Der Bandit hatte schon im Vorjahr einen Entwicklungssprung gemacht, mit dem niemand rechnete. Kann er in der zwölften Generation nochmals zulegen?

Wir hatten im Vorfeld dieses Tests eine Standleitung nach Frankreich, ob der neue Bandit noch pünktlich für den Test ankommt. Denn ein Test der Platzhirsche ohne den Bandit wäre undenkbar. Immerhin gehört der Kite seit nunmehr zwölf Generationen zu den beliebtesten Klassikern des Marktes. So drücken wir an dieser Stelle mal ein Auge zu, dass wir anstelle der bestellten Größen neun und zwölf nur einen Zehner bekommen haben, was den Vergleich mit den anderen Zwölfern etwas schwieriger, aber nicht unmöglich macht. Beim Bandit 12 hat sich nun die Anknüpfung der Steuerleinen geändert. Hier kommt ein kleines, verstellbares V zum Einsatz, das die direkte Anknüpfung einer Steuerleine am Tip ersetzt und die Kraft so auf einen größeren Bereich verteilt. Außerdem wurde das iSup-Ventil mit einer neuen Schutzkappe sowie einem Patch im Tuch geschützt. Das soll verhindern, dass sich das Ventil nach vielen Flugstunden langsam durchs Tuch scheuern kann.

Flugstabilität:

Hier hatten wir bereits vom vorletzten zum letzten Bandit einen deutlichen Leistungszuwachs bemerkt. Der Bandit galt zwar als sportlicher Allrounder, nur hatte er immer mal wieder mit leichten Stalltendenzen und vor allem mit der knatternden Abrisskante bei schnell geflogenen Manövern zu kämpfen. Das machte der 2018er deutlich besser und wird nun von 2019er Bandit sogar nochmal leicht getoppt. Der Kite steht blitzsauber am Himmel mit durchweg hoher Spannung und guter Anströmung des Tuches. Für einen Dreistrut-Kite mit ausgeprägter Streckung und leicht gepfeilter Outline herrscht im Bereich der Tips angenehme Ruhe, die Kappe des Zehners wirkt bei Normaldruck in der Fronttube bereits recht steif.

Bargefühl:

Auch im Bereich der Bar hat F-One mit der Linx-Bar 2018 bereits kräftig nachgelegt. Sie hat den alten Prügel absolut sinnvoll ersetzt, liegt gut in der Hand und macht einen sehr wertigen Eindruck. Im neuen Setup wirkt der Bandit jetzt noch etwas ruhiger, an der Bar kommen weniger Vibrationen an als noch beim Vorgänger. Das Feeling fällt knackig, direkt aus. Den Franzosen ist ein hervorragend definierter Zugpunkt mit ausreichend großem Sweetspot gelungen. Seine Halte- und Lenkkräfte liegen beide im mittleren Bereich. Zudem kann der Bandit mit guter Rückmeldung punkten. Er vermittelt zwar einen sportlichen Gesamteindruck, doch können auch Einsteiger ohne viel Eingewöhnungszeit mit dem Bandit gut zurechtkommen.

Flug- und Drehverhalten:

Jetzt wird es kniffelig für unsere Tester, denn uns fehlt die Referenz. Bisher hatten wir Bandits in den Größen 7, 9, 11 und 12. Da der Bandit in den kleinen Größen stärker auf Welle und in den großen Größen auf Freestyle und Freeride zugeschnitten ist, liegt der Zehner hier genau an der Grenze. In vergangenen Tests nahm der Bandit immer die Rolle der pfeilschnellen Wespe ein (inklusive des charakteristischen Brummens). Das Brummen ist so gut wie weg, aber ein kleiner Teil der Agilität auch. Es ist nicht viel, doch unsere Tester hatten den Eindruck, dass der Bandit ein wenig mehr auf Komfort getrimmt wurde. Dennoch liegt seine Flug- und Drehgeschwindigkeit noch im oberen Mittelfeld.

Flugleistung:

Schnell kann der Bandit aber nach wie vor: Wer mit ordentlichem Druck im Tuch auf die Kante steigt und auf Halb- oder sogar Raumwindkurs aufs Gas tritt, sollte sich vorzeitig über den Bremsweg Gedanken machen. Glücklicherweise arbeitet die Depower linear und effizient, so dass sich die Power einfach wieder reduzieren lässt. Auf der Kreuz hat der Franzose ebenfalls keine Probleme. Bar etwas vorschieben genügt, und der Bandit zieht artig nach Luv. Beim Lowend wieder das Größenproblem: Natürlich geht er viel später los als alle Zwölfer dieser Gruppe, doch hat der Vergleich mit einigen Neunern entlarvt, dass der Zehner Bandit kein Lowend-Künstler ist. Im untersten Windbereich will er aktiv geflogen werden, um ausreichend Drehzahl aufzubauen. Das kompensiert er dafür im oberen Windbereich mit großzügigen Reserven bei Überdruck.

Sprungeigenschaften:

Zum Zungeschnalzen: Mit dem Bandit geht es wirklich einfach in die Luft. Das schnelle und direkte Ansprechen auf Steuerimpulse sowie sein Vermögen, blitzschnell die Flugrichtung zu ändern, erleichtert es, das richtige Timing im Absprung zu finden. Dabei baut er im normalen Windbereich kaum Querzug auf, der den Kiter vorzeitig von der Kante rupfen könnte. Der Lift entfaltet sich kräftig, ohne unkontrollierbar explosiv zu reißen. Wer den Absprung trifft, kann sich die Welt von oben anschauen. Bei vergeigten Absprüngen kommen immerhin noch wenige Meter zustande. Die Hangtime ist nicht vergleichbar mit Rebel, Rally oder P1, aber immer noch gut. Neben eingehakten Tricks sind Kiteloops sein absolutes Metier. Sie lassen sich – je nach Gusto – entweder mit vollem Bareinschlag winzig klein und mit wenig Zug oder groß, rund und mit deftigem Leeversatz fliegen. Dabei fällt auf, dass der Bandit mit minimalem Depowern am Ende des Loops willig wieder aufsteigt, um den Kiter aufzufangen. Für ausgehakte Manöver sollte man ein ruhiges Händchen mitbringen und die Barbreite schmal einstellen, denn Pop und Stabilität sind zwar gut, er stellt sogar etwas Slack bereit, doch ein kleiner Lenkimpuls zu viel nach oben, und der Raley endet in uncoolem Gebaumel mit dem Kite im Zenit.

Fazit:

Der Bandit ist auch 2019 eine Bank für Allrounder. Die leicht verbesserte Flugstabilität sowie sein satteres und etwas komfortableres Bargefühl stehen ihm ausgesprochen gut.

Grössen / Preise

04,0 qm: 1.029 EUR
05,0 qm: 1.079 EUR
06,0 qm: 1.129 EUR
07,0 qm: 1.179 EUR
08,0 qm: 1.229 EUR
09,0 qm: 1.279 EUR
10,0 qm: 1.349 EUR
11,0 qm: 1.429 EUR
12,0 qm: 1.479 EUR
14,0 qm: 1.599 EUR
17,0 qm: 1.799 EUR

Bar / Preise

Linx  Bar: 499 EUR

Gut / Weniger Gut

  • Präzises Bargefühl
  • Hohe Flugstabilität
  • Sehr gutes Sprungverhalten (eingehakt)
  • Lowend

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet