Flysurfer will mit dem Stoke sportliche Kiter ansprechen, die beim Freestyle und in der Welle zu Hause sind und sich nicht im Softkite-Segment der bayerischen Brand wiederfinden.

Der Stoke von Flysurfer im Test
Foto: Hans-Martin Kudlinski

Mit dem Stoke will Flysurfer insbesondere Freestyler und Wave-Kiter ansprechen, die sonst eher nicht zur hauseigenen Softkite-Klientel gehören. Dass der Spagat zwischen Freestyle und Welle kein leichter ist, haben wir häufig genug diskutiert. Natürlich wissen das auch die FS-Entwickler und haben dem Stoke je nach Größe unterschiedliche Einsatzschwerpunkte verpasst: Die kleinen Größen in fünf und sechs Quadratmetern sind auf Welle getrimmt, Siebener und Achter sollen besonders auf Megaloops ausgelegt sein, während Zehner und Zwölfer eher auf den Freestyle-Einsatz abgestimmt sind. Dazwischen liegt der Neuner, den Flysurfer als ultimativen Allrounder anpreist. Da es in dieser Testgruppe um Freestyle-, Allround- und Freeride-Eigenschaften geht, haben wir den Zwölfer zusammen mit der neuen Force Control Bar mit nach Brasilien genommen. Der Drei-Strutter kommt ohne zusätzliche Ein­stellmodi aus, wie wir sie von RPM, GTS oder FX kennen. Für die Neuauflage haben die Flysurfer-Entwickler beim Stoke die Profile überarbeitet und ein neues Short-Bridle-System für die Aufhängung entwickelt. Die neue Force Bar ist gleich in S, M oder L erhältlich, zudem lässt sich jede Größe um acht Zentimeter in der Breite verstellen. Die Bar wirkt solide konstruiert, liegt gut in der Hand und bietet viele Standard-Features, die man auch von anderen Herstellern kennt. Einzig die Leinen (17 m + 3 m) sind im Vergleich zu den meisten Konkurrenten ungewöhnlich kurz.

Flugstabilität:

Dass die Softkite-Spezialisten das aerodynamische Einmaleins auch bei Tubes beherrschen, ist erwartbar. Der Stoke steht ruhig und sauber angeströmt in der Luft und produziert keine Stalls oder ähnliche Zicken. Allerdings wirkt die Kappe gerade im Vergleich zu den bocksteifen RPM oder GTS relativ weich. Der geringe Leading-Edge-Durchmesser an den Tips führt zu auffällig viel Bewegung bei vorgeschriebenem Fülldruck in den Tip-Segmenten. Das wirkt sich nicht nachteilig auf die Flugstabilität aus, doch wirkt er dadurch im Vergleich zu vielen Konkurrenten etwas schwammiger. Für unseren Geschmack verträgt der Stoke durchaus ein bis zwei psi (je nach Fahrergewicht) mehr Druck. Zwar wird er dadurch ein klein wenig langsamer, weil sich die Kappe beim Drehen nicht mehr so stark verwinden kann, aber das Feedback und die Stabilität nehmen zu.

Bar-Gefühl:

Das kommt dem Bar-Gefühl zu­gute. Denn der Stoke ist auf der Bar sehr leicht und dazu eher weich abgestimmt. Wer einen Kite mit sehr geringen Bar-Kräften sucht, liegt hier sicher richtig. Alle, die indes gern mehr in der Hand fühlen, müssen sich kurz an das Feeling gewöhnen, denn die Rückmel­dung ist gerade im unteren Windbereich geringer als bei der Konkurrenz. Die geringen Bar-Kräf­te sparen Kraft, doch einige Tester hätten sich mehr Feedback vom Kite gewünscht. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich der Stoke aber gut in der Luft verorten. Dafür reagiert er zügig und mit ebenfalls geringem Kraftaufwand auf Steuerimpulse.

Der Stoke von Flysurfer im Test

Flug- und Drehverhalten:

Einmal eingelenkt, dreht der Stoke angenehm rund und weich. Dabei lassen sich die Radien frei zwischen eng und weit dosieren, wobei er für enge Radien etwas mehr Lenkeinschlag verlangt als die deutlich härter und direkter abgestimmten GTS, RPM und Union oder der wiesel­flinke Dash. Mit höherem Druck in der Tube werden die Radien mininmal größer, dafür wird das Handling etwas direkter.

Flugleistung:

Der Stoke gehört nicht zu den absoluten Frühstartern. Zwar liegt der Grundzug solide im Mittelfeld, auch wenn er sich im ersten Moment nicht so kraftvoll anfühlt, doch hat er einmal Tempo aufgenommen, zieht er ordentlich vorwärts. Nur die relativ kur­zen Leinen schränken seinen Bewe­gungs­radius und damit das Low End ein. Die De­power arbeitet sehr gut und auf mittellangem Weg effizient, sodass sich der Stoke wunderbar dosieren und auch bei kräftigem Wind lange kontrollieren lässt. Jedoch erreicht auch der Dice irgendwann den Punkt, ab dem bei zu viel Depower die Reaktionen auf Steuerimpulse spürbar nachlassen. Das High End ist ordentlich, nur sollte man den Adjuster und den Depower-Weg nicht zwangsläufig bis zum Maximum ausreizen. Auf dem Amwindkurs leistet sich der Stoke keine Schwächen. Er verschiebt das Windfenster weit nach Luv und produziert am Windfensterrand konstant kraftvollen Vortrieb, sodass man technisch einfach und kraftsparend Höhe ziehen kann.

Sprungleistung:

Die eher weiche Abstimmung macht sich beim Springen bemerkbar. Eingehakt lässt sich der Stoke zügig und mit wenig Kraftaufwand nach hinten fliegen. Im ersten Moment glaubt man aufgrund der gerin­gen Bar-Kräfte, dass im Absprung nicht viel kommt, doch dann liftet der ­Stoke ansehnlich. Zwar gehört er nicht zu den kraftvollsten und explosivsten Sprung-Kites, muss sich in Bezug auf Sprunghöhe und Hangtime aber nicht verstecken. Durch die geringere Rückmeldung muss man sich beim richtigen Timing etwas auf den Kite einschießen, da man ihn manchmal weiter hinten in der Luft vermutet, als er ist. Loops dreht der Stoke sauber und zügig. Bei mehr Wind oder grö­ße­ren Drehradien spürt man eine kräftige Quer­beschleunigung, kleinere Kreisel fallen eher sanft aus. Ausgehakt produziert er mit­tel­kräf­ti­gen Pop, der für Unhooked-Basics mehr als ausreichend ist, doch einige Freestyler wer­den hier etwas Punch vermissen. Ebenso fällt der Slack geringer aus als bei den freestyle-lastigeren Kites. Er steht ausgehakt stabil und sackt nicht nach unten weg, doch könnte er nach unserem Geschmack beim Absprung etwas mehr Feedback auf der Bar bieten.

Fazit:

Wer einen komfortabel abgestimmten Allrounder sucht und besonderen Wert auf geringe Bar-Kräfte legt, könnte mit dem Stoke glücklich werden. Das weichere Handling ist dafür weniger direkt und nicht so punchy wie bei den sportlicheren Freestylern.

Der Stoke von Flysurfer im Test
Testnoten für den Stoke von Flysurfer

Grössen / Preise (Kite only)

5,0 qm: 1.049 EUR
6,0 qm: 1.099 EUR
7,0 qm: 1.149 EUR
8,0 qm: 1.199 EUR
9,0 qm: 1.249 EUR
10,0 qm: 1.299 EUR
12,0 qm: 1.399 EUR*

*getestete Größe

Bar / Preise

Force Control: 549 EUR*
Infinity Control: 449 EUR

*getestete Größe

Gut / Weniger Gut

  • weiches, harmonisches Drehverhalten
  • einfaches, kraftsparendes Höhelaufen
  • Bar-Feedback/Rückmeldung

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Der Stoke im Freeride-/ Freestyle Test

Weitere Kites im Test: Airush Union V5, Duotone Dice, Gaastra Pure, Slingshot RPM, Naish Dash, Core GTS5, F-One Bandit 2020, Cabrinha FX.
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