilität:

Zwar wirkt der FX2 mit seinen runderen und auch etwas weicheren Tips nicht ganz so steif und kernig wie etwa der Passion oder Union, doch lässt die Flugstabilität nicht zu wünschen übrig. Das Profil steht sauber, die Tuchspannung ist hoch und nur im unteren Windbereich spürt man eine ganz leichte Backstall-Anfälligkeit – nichts, was wirklich auffällig wäre. Ansonsten ist der Kite sehr neutral aufgehängt und hinterlässt ab der ersten Flugminute einen ausgereiften Eindruck. 

Bar-Gefühl:

Beim Bar-Gefühl knüpft der 13er-FX2 sehr homogen an den Elfer an. Er hängt etwas weicher als der Union, Passion oder Dice, aber keineswegs indirekt auf der Bar. Dabei sind die Bar-Kräfte leicht unter dem Durchschnitt, sodass sich trotz der Größe ein recht leichtgängiges Steuergefühl ergibt. Dazu liegt die Bar ruhig in der Hand und der Kite ist mit einem ausreichend großen Sweet Spot gut abgestimmt. 

Lenk- und Drehverhalten:

Für Lenkimpulse muss man beim FX nicht viel Kraft investieren, denn er reagiert schon auf geringe Lenkwinkel. Zwar kommt das Feeling nicht extrem knackig, aber definiert genug, sodass wir ihn noch als sehr reaktiv einsortieren würden. Beeindruckt hat uns das smoothe Drehverhalten des 13ers. Er kreiselt nicht nur leichtgängig, sondern auch in für seine Größe relativ engen Radien. Klar, man bewegt etwas mehr Tuch durch die Luft und ein Dice SLS oder der noch schnellere RS+ wirken quirliger, aber eine träge Tüte braucht man beim FX nicht zu fürchten. Die Kraftentfaltung beim Kreiseln setzt minimal versetzt nach dem Andrehen ein, dann dreht er aber sehr rund und gleichmäßig ohne Zündaussetzer. Über die Bar lassen sich die Drehradien jederzeit sehr präzise kontrollieren. Zudem schießt er nicht unerwartet vorwärts. Sein Speed liegt im Mittelfeld. Für einen eigentlich freestylelastig orientierten Kite würden wir dem FX2 ein sehr einfaches und erstaunlich gutmütiges Handling attestieren. 

Flugleistung:

Mehr Tuch hilft natürlich im unteren Windbereich, ein Low-End-Zauberer ist der FX2 deshalb noch nicht. Mit dem Dice SLS oder auch mit dem Pure kommen wir ähnlich früh in die Puschen. Der Kite lässt sich dank seines guten Drehverhaltens ordentlich in Sinuskurven bewegen, kann aber auch schon früh gestellt geflogen werden und bietet mittelhohen Grundzug. Man stellt aber schnell fest, dass der Kite für Dampf im Tuch ausgelegt ist, denn ab dem mittleren Windbereich wird er lebendiger. Dazu kann er dank der üppigen Depower und hohen Stabilität auch heftige Böen ab, sodass er im High End mit den meisten Zwölfern dieses Vergleichs problemlos mithalten kann. Auch weit depowert lässt er sich noch ordentlich steuern und punktet mit guter Kontrolle und Dosierbarkeit. Höhelaufen klappt problemlos, auch wenn er etwas tiefer im Windfenster steht als der Durchschnitt. 

Springen:

Natürlich werden sich die wenigsten einen FX2 zulegen, um damit gemütlich freeriden zu gehen. Springen steht absolut im Fokus. Und hier enttäuscht der Kite nicht. Eingehakt macht er es uns sehr leicht, den Absprung zu treffen, weil er schön dreht, gutes Feedback liefert und keinen brachialen Querzug produziert. Auch der Lift fällt für einen freestylelastigen Kite überdurchschnittlich aus und setzt dazu noch deutlich smoother ein als etwa beim Union. Ebenso fällt die Hangtime länger aus. In der Luft punktet der Cabrinha mit sehr guter Kontrolle und Rückmeldung, sodass man jederzeit Herr der Fluglage bleibt. Lässt man ihn zum Absprung vom Haken, setzt er ordentlichen, wenn auch keinen aggressiven Pop frei. Da fühlt sich der Airush Union schon deutlicher nach Freestyle an. Aber auch hier gibt sich der FX2 recht gutmütig und ist schön dosierbar. Der Slack ist mittelhoch. Zudem steht er stabil in der Luft und sackt nach dem Aushaken nicht ab. 

Fazit:

Überraschend einfach im Handling und mit einer gelungenen Mischung aus Freeride, Freestyle und Big Air ausgestattet – der FX2 mit der Standard-Bridle ist unhooked zwar nicht mehr ganz auf dem Niveau des Vorgängers, hat nun aber einen breiteren Einsatzbereich und kann vor allem bei eingehakten Sprüngen punkten. 

Grössen / Preise (Kite only)

  •  7,0 qm: 1.449 EUR
  •  8,0 qm: 1.499 EUR
  •  9,0 qm: 1.569 EUR
  •  11,0 qm: 1.699 EUR
  •  13,0 qm: 1.799 EUR

Bar / Preise

  • Overdrive Modular (M, L): 519-539 EUR
  • Overdrive Quick Loop (M*, L): 549-569 EUR

Gut / Weniger Gut

  • guter Allrounder mit einfachem Handling
  • Sprungleistung hooked und unhooked  
  • -

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet