Warum nicht einfach mal eine Matte gegen die Freeride-Tubes antreten lassen? Das dachte sich auch unser Testteam und schickte mit dem Flysurfer Soul einen der beliebtesten Freeride-Foil-Kites in den Direktvergleich.

Der Soul von Flysurfer im Test

Zugegeben, der Flysurfer Soul ist kein Neuling. Auch wir hatten ihn bereits einmal im Test. Allerdings: Damals musste der Soul „nur“ im Einzeltest bestehen und wir wollten herausfinden, wie er sich im direkten Vergleich gegen die leistungsstarken Tube­kites schlägt, da er insbesondere Freerider und Matten-Novizen anspricht. Weil wir den Kite bereits technisch vorgestellt haben, sparen wir uns die Wiederholung.

Weitere Performance-Freeride-Kites im Test der Ausgabe 5/20:

Duotone Rebel, Naish Pivot, North Orbit, RRD Passion (2021er Modelle)
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Flugstabilität:

Schon beim Start fällt auf, wie schnell und artig sich der Soul mit Luft be­füllt, sodass er auch von Matten-Laien nach kurzer Einweisung problemlos gestartet werden kann. Im Vergleich zu den race-ori­en­tier­ten Matten fällt das Profil deutlich di­cker aus und die Streckung ist geringer. Beides wirkt sich positiv auf die Flugstabilität aus. Im Normal-Windbereich genau wie im High End hinkt der Soul den Tubekites nicht hinterher. Er steht sauber angeströmt in der Luft, wabbelt nicht und neigt weder zu Front- noch zu Backstalls – es sei denn, der Rückwärtsgang wird bewusst eingelegt. Nur im unteren Windbereich und bei sehr böigem Wind haben die leichten Drei-Strut-Tubes wie etwa der Pivot die Nase leicht vorn, weil sie etwas unkomplizierter zu fliegen sind und weniger anfällig auf Böen reagieren. Hin und wieder leidet der Soul unter Strömungsab­rissen in Luftlöchern, fängt sich aber in der Regel schnell von allein wieder. Ein Tipp, den Flysurfer selbst gibt und den man unbedingt beherzigen sollte: Sind Kite und Bar neu, soll­ten die Steuerleinen um circa fünf Zentimeter gekürzt werden, manchen reicht auch ein halber Schlag, um eine direktere Steuerung zu erzielen. Mit der Zeit längen sich die Leinen ein wenig, sodass später die normale Leinenlänge verwendet werden kann.

Bar-Gefühl: 

Tut man das nicht, bekommt man bei einem neuen Soul gerade im unteren Windbereich ein schwammiges Bar-Gefühl mit geringer Rückmeldung zu spüren. Sobald der Trimm passt, hängt der Soul für eine Matte überaus direkt auf der Bar. Das ist zwar nicht mit dem knackigen Bar-Gefühl vom Pivot, Passion oder Orbit vergleichbar, doch nach kurzer Eingewöhnung spürt man den Kite jederzeit präzise in der Luft. Dafür freuen sich Liebhaber von geringen Bar-Kräften über den signifikant kleineren Kraftaufwand, den der Soul seinem Piloten an der Bar abverlangt. Er lässt sich wirklich butter­zart mit einem Finger dirigieren und spricht exakt auf Lenkimpulse an.  

Flug- und Drehverhalten:

Beim Zwölfer wird der Unterschied zu den Tubes am deut­lichs­ten: Zwar nimmt der Soul Lenkimpulse dank­bar und sogar relativ zügig auf, doch hier geht alles gemächlicher vonstatten als bei den Tubes. Dazu ist das Drehverhalten un­­ter­schiedlich, denn der Kite tellert stärker. Wer gewohnt ist, mit einem Tube im unteren Windbereich Sinuskurven zu fliegen, wird seine Technik umstellen müssen. Beim Neuner fällt der Agilitätsunterschied deutlich geringer aus und das Handling ist auch für Mat­ten-Neulinge sofort intuitiv verständlich. Dennoch drehen beide Größen harmonisch, rund und sind dabei über die Bar gut dosierbar. Man muss nur im Kopf behalten, sich nicht zu stumpf an der Bar festzukrallen, sondern den Kite über den Depowerweg kom­men und vorwärtsfliegen zu lassen. Bremst man ihn aus, erstickt man gerade im unteren Windbereich den Zugaufbau im Keim.

Flugleistung:

Wer das beherrscht, kann dem Soul im Low End erstaunliche Leistungen entlocken. Hier ist zwar Feingefühl gefragt und das klassische Sheet-and-go-Handling von zugstarken Tubekites lässt sich nicht eins zu eins auf den Soul übertragen, doch das wenige Gewicht und der Shape der Kappe produzieren enorm früh üppige Power. Gerade Twintip-Fahrer haben im Low End die Nase vorn gegenüber Tubekitern. Auf dem Foil hängt viel von der Fahrtechnik ab. Wer es draufhat, kommt mit einem leichten Tube ähnlich früh los, nur hat man dann nicht so viel Dampf im Kite wie mit einem gleich großen Soul. Dafür sind die Tube­kites spie­lerischer und agiler, mitunter auch unkompli­zier­ter im Handling. Gerade beim Foilen ist das Geschmackssache. Geht es in den oberen Windbereich, bieten die aufgepumpten Kon­kur­renten die größeren Reserven. Zwar verträgt der Soul enorme Windspitzen, ohne dass einem angst und bange würde, doch die Depower ist relativ limitiert und der Bremsweg dementsprechend länger als bei Tubes mit stärkerer An-aus-Charakteristik. Bei Überpower fühlt man sich mit kleineren Boards am Soul wohler. Dafür lässt er der Konkurrenz beim Höhelaufen sowie im Top-Speed keine Chance. Wer auf Vollgas­rit­te im spiegelglatten Wasser und Race-Feeling steht, ist beim Soul goldrichtig. Allenfalls der Rebel kommt hier zumindest in die Nähe.

Springen:

Hangtime-Junkies läuft beim Soul das Wasser im Mund zusammen – wenn man die richtige Sprungtechnik beherrscht. Zwar ist der Soul von den meisten Matten auf dem Markt mit am unkompliziertesten zu springen, dennoch erfordert er im Vergleich zu den Tubes eine angepasstere Technik. Rebel und Pivot geben sich einsteigerfreundlicher, wobei der Neuner-Soul durch seine höhere Agilität intuitiver zu springen ist als der trä­ge­re Zwölfer. Auf dem Twintip springen durchschnittliche Kiter auf Anhieb wohl mit Rebel & Co. etwas höher, doch die schier end­lose Hangtime des Soul ist unschlagbar. Wer sich etwas einspringt, kommt damit ebenfalls in schwindelerregende Höhen.

Fazit:

Unkompliziert, leistungsstark und auch für Matten-Neulinge schnell beherrschbar – der Soul beweist, dass er seinen Platz unter den beliebten Freeride-Kites verdient hat. Dennoch unterscheidet er sich in der Grundcharakteristik von den agileren und spielerischer zu fliegenden Tubekites deutlich. Wer das ganze Potenzial, insbesondere im Low End ausschöpfen möchte, benötigt ein höheres Fahrkönnen. Alle anderen freuen sich über die kraftvolle Charakteristik, über die gute Amwind-Leistung und vor allem über die endlose Hangtime.

Der Soul von Flysurfer im Test

Grössen / Preise (Kite only)

6,0 qm: 1.459 EUR
7,0 qm: 1.499 EUR
8,0 qm: 1.559 EUR
9,0 qm: 1.599 EUR*
10,0 qm: 1.699 EUR
12,0 qm: 1.869 EUR*
15,0 qm: 2.069 EUR
18,0 qm: 2.259 EUR
21,0 qm: 2.459 EUR

*getestete Größen

Bar / Preise

Force Control Bar (S, M*, L): 549 EUR
Infinity Control Bar (M*, L): 459 EUR

Gut / Weniger Gut

  • lange Hangtime
  • Low End und Höhelaufen
  • Agilität (für eine Matte hoch, aber im Vergleich zu Tubekites überschaubar)

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Hersteller-Video zum Produkt:

SOUL /// AHEAD OF ITS TIME from FLYSURFER Kiteboarding on Vimeo.