Crazyfly hat seinen Hyper einer Schlankheitskur unterzogen – rund zehn Prozent Gewichtsersparnis im Vergleich zum Vorgänger. Dennoch soll er nichts von seiner Stabilität und dem kraftvollen Charakter eingebüßt haben. Gehört der Hyper damit zu den Überfliegern im Big-Air-Segment?

Der Crazyfly Hyper im Test

Bewirbt man als Hersteller einen Kite als Elevating Sensation und druckt das noch in kapitalen Lettern aufs Tuch, ist das eine selbstbewusste Ansage. Dass im Crazyfly Hyper einiges an Potenzial steckt, durfte man bereits bei der Flugshow von Teamrider Posito Martinez beim King of the Air bewundern. Wir wollten wissen, ob auch Nor­malos dem Hyper diese enorme Sprung-Performance entlocken können. Der 2021er-Hyper hat auf der Waage abgespeckt. Gleich 400 Gramm will Crazyfly beim Zwölfer eingespart haben – für einen Kite ist das be­acht­lich. Dabei soll er seine Stabilität und Steifigkeit beibehalten haben. Neu ist auch der 15er als Leichtwind-Version, der mage­re 4,2 Kilogramm auf die Waage bringen soll. Technisch setzt die slowakische Brand, die ihre Produkte in Europa fertigt, auf eine neue Bridle, die dem Rahmen und der Kappe mehr Stabilität ermöglichen soll. Zudem wurde die Anzahl der Tuch-Panels reduziert. Die Trailing Edge wird durch gedoppeltes Ripstop-Tuch anstatt durch Dacron stabilisiert. Um den Kite direkter und drehfreudiger zu machen, sind die Anknüpfpunkte der Steuerleinen weiter nach hinten zu den Tips versetzt. Zudem wurde durch den reduzierten Einsatz von Dacron an den Tips weiteres Gewicht gespart. Der Kite wird nun über das einfach zu handhabende Airlock-Ventil be- und entlüftet.

Weitere Kites im im Performance-Freeride-Test der Ausgabe 4/20:

F-One Bandit 2021, Airush Lift und Ozone Edge V10
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Flugstabilität:

Stand bereits der Vorgänger gut in der Luft, leistet sich auch der Neue kei­ne signifikanten Aussetzer. Der Rahmen wirkt, wie es sich für einen Fünf-Strut­ter mit Delta-Bow-Genen gehört, steif und stabil. Das Profil arbeitet in jedem Anstell­win­kel so­lide. Nur im unteren Windbereich blitzen bei überzogener Bar leichte Back­stall-Ten­den­zen auf, die aber mit etwas Feingefühl an der Bar in Summe unproblematisch sind. Frontstalls waren dagegen nie feststellbar. Das Tuch wirkt ordentlich gespannt, sodass der Kite nicht flattert. Böen schluckt der Hyper großzügig, wirkt aber nicht überdämpft.

Bar-Gefühl: 

Der Hyper liegt mit der Bar re­lativ leicht in der Hand. Die Lenk- und Haltekräfte bewegen sich im leicht unterdurchschnittlichen Bereich. Man benötigt kaum Kraft für die Steuerung und kann den Kite auch nach stundenlangen Sessions noch mühelos fliegen. Die Abstimmung ist insgesamt weicher und gedämpfter im Vergleich zum knackigen Airush oder Ozone. Dadurch fühlt sich der Hyper zwar nicht schwammig, aber doch ein wenig indirekter als die Kon­kur­renz an. Die Rückmeldung fällt insgesamt ordentlich aus, sodass sich der Kite in der Luft blind jederzeit gut verorten lässt. Nur die Lenkimpulse könnten etwas direkter übertragen werden. Der Crazyfly braucht ein wenig länger, um auf leichte Bar-Einschläge zu reagieren. Dennoch verlangt er keine außer­gewöhnlich großen Lenkwinkel und kann mit wenig Aufwand an der Bar geflogen werden. Recht groß fällt der Sweet Spot auf der Bar aus. Dabei ist der optimale Zugpunkt gut spürbar. Gleichzeitig verzeiht es der Kite großzügig, wenn er mit der Bar etwas darüber oder darunter bewegt wird.

Der Crazyfly Hyper von der Unterseite

Flug- und Drehverhalten:

Klar, gestreckte Hochleister sprühen selten vor Drehfreude und pfeilschneller Agilität, doch der Hyper gehört verglichen mit Lift und Edge eher zu den langsamer drehenden Kites. Er dreht sauber und rund, jedoch in eher großen Radien. Dabei liegt die Fluggeschwindigkeit im mittleren Bereich. Wer ihn aggressiv fliegen will, muss ihn auch aggressiv einlenken. So lässt sich der Hyper dann auch beschleunigt auf Touren bringen.

Flugleistung:

Das passt zu seinem kraftvollen Charakter. Schon im untersten Windbe­reich spürt man die enorme Power des Hyper. Das Ding ist wirklich auf Leistung ge­trimmt. Wer auf zugstarke Kites abfährt oder in der oberen Gewichtsklasse mitspielt, könnte sich damit gut bedient fühlen. Doch die Sache hat einen Haken: Im Vergleich zu Edge oder Lift steht der Hy­per tiefer im Windfenster und produziert nicht nur hohen Grund-, sondern auch spürbar mehr Querzug. Der lässt sich zwar über den Adjuster beziehungsweise eine leicht vorgeschobene Bar in Verbindung mit der Boardkante im Zaum halten, doch benötigt man beim Höhelaufen im unteren bis mittleren Windbereich meist den ein oder anderen Schlag mehr als mit den Konkurrenz-Kites. Im High End lässt sich der Hyper durch die üppige Depower lange im Zaum halten, doch auch hier muss man etwas stärker mit der Boardkante arbeiten. Dafür kann man auf der Gerade beherzt aufs Gas treten. Wenn man die Bar etwas kommen lässt, marschiert der Hyper tüchtig nach vorn und erreicht mächtigen Top-Speed.

Springen:

Der kraftvolle Charakter setzt sich beim Springen fort. Jedoch sind auch hier die geringere Agilität sowie die Querkräfte spürbar. Dadurch verlangt der Hyper einen harten Lenkimpuls und einen technisch sauberen und kräftigen Absprung. Dadurch ist er nicht ganz so leicht und intuitiv zu springen wie der Airush oder Ozone. Beim Hyper setzt der Lift minimal zeitverzögert ein, dafür dann umso kräftiger. Wer die Kante voll auflädt und das richtige Timing heraushat, wird mit einem mächtigen Boost und nicht enden wollender Hangtime belohnt. Das fühlt sich schon fast wie bei einer Matte an, so lange trägt der Hyper. Die Sprung­höhen sind ebenfalls enorm. Sprungein- und auf­steiger tun sich in Bezug auf die Repro­du­zier­barkeit der Absprünge nicht ganz so leicht, aber wer die Technik beherrscht, freut sich über die Boost-­Maschine.

Fazit:

Wer einen zugstarken Kite mit einem großen Windbereich sucht und die nötige Sprungtechnik mitbringt, wird mit dem Hyper Spaß dabei haben, in den oberen Stockwerken herumzufliegen. Leichtere Kiter fliegen ihn eher eine Nummer kleiner. Nur etwas mehr Spritzigkeit und Drehfreude stünden ihm gut.

Der Crazyfly Hyper von der Seite
Testnoten für den Hype von Crazyfly

Grössen / Preise (Kite only)

7,0 qm: 1.249 EUR
9,0 qm: 1.399 EUR*
10,0 qm: 1.499 EUR
12,0 qm: 1.599 EUR*
15,0 qm: 1.749 EUR

*getestete Größen

Bar / Preise

Sick Bar (40, 45*, 50, 55 cm): 549 EUR

*getestete Bar

Gut / Weniger Gut

  • lange Hangtime
  • großer Sweet Spot auf der Bar
  • mäßige Agilität

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Hersteller-Video zum Produkt: