Der Pivot von Naish ist verdammt nah dran an der viel beschworenen Eier legenden Wollmilchsau. Unter den leistungsstarken Allroundern genießt er einen ausgezeichneten Ruf. Um das Haar in der Suppe zu finden, muss man schon ganz genau hinsehen.

Der Pivot von Naish im Test

Der Pivot hat längst Ikonenstatus. Und das nicht erst, seitdem Ex-Naish-Rider Kevin Lan­geree damit King of the Air geworden ist. Seine Fan-Base wächst stetig, weil er als einer der leistungsstärksten und gleichzeitig vielseitigsten Performance-Freerider und Big-Air-Kites gilt. Keine einfache Aufgabe also für Robby Naish und sein Design-Team, da noch mal einen draufzusetzen. Zwar bleiben Kappe und Shape im Vergleich zum Vorjahr weitestgehend unverändert, dennoch haben die Jungs sich etwas Neues getraut: Der Pivot S25 kommt mit einer zusätzlichen interessanten Einstelloption für die Bridle. Über einen versetzbaren Knoten lassen sich die Öffnung und der Anstellwinkel der Kappe fein­tunen. Im Standard-Setting wird der Kite auf dem äußeren Knoten angeknüpft, für Big Air, Strapless Freestyle oder massiv überpowerte Bedingungen kann man den Knoten weiter an die Leading Edge versetzen und somit die Kappe ein wenig weiter zusammenziehen. Das nimmt etwas Power heraus und beschleunigt das Drehverhalten minimal. Die Wirkungsweise ist mit einer zusätzlichen Depower-Option vergleichbar und kommt so ähnlich auch bei diversen Wave-Kites zum Einsatz. Ansonsten bleibt Naish bei den bewährten Features: Die Shark Teeth Trailing Edge soll das Flattern der Abrisskante reduzieren, unverändert bleiben auch das steife Quad-Tex-Ripstop-Tuch sowie allerlei robuste Verstärkungen, Patches und Bumper, die den Kite langlebiger machen sollen.

Weitere Performance-Freeride-Kites im Test der Ausgabe 5/20:

Duotone Rebel, Flysurfer Soul, North Orbit, RRD Passion (2021er Modelle)
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Flugstabilität:

In der S25-Jubiläumsedition hat der Pivot nichts von seiner hervorragenden Flugstabilität eingebüßt. Von den leichten Backstall-Tendenzen der Vorvorgänger ist ohnehin schon länger nichts mehr zu spüren, ebenso sind ihm Frontstalls gänzlich fremd. Er hängt wunderbar neutral und sauber angeströmt in der Luft. Dazu kommt das filigrane Gerüst, das zwar mehr Druck in den Schläuchen verlangt, aber dem Kite dann auch eine enorme Stabilität verleiht. Das Profil arbeitet sauber, Falten und Dellen sind kaum feststellbar, solange er nicht kom­plett depowert bewegt wird.

Bar-Gefühl: 

Auch an der Bar bleibt das gewohnte Pivot-Feeling erhalten. Im Vergleich zum Vorgänger scheint er durch die neue Bridle sogar eine Spur direkter geworden zu sein. Die Bar-Kräfte liegen je nach Windbereich und Fahrergewicht entweder genau im Mittelfeld oder bei schweren Kitern etwas über dem Durchschnitt. Präzise und mit gutem Feedback, wenn auch mit etwas mehr Spiel als bei Duotone, North oder RRD ausgestattet ist die Lenkung. Man spürt jederzeit genau, was der Kite in der Luft anstellt, und kann ihn auf den Punkt dirigieren.

Der Pivot von Naish im Test

Flug- und Drehverhalten:

Steuerbefehle nimmt der Pivot gierig, aber nicht nervös auf. Im Testfeld sticht er mit der höchsten Agilität hervor. Schon mit geringen Lenkimpulsen lassen sich mittlere bis kleine Dreh­ra­di­en abrufen. Dabei fällt auf, wie gleichmäßig rund er ein- und durchdreht, ohne ins Stottern zu geraten oder unvorhersehbare Kraftspitzen freizusetzen. Das macht nicht nur Lust auf Kiteloops, sondern auch auf Foilen.

Flugleistung:

Überrascht hat uns der Pivot vor allem im Low-End-Vergleich. Zwar gehört er bauartbedingt mit seiner Drei-Strut-Konstruktion eher zu den leichteren Kites, doch Leichtbau im Sinne eines Soul oder Duotone SLS wird beim Pivot nicht betrieben. Dennoch fliegt der Kite erstaunlich früh stabil und lässt sich gerade auf dem Foil durch seine Agilität und Drehfreude zeitig auf Touren bringen. Für Foiler, die eine ausgewogene Mischung aus Drehfreude, mittlerem Grundzug und gutem Drift suchen, ist er eine sinnvolle Wahl – keine Selbstverständlichkeit für Freeride-Kites. Dabei lebt er im Low End stär­ker von seiner Fluggeschwindigkeit als vom Grundzug. Soul, Rebel und Passion lassen sich früher gestellt fliegen und pro­du­zieren mehr Power, dafür wirkt beim Pivot alles spielerischer, geradezu mühelos. Im High End fühlt er sich absolut heimisch. Grantige Böen puffert er gnädig weg und lässt sich auch bei Überpower noch relativ problemlos im Zaum halten, sodass der nutzbare Windbereich enorm ist. Hier hat er, auch wieder durch das Bridle-Setting, im Vergleich zum Vorgänger zugelegt. Dazu kommt die linear und effizient arbeitende Depower, mit der sich der Pivot, wenn es denn nottut, annähernd ausknipsen lässt. Und auch beim Relaunch punktet er satt. Eine Leine ziehen, kurz warten und weiter geht’s – das klappt sogar im unteren Windbereich. Beim Höhe­laufen verliert er naturgemäß gegen den Soul, doch verstecken muss sich der Pivot keineswegs und ist dabei vor allem auch für Einsteiger unkomplizierter zu handhaben.

Springen:

Neben den guten Allround-Eigenschaften seine Paradedisziplin – der Pivot ist ein Sprungmonster, das dazu noch verblüffend einfach in die Luft zu katapultieren ist. Seine hohe Fluggeschwindigkeit und die Drehfreude lassen ihn mit geringem Querzug in die Absprungposition durchs Windfenster schießen und der Pilot spürt genau, wann es Zeit ist, die Kante zu setzen und auf Senden zu drücken. Gerade wenn es richtig ballert, lässt sich der Naish bis ans Maximum auf­la­den. Der Lift ist progressiv, aber nicht brachial, sodass der Kite zwar sehr weit nach oben schießt, man sich dabei aber angenehm kontrolliert fühlt. Nur die Hangtime rangiert im Mittelfeld. Dafür sind Kiteloops dank seines Drehverhaltens und des hohen Tempos eine echte Offenbarung. Selbst unhooked reicht es problemlos für Basics und mehr.

Fazit:

Der Pivot holt sich klar die Allrounder-Krone in dieser Testgruppe. Freeriden, Foilen, Big Air – das alles deckt er auf hohem Ni­veau ab. Wave konnten wir zwar nicht testen, aber die Charakteristik lässt darauf schließen, dass er sogar dort eine gute Figur abgeben dürfte. Paradedisziplin nach wie vor: Big Air. Das kleine Bridle-Update hat sich gelohnt, das Gesamtpaket beeindruckt.

Der Pivot von Naish im Test
Der Pivot von Naish im Test

Grössen / Preise (Kite only)

5,0 qm: 1.199 EUR
6,0 qm: 1.249 EUR
7,0 qm: 1.319 EUR
8,0 qm: 1.399 EUR
9,0 qm: 1.479 EUR*
10,0 qm: 1.559 EUR
11,0 qm: 1.639 EUR
12,0 qm: 1.699 EUR*
14,0 qm: 1.829 EUR

*getestete Größen

Bar / Preise

Torque ATB (50 cm*, 55 cm): 579-599 EUR

Gut / Weniger Gut

  • sehr agiles, intuitives Handling
  • Sprungleistung und Kiteloops
  • -

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Hersteller-Video zum Produkt: