Core hat mit dem XR6 einen der leistungsstärksten Freeride-Kites in den Himmel geschickt, der in fast allen Kategorien ausgewogen hohe Top-Bewertungen einfährt. Doch in wenigen Punkten ist auch er schlagbar.

Der XR6 von Core 2020 im Test

Der XR6 musste zwar schon im Einzeltest in der letzten KITE Ausgabe (3/19) antreten, doch fanden wir den direkten Vergleich zu den anderen Freeridern zu spannend, als dass wir auf ihn in diesem Vergleichstest hätten verzichten wollen. Wie sich der XR6 auf dem Wasser verhält, ist ja bereits bekannt. Auf die technischen Änderungen sind wir ebenfalls bereits eingegangen. Im Folgenden hält der XR also als Referenz-­Kite her und wir wollen ergründen, wie sich die Performance-Freerider der Mitbewerber schlagen, wenn sie gegen den XR antreten müssen. Ring frei!

Flugstabilität: Die Kappe steht so straff gespannt und ruhig im Zenit, dass sie sich hervorragend als Messlatte eignet. Der Rebel hat hier, seinem Sitz weiter außen am Wind­fensterrand ge­schuldet, etwas mehr Unruhe im Flugbild, während beim Switchblade das Gegenteil der Fall ist: Die tiefere Position gibt dem Cabrinha einen kleinen Stabilitätsbonus und lässt ihn gleichauf mit dem XR6 fliegen. Eine echte Überraschung stellt der neue Bandit dar, denn er begegnet dem XR ebenfalls auf Augenhöhe – und das mit zwei Struts weniger im Tuch.

Bar-Gefühl: Die Rückmeldung an der Bar ist ausgezeichnet. Der XR lässt sich sowohl bei den Halte- als auch bei den Lenkkräften anpassen. Die Knoten und Schlaufen, über die die Einstellung vorgenommen werden, liegen sehr eng beieinander, sodass die wählbaren Optionen harmonisch zueinander passen. Der einzige Kite im Test, der eine Spur mehr Rückmeldung an der Bar liefert, ist der Pivot, der aber auch deutlich höhere Bar-Kräfte aufweist. Bandit und Rebel liegen gleichauf mit dem XR, was die Rückmeldung angeht, auch wenn sich jeder der Kites etwas anders anfühlt.

Flug- und Drehverhalten: Das gesamte Flug­bild des XR6 ist balanciert und ausge­wogen. Wer mit dem Kite ein paar Runden gedreht hat, der wird von seinem präzise bere­chen­baren Handling nicht mehr überrascht. Die Druckentfaltung beim Kurvenflug ist gleichmäßig und der Kite fliegt relativ flink – für einen Fünf-Strut-Hochleister. Passion, Pivot und vor allem Bandit drehen natürlich schneller, sie haben ja auch weniger Masse zu bewegen. Unter den Fünf-Struttern im Testfeld hat der XR6 die Nase ganz knapp vorm Rebel gefolgt von Switchblade und Raptor.

Der Xlite von Core 2020 im Test

Flugleistung: Im Low End steht der XR6 zusammen mit dem Switchblade auf dem Siegertreppchen. Die beiden Kites sind ein gutes Stück zugstärker als das restliche Testfeld. Selbst wenn man über die reine Funktion „Kite fliegt und man kann damit fahren“ hinausgeht, machen die beiden ­Kites auch im unteren Windbereich als Erste wirklich Spaß. Erwartungsgemäß führen mit Rebel und Raptor die anderen Fünf-Strutter die Verfolgergruppe an. Überraschend ist allerdings, dass die Drei-Strutter Pivot und Passion nur um die Dicke einer Briefmarke hinter der Spitzengruppe ­rangieren.

Sprungleistung: Leicht vorzunehmen ist der Vergleich der Sprungleistung, wenn man ausschließlich die Hangtime betrachtet. Hier gibt es drei Spezialisten im Test. Neben dem XR6 sind auch der Rebel und der Switchblade dafür bekannt, die Spanne vom Apex des Sprungs bis zum Wasserkontakt auf das Maximum zu dehnen. Die eingeschworene Dreierbande führt auch in diesem Jahr unser Hangtime-Feld an – dicht gefolgt vom Pivot, der aufgrund seiner enormen Sprung­höhe fast zwangsläufig lange segeln muss. Bei der Sprunghöhe spielt nicht nur die maximal erreichbare Höhe eine Rolle, sondern auch, wie leicht diese abrufbar ist und wie die Sprungperformance bei nicht optimalen Bedingungen ausfällt. Der Pivot kam in unserem Test einen Tick höher hinaus als der XR6, da waren sich alle Tester einig. Rebel und XR6 liegen bei der Sprunghöhe gleichauf knapp hinter dem Pivot auf Platz zwei. Der XR6 benötigt dabei für Höchstleistungen eine hohe Geschwindig­keit beim Absprung, was den Moment zwi­schen Zurücklenken und Absprung bei ei­nem überpowerten Zwölfer fast schon zur Mutprobe werden lässt, während der Vorgang bei einstelligen Größen kaum einen Wimpernschlag dauert. Der Pivot profitiert ebenfalls von einer hohen Ab­sprung­geschwindigkeit, wenn auch nicht so drastisch, während der Rebel sich in dieser Beziehung eher anspruchslos gibt und den Piloten auch bei mittelschneller Fahrt auf Big-Air-Niveau katapultiert. XR6, Rebel und Pivot zeichnen sich darüber hinaus dadurch aus, dass sich mit ihnen auch im mittleren Windbereich respektable Höhen erreichen lassen, ohne dem Piloten zu viel Technik abzuverlangen.

Fazit: In einem Test für Performance-Free­ride-Kites darf der aktuelle XR6 keinesfalls fehlen. Core hat, wie schon in KITE Ausgabe 3/19 berichtet, dem XR5 einen würdigen Nachfolger gestellt, der noch mal spürbare Verbesserung bei den Kernkompetenzen abliefert. Die Konkurrenz hat jedoch nicht geschlafen und ebenfalls hier und dort eine Schippe draufgelegt. In der Spitzengruppe ist die Luft dünn und die Kites leisten sich keine echten Schwächen. Die Messlatte liegt mittlerweile verdammt hoch und trotzdem schafft es der XR6, in jeder Disziplin zu glänzen. Sowohl klassischen Freeride-Kunden als auch Big-Air-Junkies wird der XR6 in vollem Umfang gerecht.

Der Xlite von Core 2020 im Test
Der XR6 von Core 2020 im Test

Grössen / Preise (Kite only)

5,0 qm: 1.199 EUR

6,0 qm: 1.249 EUR

7,0 qm: 1.329 EUR

8,0 qm: 1.399 EUR

9,0 qm:  1.459 EUR*

10,0 qm: 1.549 EUR

11,0 qm: 1.599 EUR

12,0 qm: 1.679 EUR*

13,5 qm: 1.769 EUR

*getestete Größe

Bar / Preise

Sensor 2: 459 EUR
Sensor 2S/2S+: 499/529 EUR
Sensor 2S Pro: 649 EUR*

*getestete Größe

Gut / Weniger Gut

  • Bar-Gefühl/Rückmeldung
  • Absprung/Hangtime
  • bei viel Wind: Sprungleistung kann Einsteiger überfordern (Profis finden's super!)

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Der XR6 im Freeride-Vergleichstest 2020:

Weitere Kites im großen Freeride-Kites-Test: Cabrinha Switchblade, Duotone Rebel, RRD Passion, Naish Pivot, F-One Bandit, Slingshot Raptor

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