Reedins Supermodel ist das Erstlingswerk, entstanden aus der Kollaboration zwischen Kevin Langeree und Damien Girardin. Der Kite wird als Allrounder positioniert, doch war von Anfang an klar: Kevins Arbeitsgerät muss auch Big Air draufhaben. Wie vielseitig ist das Supermodel?

Das Supermodel von Reedin in Action

Kevin Langeree und Damien Girardin sind die beiden Namen, die hinter der neuen Kite­-Marke Reedin Kites stehen. Beide waren zuletzt im Hause Naish unter Vertrag, wo sie maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung des Pivot waren. Wenn also ein talentierter Schirm­de­signer und ein Ausnahmeathlet gemeinsam den Hut in den Ring werfen und eine eigene Marke gründen, zieht das neugierige Blicke aus der gesamten Kite-Gemeinde auf sich. Was erschaffen der dreimalige Gewinner des Red Bull King of the Air und sein De­sig­ner, wenn sie nur sich selbst gegenüber Rechenschaft schulden ohne den Druck, ihre De­sign­entscheidungen vor der Chefetage recht­fertigen zu müssen? Der Pivot hatte sich bereits einen Ruf als aggressiver Hochspringer für Boost-Fetischisten erarbeitet. Geht der Reedin Supermodel diesen Weg kon­se­quent weiter und lässt Ein- und Aufsteiger und Freerider außen vor? Wir haben die Grö­ßen 9 und 11 auf der Insel Fehmarn ausgiebig testen können. Den Supermodel gibt es in genau einer Farbkombination: weiß mit roten Tips. Ein Gerüst aus drei Struts stützt die Segelfläche aus Triple Ripstop Nylon. Anstelle des SUP-Ventils, durch das der Pivot be- und entlüftet wird, ziert die zierliche Front­tube des Reedin-Kites das große Ventil von Liquid Force. Der passende Pumpenadapter wird mitgeliefert. Die Ver­arbeitung wirkt insgesamt hochwertig. Bei der Materialwahl wurde nicht gespart. Fronttube und Struts wollen mit ein paar psi mehr Druck befüllt werden, als man das von den meisten anderen Kites gewohnt ist. Als Resultat erhält man ein außergewöhnlich steifes Gerüst. Aufgepumpt am Strand reckt der Reedin seine Tuchfläche stramm nach oben und lässt sich nur widerwillig von Windböen plätten.

Das Supermodel von Reedin von der Unterseite

Flugstabilität:

Der Reedin fliegt zügig zum Windfensterrand, wo er sich etwas weiter außen positioniert, als man es vermuten wür­de. Er sitzt dort ruhig und stabil ohne Ten­denzen, nach vorne oder hinten zu stallen. Das gesamte Flugbild der Kappe ist ausgewogen und stabil. Wenn böige Bedingungen an der Bar manch anderer Kites schon wirklich Nerven kosten, bewahrt der Reedin-Pilot seine Ruhe, denn der Supermodel gibt sich große Mühe, die groben Kraftspitzen zu glätten, ehe sie an der Bar ankommen.

Bar-Gefühl: 

Auf genaue Details lässt sich hier nur bedingt eingehen, denn zum Zeitpunkt des Tests stand die Reedin Dream Stick Bar in Deutschland noch nicht zur Ver­fügung. Wir haben die Kites mit einer Duo­tone Click Bar, einer Cabrinha Bar und ­einer Naish Bar geflogen, dabei schwankten die Ergebnisse etwas. Wir können allerdings Folgendes attestieren: Der Kite liefert eine sehr gute Rückmeldung. Die Bar-Kräfte er­in­nern den Piloten stets daran, dass Kiten Sport ist. Sie siedeln sich zwar im oberen Drittel an, wurden aber von den meisten Testern eher als „knackig“ wahrgenommen, da sie wiederum das gute Feedback garantieren. Der Sweet Spot auf dem Depower­tampen lässt sich selbst von Einsteigern gut spüren.

Flug- und Drehverhalten:

Der Kite lässt sich zart dosiert durch exakte Kurvenradien di­ri­gieren. Wer will und entsprechend zupackt, kann ihn in richtig enge Turns zwingen. Da­bei dreht er sauber über das Tip. Durch den gesamten Radius setzt er gleichmäßig Kraft frei und zieht beständig und wohl dosierbar.

Das Supermodel von Reedin in action

Flugleistung:

Die hohe Fluggeschwindig­keit und die Position weit außen am Wind­fens­ter­rand lassen einen beeindruckenden Win­kel am Wind zu. Der Reedin ist dabei kei­neswegs ruppig und verlangt weder viel Kraft noch eine ausgefeilte Technik, um den Willen des Piloten umzusetzen. Flugbild und -leistung erinnern dabei mehr an einen Fünf-Struts-Kite, denn die Kraftentfaltung ist alles andere als schwächlich. Selbst im obersten Windbereich steht der Rahmen stabil und produziert gleichmäßigen Vortrieb, während der Kite immer noch hoch motiviert auf Lenkimpulse reagiert. Die Stei­fig­keit der Kappe macht sich hier positiv be­merk­bar. Bevor das Profil schlappmacht, gibt der Oberschenkel auf. Die Obergrenze des Supermodel lässt sich mit Mut, Kraft und Können weit nach oben schieben.

Sprungleistung

Der Absprung ist beim Ree­din so einfach zu treffen wie ein Scheunentor mit einer Schrotflinte. Aus voller Fahrt den Kite nach oben und die Bar nach unten und die Erdanziehungskraft spielt für die nächsten Momente eine untergeordnete Rolle. Dabei haben kleinere Fehler bei der Schirm­lenkung keine große Auswirkung auf die erreichbare Sprunghöhe. Die muss sich keineswegs hinter den Klassenbesten ver­stecken. In dieser Beziehung haben wir einen Aspiranten auf eine Spitzenposition neben XR6, Rebel und Pivot. Der Rückweg vom obersten Stockwerk bis zur Wasserober­fläche dauert nicht so lange wie bei den ausgewiesenen Hangtime-Spezialisten, es hat sich allerdings keiner unserer Tester über feh­lende Sekunden in der Luft beklagt. Beim Kiteloop setzt der Reedin seine Kraft gleich­mäßig über den gesamten Kreisel verteilt frei, anstatt sich in einem einzigen Peitschenknall zu entladen.

Fazit:

Der Reedin Supermodel hätte ein hoch­ge­züchtetes Spezialistengerät werden kön­nen. Schließlich hat man einen Athleten wie Kevin Langeree mit einem Schirmde­signer wie Damien Girardin allein gelassen und dabei sicherlich auch an eine Teilnahme am KOTA 2021 gedacht. Der Reedin wird auch in Expertenhänden zur Waffe. Wer den Neuner bei über 30 Knoten aufpumpt, sollte keinesfalls unter Höhenangst leiden. Dabei ist der Supermodel bei mo­deraten Bedingungen erstaunlich einfach zu beherrschen und bietet hervorragende Freeride-Eigenschaften, die selbst Einsteiger nicht überfordern. Alles in allem haben Kevin und Damien einen gelungenen Einstieg abgeliefert.

Das Supermodel von Reedin von der Seite
Testnoten für das Supermodel von Reedin

Grössen / Preise (Kite only)

5,0 qm: 1.099 EUR
6,0 qm: 1.149 EUR
7,0 qm: 1.229 EUR
8,0 qm: 1.289 EUR
9,0 qm: 1.349 EUR*
10,0 qm: 1.399 EUR
11,0 qm: 1.449 EUR*
12,0 qm: 1.529 EUR
14,0 qm: 1.649 EUR

*getestete Größen

 

Bar / Preise

Dream Stick: 549 EUR

Gut / Weniger Gut

  • enorme Sprungleistung (Boost u. Hangtime)
  • einfaches Handling und sportliche Agilität
  • Ventil-Adapter nicht mit allen Pumpenschläuchen kompatibel; rotes Tuch färbt ab

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Das Supermodel im Allround-Test

Weitere Kites im Test der Ausgabe 3/20:
North Reach und Core Nexus2.

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