One-Strutter taugen nur für Foiler oder Freeride-Anfänger? Naish beweist mit dem Boxer, wie breit der Einsatzbereich mit nur einer Strut ausfallen kann – ein gelungener Spagat. Fotos: Hans-Martin Kudlinski

Der Boxer von Naish in Action

Wir hatten den Boxer bisher immer nur in den ganz großen Größen im Leichtwind-Test dabei. Dabei hat Naish bereits kräftig Punkte mit seinem One-Strut-Allrounder eingeheimst. Umso gespannten waren wir, wie sich die Größen 9 und 12 auf dem Foil und Twintip schlagen würden. Die Konstruktion hat sich seit dem letzten Test nicht groß verändert: Steifes Quad-Tex Tuch und eine sehr straff aufgepumpte Fronttube stabilisieren die Kappe. Außerdem wurde das Gewicht der Kappe etwas reduziert und die Aerodynamik überarbeitet. Da Naish unterschiedliche Launch-Zyklen für seine Kites hat, verfügt der Boxer noch über das herkömmliche Ventil für den breiten Plastikadapter. In der nächsten Generation wird dann voraussichtlich auch der Boxer auf die neuen SUP-Ventile umgestellt. Ansonsten ist er mit zwei Anknüpfoptionen an den Tips sowie den für Naish typischen Wasserauslässen im äußeren Tuchsegment hinter der Leading Edge ausgestattet, die den Relaunch vereinfachen sollen. Die Verarbeitung wirkt robust und hochwertig, wie wir das von Naish gewohnt sind. 

Flugstabilität:

Ja, hallöchen! Was Naishs (mittlerweile Ex-)Designer Damien ­Girardin da gelungen ist, hat Beispielcharakter. Man merkt weder dem Neuner- noch dem Zwölfer-Boxer im ersten Moment an, dass sie nur auf einer Mittel-Strut aufgebaut sind. Im normalen Windbereich bewegt sich das Tuch erfreulich wenig und die Kappe wirkt supersauber angeströmt. Kein Ruckeln, kein Zucken, keine Stalls – so soll das sein! Sogar weit depowerte Anstellwinkel bringen den Boxer nicht in Verlegenheit. Damit sichert er sich hier den Top-Score der Gruppe.

Bar-Gefühl:

Auch beim Bar-Gefühl leistet sich der Boxer keine Schwächen. Naish trifft eine sehr angenehme Abstimmung aus geringen Lenk- und Haltekräften, aber der Boxer bietet gleichzeitig eine sehr gute Rück­meldung. Der Kite liegt einfach leicht in der Hand und man spürt die stets gute Verbindung zur Kappe. Er lässt sich ganz filigran und präzise mit einem Finger fliegen. Außerdem kommen selbst in ruppigen Bedingungen kaum Vibrationen an der Bar an. Für den Test hat uns Naish dieses Mal die Bar mit dem Adjuster unterhalb des Quick Release geschickt. Das System ist einerseits Geschmackssache, doch um den Trimm bei starker Schräglage auf dem Foil zu ändern, ohne den Oberkörper nach vorn beugen zu müssen, ist das System praktisch. Bei viel Dampf auf den Leinen benötigt man jedoch etwas mehr Kraft im Vergleich zum Ziehen des ATB-Adjusters, des zweiten Bar-Systems von Naish, bei dem der Klemm-Adjuster oberhalb des Depower-Tampens sitzt.

Der Boxer von Naish im Test

Flug- und Drehverhalten:

Wieder ein Volltreffer: Je länger man den Boxer am Haken hat, desto mehr weiß man dessen enges und zügiges Drehverhalten zu schätzen. Das ganze Handling fühlt sich wunderbar spielerisch, aber nicht kraftlos an. Er lässt sich auf dem Punkt drehen und überaus präzise dirigieren, setzt Lenkimpulse sehr direkt um und ist dabei sogar noch gut dosierbar. Im Vergleich gehört er zu den agileren Kites dieser Gruppe. Ebenso hoch ist auch seine Fluggeschwindigkeit. Gleichzeitig werden Ein- und Aufsteiger vom Boxer nicht überfordert. Er bietet genug Sheet-and-Go-Potenzial, um auch unbedarfte Freerider ohne viel Flugtechnik ins Gleiten zu bringen, wirkt dabei aber insgesamt sportlicher als der Mono.

Flugleistung:

Im Low End gehört der Naish nicht ganz zu den zugstärksten Kites, die schon beim leisesten Lufthauch ihre Power entfalten. Mono und Emotion bieten früher ausreichend Dampf. Ebenso ist der natürli­che Grundzug vergleichsweise unauffällig im Mittelfeld positioniert, doch gehen die eher schwachbrüstigen Foil-Spezialisten wiede­rum später los als der Allround-Boxer. Durch seine hohe Flugstabilität und Agilität kann er auf dem Foil auch im unteren Windbe­reich punkten. Ein, zwei Flugkurven, um zu beschleunigen, schon geht’s los und der Kite kommt gut auf Touren. Im High End spielt er seine gut arbeitende Kappe aus. Er bietet viele Reserven und lässt sich dazu sehr gut depowern. Sogar bei weit hochgeschobener Bar bleibt der Kite noch gut ansprechbar, auch wenn das Flattern im Tuch dann natürlich zunimmt. Der Zug ist über die Depower sehr genau dosierbar. Ebenso lassen sich Böen damit gut schlucken. Beim Höhelaufen leistet er sich weder auf dem Foil noch auf dem Twintip Aussetzer und fährt in der Spitzengruppe mit. Generell muss man sagen, dass der Boxer auf dem Twintip zusammen mit dem OS am meisten Spaß gemacht hat. Sogar brauchbares Sprunghandling lässt sich ihm bei ausreichend Wind entlocken. Der Mono wirkt ähnlich freeride-lastig, ist aber etwas träger.

Foil-Eignung:

Aufgrund seiner Agilität und der ausgewogenen, leichten Abstimmung macht der Boxer auch auf dem Foil eine aus­ge­sprochen gute Figur. Seine enorme Wen­dig­keit, die geringen Haltekräfte, die Steuerbarkeit im depowerten Zustand und sein insgesamt sportliches, aber fehler­ver­zeihendes Handling machen ihn zum heißen Kandidaten für Foil-Einsteiger sowie Fortgeschrittene, die einen gleichermaßen guten Foil- wie Freeride-Kite suchen. Nur bei Manövern wie Tacks trägt er nicht ganz so lange wie die kräftigeren Mono oder Emotion. Wer möchte, kann mit dem Boxer auf dem Foil auch richtig aufs Gas treten. Hier limitieren nur Können und Mut des Piloten den Full-Speed-Fahrspaß.

Fazit:

Der Boxer präsentiert sich als einer der ausgewogensten und gleichzeitig breitbandigsten Allrounder dieser Gruppe. Sowohl auf dem Foil als auch beim Freeriden auf dem Twintip hinterlässt er einen gleichermaßen starken Eindruck. Ein heißer Kandidat auf den Titel Everybody’s Darling!

Der Boxer von Naish von der Seite
Testnoten des Boxer von Naish

Grössen / Preise (Kite only)

3,5 qm: 870 EUR
4,0 qm: 949 EUR
5,0 qm:999 EUR
6,0 qm:1.049 EUR
7,0 qm:1.099 EUR
8,0 qm: 1.149 EUR
9,0 qm: 1.199 EUR*
10,0 qm: 1.299 EUR
11,0 qm: 1.349 EUR
12,0 qm: 1.399 EUR*
14,0 qm: 1.549 EUR
16,0 qm: 1.599 EUR

*getestete Größen

Bar / Preise

Torque Bar BTB 55 (20 m, 24 m*): 579/599 EUR
Torque Bar ATB 55 (20 m, 24 m): 598/599 EUR

*getestete Bar

Gut / Weniger Gut

  • breiter Einsatzbereich (für Twintip und Foil)
  • superschneller und einfacher Relaunch

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Der Boxer im One-Strut-Kite-Test

Weitere Kites im Test: Duotone Mono, RRD Emotion, Liquid Force Solo 2020, Core Xlite, Eleveight OS

Jetzt den kompletten Test in Ausgabe 05/19 im E-Paper oder in der App hier lesen!

Hersteller-Video zum Produkt: