Auch in der SLS-Version ist der Neo immer noch ein Neo – allerdings einer, der deutlich dazugewonnen hat und nun noch mehr kann. Das einfache Handling und der breite Einsatzbereich machen ihn nicht nur für sport­liche Wave-Fans interessant. 

Duotone Neo SLS im Test

Falls jemand die letzten Monate unter einem Stein verbracht haben sollte: Duotone hat den Wave-Allrounder Neo fürs Modelljahr ’21 tüchtig aufgemotzt und bietet ihn nun in zwei Versionen an. Der Neo SLS ist sozusagen die Hi-Mod-Version. Wir hatten den Kite als Zwölfer bereits im Spätsommer im Test, aber um ihn so richtig in der Welle durchzunudeln, mussten wir auf die kleinen Größen warten – und auf unseren großen Wave-Test. Et voilà: Da wir das SLS-Konzept a) mehrfach und b) hinreichend erklärt haben sollten, hier nur der Kurzabriss. Das neue Penta-TX-­Material ersetzt das bisherige Dacron. „Strong, Light, Superior“ meint eine laut Duo­tone bis zu fünfmal höhere Reiß­festig­keit von Penta TX und gleichzeitig circa 15 Pro­zent weniger Gewicht der SLS-Kites im Vergleich zu den Dacron-Bauweisen. Zudem soll Penta TX um 50 Prozent dehnungsärmer sein als Dacron. Das soll den Kite nicht nur stabiler, sondern auch schneller und direkter machen. Beim Flugtuch setzt Designer Ken Winner aufs bewährte Trinity-TX-Material. Beim Neo SLS kommen nun auch die neuen Flex Struts zum Einsatz, die dem Kite erlauben, sich in der Luft stärker zu verwinden. Das soll das Drehverhalten verbessern. Weniger Gewicht wirkt sich, naheliegend, auch auf das Driftverhalten aus, dazu aber später. Möglichkeiten fürs Feintuning des Bar-Ge­fühls und der Steuerkräfte sind über das Versetzen der farbig markierten Knoten an den Tips gegeben. Und jetzt ab aufs Wasser!

Weitere Kites im im Wave-Test der Ausgabe 1/21:

F-One Bandit S2, Gaastra IQ, Naish Slash, North Carve, RRD Religion
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Flugstabilität:

Der „normale“ Neo hat sicher kein Problem mit der Flugstabilität. Sogar noch eine Nuance besser steht der Neo SLS in der Luft, speziell bei wenig Wind kann er seinen Gewichtsvorteil ausspielen. Sechser wie Achter wirken supersauber gear­bei­tet, das Profil steht wie eine Eins. Man spürt aber schnell die sportlichere und direk­te Abstimmung, denn die Kappe wirkt insge­samt steifer. So fühlt man kleine Verände­run­gen der Anströmung klarer als beim ge­­dämpfteren „normalen“ Neo. Im Vergleich zur Konkurrenz liegt der Neo damit auf Topniveau.

Bar-Gefühl: 

Ebenfalls direkt geht es an der Bar zur Sache. Der Zugpunkt ist nun definierter und besser fühlbar. Ebenso punktet der SLS mit hoher Rückmeldung. Die Lenk- und Haltekräfte liegen im mittleren Setting ganz leicht über dem Durchschnitt. Dabei liegt die Bar ruhig und satt in der Hand. Da wir elende Nörgelköppe sind: Leider wurde auch bei der 2021er-Click-Bar das von uns bereits mehrfach kritisierte Problem nicht beseitigt, dass die Bar bei harten Lenkeinschlägen schwergängig über den Depower-Tampen rutscht. Gerade in trockenem Zustand spürt man das, aber auch auf dem Wasser könnte die Lenkung etwas geschmeidiger sein. 

Duotone Neo SLS Nahaufnahme

Flug- und Drehverhalten:

Zwar ist die Lenkung nicht ganz so spielerisch wie beim Naish abgestimmt und man muss ein wenig kräftiger zupacken, doch lassen sich mit dem Neo SLS in der Luft erstaun­liche Dinge vollbringen. Man könnte sagen: Der Kite macht in jeder Situation genau das, was er soll. Große Radien, kleine Radien, Tellern – was auch immer die Steuerzentrale nach oben funkt, der Neo setzt es willig und verzögerungsfrei um. Dabei fällt das durchweg runde und homogene Drehverhalten kom­biniert mit einer stets gleichmäßigen Kraft­entfaltung auf. Zwar ist er nicht der schnellste Kite dieser Testgruppe, aber dafür einer der am einfachsten zu fliegenden. Trotz sportlicher Zielgruppe kommen damit auch Aufsteiger zurecht. 

Flugleistung:

Fehlerverzeihend ist auch der gleichmäßig kraftvolle Vortrieb abgestimmt. Der Neo zieht selbst im niedrigen Drehzahl­be­­reich an wie ein kräftiger Dieselmotor. Beim Grundzug halten nur der noch kraft­­­vol­lere IQ und RRDs Zugmaschine Religion dagegen, allerdings wirken die weniger filigran und sind schwerer. SLS, das könnte man also auch mit „sicke Leichtwind-Skills“ übersetzen. Und im High End lässt er die beiden Genannten locker hinter sich, da positioniert er sich ebenfalls in der Spitzengruppe. Bedeutet: Der Neo bietet den größten problemlos nutzbaren Windbereich dieser Gruppe. Dazu kommt ein gutes Sheet-and-go-Vermögen, sodass er sich über die Bar sehr gut dosieren lässt. Das spricht auch Freeride-Kunden an. Die Depower arbeitet präzise und effizient. Nur leichtere Kiter hätten sich etwas mehr Reserven nach oben gewünscht, um strapless das High End weiter ausreizen zu können. Insgesamt wirkt der Charakter des Neo nach wie vor kräftig. Dafür bleibt er weit depowert immer noch gut ansprechbar. 

Wave-Performance:

„Sportlich, superstabil und doch gutmütig“, notiert ein Tester nach der ersten Wave-Session. Auch die SLS-Ver­sion des Neo gehört verglichen mit dem ultra­agilen Religion nicht zu den ra­di­kal aggressiv getrimmten Wave-Kites. Er ist spürbar direkter als der „normale“ Neo, fliegt vor allem schneller und dreht präziser, doch eine gewisse Portion Komfort behält er nach wie vor. Der Drift profitiert in Onshore-Bedin­gun­­gen spürbar vom geringen Gewicht. Der Neo SLS ist hervorragend ausbalanciert und schwebt sehr lange mit, ohne Korrekturen zu verlangen. Mitgelenkt muss man etwas definierter lenken, dann jagt er aber willig und zügig durchs Windfenster. Jedoch sollte man bei großen Flugradien aufpassen, nicht von der doch üppigen Kraftentfaltung überrascht zu werden. Ansonsten fällt positiv auf, dass er in fast allen Situationen genau das richtige Maß an Power zur Verfügung stellt, sodass man sich beim Abreiten der Welle nicht groß auf den Kite konzentrieren muss. Gerade in Side- und Onshore-Bedingungen über­zeugt das Gesamtpaket. Wer häufig bei Side-off kitet, wählt eine Nummer kleiner. 

Fazit:

Klares Upgrade im Vergleich zum Normal-Neo – der SLS ist sportlicher, schneller, direkter, kann mehr und bietet eine größere Wind-Range. Dennoch bleibt er ein einfach zu fliegender Allrounder, der Wave und Free­ride mühelos miteinander verbindet. Zwar gibt es radikaler abgestimmte Wave-Spezia­listen, deren Einsatzbereich ist allerdings weitaus kleiner. 

Duotone Neo SLS Test Seitenansicht
Duotone Neo SLS Testnoten

Grössen / Preise (Kite only)

5,0 qm: 1.379 EUR

6,0 qm: 1.459 EUR*

7,0 qm: 1.539 EUR

8,0 qm: 1.619 EUR*

9,0 qm: 1.699 EUR

10,0 qm: 1.779 EUR

11,0 qm: 1.859 EUR

12,0 qm: 1.939 EUR

*getestete Größen

Bar / Preise

Trust Bar Quad Control (S/M, M/L): 459-489 EUR

Click Bar (S*, M): 649 EUR

Quick Release Kit: 69-89 EUR

Quick Release Kit muss zur Bar separat dazugekauft werden; unter­schiedliche Größen und Ausführungen erhältlich

Gut / Weniger Gut

  • sehr großer Windbereich 
  • vielseitig einsetzbar, einfaches Handling
  • mit Click Bar: stellenweise schwergängige Steuerung

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Hersteller-Video zum Produkt: