Neues Tuch, neues Bar-Gefühl: Cabrinha stattet den 2020er-FX mit dem neuen Nano-Ripstop-Tuch aus. Das wirkt sich positiv auf Flugeigenschaften und Handling aus. Wie groß ist der Unterschied?

Der 2020 FX von Cabrinha im Test
Foto: Hans-Martin Kudlinski

Cabrinhas FX ist mit seiner Einführung vor einigen Jahren eingeschlagen wie eine Bombe. Danach ist es etwas ruhiger um den freestyligen Sportler geworden. Nicht etwa, weil der Kite schlechter geworden wäre, sondern weil ein großer Teil der Cabrinha-Kundschaft am Performance-Allrounder Switch­blade hängt und weil der FX mit dem Moto im eigenen Haus letztes Jahr Kon­kur­renz bekommen hat. In seiner 2020er-Ausführung ist der FX seiner Linie treu geblieben und soll – insbesondere nach dem Wegfall des reinrassigen Freestyle-Kites Chaos – sowohl Freestyler als auch sportliche Freerider und Allrounder ansprechen. Um den Einsatzbereich möglichst breitbandig zu gestalten, setzt Cabrinha weiterhin auf drei verschiedene Einstelloptionen der Bridle, über deren Anknüpfpunkte an der Leading Edge das ­Depower- sowie Drehverhalten und die Po­sition im Windfenster justiert werden können. Darüber hinaus führt ­Cabrinha 2020 ein neues Tuch ein. Beim Nano-Rip­stop-Material liegen die Lastfäden viel enger nebeneinander als bei herkömmlichen Tüchern. Cabrinha verspricht dadurch doppelte Haltbarkeit bei gleichbleibendem Gewicht. Außerdem soll das Tuch die Kappe steifer machen und sich weniger dehnen. Wir haben den FX mit der Overdrive Quickloop 1X Trimlite Bar getestet. Die verfügt im Vergleich zum Vorgängermodell über einen neuen, asymmetrisch geformten Bar-Holm, der besser in der Hand liegen soll und neue, deutlich schlankere Bar-Enden. Damit wirkt die Bar zwar nicht mehr so wuchtig wie die alte Overdrive-Version, leider wurde dadurch aber auch das sehr praktische und schnell zu bedienende Breiten-Verstell­sys­tem abgeschafft. Die neue lässt sich zwar ebenfalls in der Breite verstellen, indem man eine Plastikkappe an der Unterseite he­raus­zieht und um 180 Grad dreht, doch das ist etwas fummeliger und dauert länger als beim alten Click-System.

Flugstabilität:

Sofort nach dem Launch spürt man, dass das neue Nano-Ripstop-Tuch ein Upgrade für den FX ist. Bereits der Vorgänger überzeugte durch eine hohe Flugstabilität, doch der Neue steht noch etwas satter und steifer in der Luft – obwohl unser Testmodell schon mit einigen Flugstunden auf dem Buckel bei uns ankam. Das Profil steht blitzsauber, die Kappe verwindet sich nicht spürbar und schlägt ebenfalls kaum Falten beim Depowern. Stalls leistet sich der FX ebenfalls nicht. Kurz: alles einwandfrei.

Bar-Gefühl:

Auch an der Bar hat der neue FX dazugewonnen. Wirkte der vorherige zwar direkt, allerdings etwas weicher auf der Bar, ist der neue etwas kerniger abgestimmt. Die Rückmeldung und die direkte Umsetzung von Lenkbefehlen haben sich leicht verbessert, wenngleich der Cabrinha nicht so ultra­direkt wirkt wie der GTS oder Union. Die Haltekräfte liegen im goldenen Mittelfeld mit ganz leicht reduzierten Lenkkräften. Schade: Der Bar fehlt eine universelle Semi-Suicide-Option. Der Metallring an der Safe­ty-­Leine ist klein, sodass man zwangsläufig eine Leash mit großem Karabiner braucht, um sich in den Loop einzuhängen. Das ist für ausgehakte Tricks manchmal etwas ­unpraktisch.

Der 2020 FX von Cabrinha im Test
Foto: Hans-Martin Kudlinski

Flug- und Drehverhalten:

Von seinem sportlichen Flugverhalten hat der FX nichts eingebüßt. Der Drehpunkt liegt außerhalb der Tips, sodass der Kite sauber dreht und dabei konstanten Zug produziert. Mit entsprechendem Bar-Einschlag lässt er sich auch in kleineren Radien zirkeln. Die Fluggeschwindigkeit liegt im Mittelfeld.

Flugleistung:

Bei der Flugleistung wirkt der FX sehr ausbalanciert. Sein Grundzug liegt im Vergleich zum Testfeld im mittleren Bereich, wobei er etwas mehr Low End als der Durchschnitt bietet. Positiv wahrgenommen, auch von Aufsteigern, wird sein für einen Freestyler ausgeprägtes Sheet-and-Go-Vermögen. Die Depower ist üppig dimensioniert und verleiht dem FX im High End komfortable Reserven. Auch mächtig angebraten lässt sich der Kite noch gut zügeln, wenngleich er im Freestyle-Setting minimal weniger De­power bietet als in den beiden anderen Ein­stellungen. Auch beim Höhelaufen weiß der FX durch Einfachheit zu punkten, zieht weit an den Windfensterrand und produziert dort, ohne Korrekturen zu verlangen, gleichmäßig kräftigen Vortrieb.

Sprungleistung:

Auch der FX verlangt eingehakt etwas mehr Sprungtechnik. Das ist typisch für diese Kite-Kategorie. Man sollte ihn mit einem kräftigen Impuls einlenken und den Absprung sauber setzen. Dann wuchtet der FX durchaus kraftvoll, aber nicht so explosiv wie Union oder GTS den Kiter aus dem Wasser. Der Lift entfaltet sich etwas sanfter, dennoch sind bei entsprechender Windstärke auch mit dem Zwölfer ansprechende Sprunghöhen bei mittlerer Hangtime erreichbar. Durch die gute Rückmeldung fühlt sich das Springen intuitiv an, man weiß jederzeit, wo der Kite steht, und kleine Korrekturen setzt er sorgsam um. Beim Unterspringen zeigt er sich erfreulich fehlerverzeihend und driftet in den meisten Fällen brav rückwärts, bis er wieder Leinenspannung aufnimmt. Unhooked zeigt er ein grundsolides, aber kein herausragendes Bild. Der Pop ist ordentlich, wenngleich nicht so explosiv wie bei den Freestyle-Spezialisten. Dasselbe gilt für den Slack nach dem Absprung. Da er recht statt steht, ist er weniger anfällig für Lenkfehler nach dem Aushaken.

Fazit:

Der neue FX zeigt dieselbe breitban­dige Charakteristik wie sein Vorgänger, wirkt durch das neue Tuch aber etwas steifer und direkter – ein echtes Upgrade. Zwar liefern einige Kites noch etwas mehr Unhooked-Performance, doch dafür weiß der FX seine Vielseitigkeit mit einem sportlichen und gleichzeitig überaus einfachen Handling zu kombinieren, das Profis gefällt und Aufsteiger nicht überfordert.

Der 2020 FX von Cabrinha im Test
Der 2020 FX von Cabrinha im Test

Grössen / Preise (Kite only)

5,0 qm: 1.199 EUR

6,0 qm:  1.249 EUR

7,0 qm: 1.999 EUR

8,0 qm: 1.349 EUR

9,0 qm: 1.449 EUR

10,0 qm: 1.499 EUR

12,0 qm: 1.599 EUR*

14,0 qm: 1.699 EUR

*getestete Größe

Bar / Preise

Quickloop Trimlite: 549 EUR*
Quickloop Recoil: 569 EUR
Modular Trimlite: 549 EUR
Modular Recoil: 569 EUR

*getestete Größe

Gut / Weniger Gut

  • hohe Flugstabilität
  • breitbanniger Einsatzbereich
  • Bar ohne standardmäßige Semi-Suicide-Option

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Der FX im Freeride-/ Freestyle Test

Weitere Kites im Test: Airush Union V5, Duotone Dice, Gaastra Pure, Flysurfer Stoke, Naish Dash, Core GTS5, F-One Bandit 2020, Slingshot RPM
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