Kevin Langerees Arbeitsgerät hat ihn zum König der Lüfte katapultiert: Naishs 2020er-Pivot spielt ganz oben in der Champions League der Big Air Freerider.

Der Naish Pivot 2020 im Test

Im Januar 2019 zeigte Kevin Langeree beim King of the Air in Südafrika eindrucksvoll, zu welchen Leistungen der Pivot imstande ist, indem er das prestigeträchtige Event zum zweiten Mal in Folge gewann. Wenn der König der Lüfte den als sportiven Allrounder ver­markteten Kite den Freestyle-Kites im Sortiment vorzieht, um in knapp 20 Metern Höhe radikalste Kiteloops in den Himmel über Kapstadt zu zimmern, muss der Pivot wohl einige Leistungsreserven für Big Airs in petto haben. Wie viel Leistung bleibt wohl übrig, wenn wir anstelle des Ausnahme­athleten einen normal sterblichen KITE Tester an die Bar hängen? An der Konstruktion hat Naish nur behutsam geschraubt. Bei den 2020er-Modellen verzichten die Hawaiianer auf das Octopus Inflation System und verbauen stattdessen ein herkömmliches One-Pump. Außerdem hat Naish das Ventil gewechselt. Fortan werden die Kites über ein SUP-Ventil mit Druckfeder be- und entlüftet.

Flugstabilität:

Der Pivot steht wie angenagelt am Himmel. Das Gerüst wirkt dabei extrem steif. Nichts flattert und jeder Zen­ti­meter des Tuchs wirkt gespannt. Das Gefühl, das der Pivot dabei vermittelt, lässt ei­gent­lich einen Fünf-Strut-Kite vermuten. Speziell bei einer Windstärke mehr als nötig macht sich die straffe Aufhängung positiv bemerkbar. Wenn man mit viel Kraft auf der Kante steht und die Bar sich permanent auf dem letzten Viertel des Depower-Tampens bewegt, liefert der Pivot immer noch gleichmäßigen und berechenbaren Zug.

Bar-Gefühl:

Dabei hat er einen Tick mehr Kraft auf der Bar als die meisten anderen Kites. Diese Kraft nutzt er, um dem Piloten eine hervorragende Rückmeldung zu bieten. Das Erfühlen des Sweet-Spots auf dem Depower-Tampen geht wie von selbst und die Rückmeldung über die Dosierung der Depower ist kaum zu toppen. Die vergleichsweise hohen Lenkkräfte offenbaren das gleiche Muster. Man muss zwar etwas fester ziehen, um den Pivot in Bewegung zu setzen, bekommt dabei aber stets den Status der Drehbewegung über den Holm vermittelt. Die Kräfte liegen zwar oberhalb der anderen Kites im Test, allerdings noch nicht im roten Bereich. Man kann mit dem Pivot bequem Sinusbögen fliegen, ohne dafür im Fitnessstudio trainieren zu müssen.

Der Naish Pivot 2020 im Test

Flug- und Drehverhalten:

Der Zwölfer-Pivot sieht im Vergleich zu den anderen Kandidaten am Himmel etwas kleiner aus. Und so fliegt er sich auch: wieselflink. Er dreht etwas schneller als die meisten anderen Kites im Test, den Bandit ausgenommen. Dabei rotiert der Pivot sauber mit klar definierter Rückmeldung und Kraftentfaltung.

Flugleistung:

Der Druckaufbau bei Manövern, Böen und beim Anpowern ist sehr gut berechenbar, womit der Pivot einen nur selten vor un­angenehme Überraschungen stellt. Die gute Spürbarkeit gepaart mit dem straffen Flugverhalten lassen das Kiten auch bei schwierigeren Bedingungen einfach erscheinen. Im Low End muss sich der Drei-Strutter hinter der Spitzengruppe mit fünf Rippen einreihen, Switchblade und XR6 liefern deutlich mehr Grunddruck. Erstaun­licherweise kann der Pivot aber ohne Probleme mithalten, wenn Petrus den Gashebel auf den Tisch knallt und die Kites auf der letzten Rille gefahren werden. Normalerweise sind typische Profile mit drei Struts keine Fans von Überpower und machen irgendwann dicht. Das Profil des Pivots hingegen wird mit zunehmendem Wind immer lebendiger und die Grenze wird nicht durch den Kite gesetzt, sondern durch Gewicht, Kraft und Können des Piloten. Etwas Kraft ist auch beim Relaunch gefragt. Bei mehr Wind neigt der Pivot dazu, sich voll aufzurichten und direkt vor dem vermeintlichen Start noch einmal stark zu zucken, wobei er mit unerwartet viel Kraft an der jeweils oberen Leine zupft. Wer hier nicht gegenhält, muss von vorne beginnen.

Sprungleistung:

Die gute Berechenbarkeit der Manöver deckt auch das Springen ab. Man erhält direkt vor dem Absprung genaues Feedback darüber, wie der Sprung ausfallen wird, was bei der Planung von Tricks überaus hilfreich ist. Bei gemütlichem Cruiser-Wind lässt sich der Pivot sehr einfach springen und sieht großzügig über kleinere Lenk- oder Timingfehler hinweg. Der Spielraum für Fehler wird kleiner, je stärker der Wind wird, doch bleibt der ­Pivot auch im Big-Air-Bereich sehr einfach zu springen. Dann setzt der Schirm allerdings Leistungsspitzen frei, wie man sie beim Start von Weltraumraketen vermutet. Der Pilot wird kurzzeitig relativ sanft vom Wasser gepflückt, doch dann reißt es einen deftig nach oben. Darauf sollte man mit einer gewissen Körperspannung gefasst sein, um den Sprung nicht durch die Schrecksekunde zu vergurken. Bei der absoluten Sprunghöhe kann sich der Pivot mit zartem Vorsprung vor XR6 und Rebel den ersten Platz sichern. In der Hangtime steht er hinter den Spe­zialisten zurück. Doch wer so hoch springt, fliegt zwangsläufig auch recht lange in der Gegend herum.

Fazit:

Der Naish Pivot ist ein sehr sportlicher Allrounder mit gewaltigem Potenzial für Big-Air-Manöver. Hohe Sprünge sind einfach auszuführen und das Fahren bei Über­power wird durch die präzise und leicht kraftaufwendige Lenkung positiv un­ter­stützt. Wer neue Manöver üben will, während mehr als zehn Meter Luft zwischen Board und Wasseroberfläche klaffen, sollte sich den Pivot unbedingt näher ansehen. Naish-Fans, denen der Pivot zu sportlich ist, greifen dagegen zum neuen Triad.

Der Naish Pivot 2020 im Test
Der Naish Pivot 2020 im Test

Grössen / Preise (Kite only)

5,0 qm: 1.149 EUR
6,0 qm: 1.199 EUR
7,0 qm: 1.249 EUR
8,0 qm: 1.299 EUR
9,0 qm: 1.399 EUR*
10,0 qm: 1.479 EUR
11,0 qm: 1.549 EUR
12,0 qm: 1.649 EUR*
14,0 qm: 1.699 EUR

*getestete Größen

Bar / Preise

Torque Bar BTB 55 (20 m, 24 m): 579/599 EUR
Torque Bar ATB 55 (20 m, 24 m*): 598/599 EUR

Gut / Weniger Gut

  • Sprunghöhe
  • Rückmneldung/Flugstabilität
  • bei viel Wind: Sprungleistung kann Einsteiger überfordern (Profis finden’s super!)

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet
Der Naish Pivot 2020 im Test

Der Pivot im Freeride-Test:

Weitere Kites im Test: Cabrinha Switchblade 2020, Core XR6, Duotone Rebel 2020, F-One Bandit 2020, RRD Passion Y25 und Slingshot Raptor

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Hersteller-Video zum Produkt: