Schon der 2019er-RPM war eine deutliche Weiterentwicklung – für 2020 legt Slingshot mit neuem Tuch noch eine kleine Schippe drauf und erschließt dem RPM eine breitere Zielgruppe.

Slingshot RPM in Action
Foto: Hans-Martin Kudlinski / Rider: Michael Vogel (Kite College) / Spot: Parajuru (Brasilien)

Bereits für das 2019er-Modelljahr hatte Sling­shot den RPM kräftig modifiziert, 2020 geht der Umbau mit kleinen Änderungen in die nächste Runde. Die neue Flyline-Bridle-Kon­fi­gu­ration kennen wir bereits: Die Um­lenk­rol­len balancieren die Kappe während der Drehbewegungen, doch sind im unteren Bridle-Segment zu den Tips gummierte Bridles-Leinen angebracht, die die Spannung erhöhen und dadurch die Reaktivität ver­bessern sollen. Dazu lassen sich durch die beiden Anknüpfpunkte der Bridle an der Leading Edge die Geometrie und die Position im Windfenster des RPM einstellen. Im Freestyle-Setting erhält der Kite einen ausgeprägteren, tieferen C-Shape. Das soll ihm zu mehr Wums beim Springen, Slack und Drift verhelfen. Der 2020er-RPM erhält dazu ein neues Tuch. Das Vierfach-Ripstop soll ihn steifer und langlebiger machen. Bei der Konstruktion setzt Slingshot weiter auf das bewährte Split-Strut-Design, bei dem die Tuchsegmente beidseitig außen an den Struts anstatt einfach mittig oben vernäht werden. Als Bars bietet Slingshot ähnlich wie Naish ebenfalls ein System in zwei verschiedenen Adjuster-Varianten an. Bei der Compstick Sen­ti­nel Bar sitzt der Adjuster oberhalb des De­power-Tampens und ist in der Höhe verstellbar. Die Compstick Guardian Bar lässt sich über einen oberhalb des Quick Release liegenden Adjuster trimmen und ist zudem mit einem Stopper versehen. Beide Bars haben keine gepolsterten Bar-Enden und einen für unseren Geschmack arg rauen Bar-Grip. Zwar läuft man damit kaum Gefahr, die Bar mal aus Versehen loszulassen und für Han­dle Passes ist das auch praktisch, doch wer die Bar nicht gewohnt ist und nicht die nötige Hornhaut auf der Handinnenseite mitbringt, holt sich bei längeren Sessions die ein oder andere Blase. Das schaffen andere Hersteller komfortabler und mit ähnlich gutem Grip. 

Flugstabilität:

Wie schon der 2019er-RPM steht auch die 2020er-Version bombastisch stabil in der Luft. Die Kappe wirkt so satt und steif wie kaum ein anderer Kite dieser Gruppe. Nicht einmal bei böigem Wind fängt der RPM an, mit den Ohren zu wackeln. Egal ob voll gepowert oder depowert, die Kappe wird immer sauber angeströmt, sodass das Profil nicht einfällt. Auch sonst schlägt der Kite mit der dicken Leading Edge und dem kräftigen Strut-Gerüst keine Falten. Stalls produziert der RPM nur selten bei böigem Wind, dann kann er über die Leading Edge kippen. 

Bar-Gefühl:

Bereits von 2018 auf 2019 ist das Bar-­Gefühl minimal sanfter und nicht mehr so brachial geworden. Die 2020er-Version knüpft nahtlos an den Vorgänger an: Ex­trem präzise, satt und ruhig liegt der RPM in der Hand und bietet jederzeit perfekte Rück­mel­dung. Lenkimpulse nimmt er verzögerungsfrei auf. Dazu bietet er einen großen, aber gleichzeitig sehr definierten Sweet Spot. Die Haltekräfte liegen ganz leicht über dem Durchschnitt, erfordern aber nicht allzu viel Power in den Armen. 

Slingshot RPM V12 Action
Foto: Hans-Martin Kudlinski / Rider: Michael Vogel (Kite College) / Spot: Parajuru (Brasilien)

Flug- und Drehverhalten:

Der RPM zeigt sich in Bezug auf seine Dreheigenschaften spie­le­rischer. Zwar zählt er nach wie vor nicht zu den schnellsten Kites und dreht etwas größere Radien mit mehr Power als der Durchschnitt, doch das wirkt nun alles deutlich filigraner und nicht mehr so brachial wie bei seinen Vorgängern. Er fliegt sauber und rund durch die Turns, flattert dabei überhaupt nicht und lässt sich mit leichtem Lenkeinschlag bei den Radien präzise variieren. Trotz seines immer noch kraftvollen Charakters wirkt der neue RPM nun etwas spielerischer und müheloser als die alten Modelle.

Flugleistung:

Das dickere Profil produziert nach wie vor satte Leistung und einen kräftigen Grundzug. An seiner Power hat der RPM also nichts eingebüßt. Ebenso gut ist das Low End, das sich durch die etwas agileren Flug- und Dreheigenschaften nun sogar mittels Sinuskurven mit überschaubarem Kraftaufwand an der Bar nach unten ausreizen lässt. Die Depower arbeitet linear und sehr genau, sodass sich der RPM über die Bar fein dosieren lässt. Zwar spürt man im High End seine Pferdestärken recht deutlich, doch bleibt er auch weit depowert noch gut kontrollierbar. Beim Höhelaufen fliegt der RPM besonders im Allround-Setting weit an den Windfensterrand und zieht mit nur wenig Querzug gute Amwindwinkel. Im Freestyle-Setting steht er etwas tiefer und erfordert mehr Einsatz auf der Kante. 

Springen:

Die Freestyle-Maschine hat nichts verlernt, der RPM ist seinem Charakter treu geblieben. Eingehakt ist er zwar relativ einfach und gutmütig zu springen, doch dreht er nicht ganz so zügig wie Bandit, Dice oder GTS, sodass man ihn mit einem stärkeren Impuls nach hinten in Absprungposition schicken muss und auf der Kante et­was kräftiger zutreten sollte. Auch Union und Dash wirken hier etwas explosiver. Dennoch kommen auch Kiter ohne überragende Sprungtechnik mit dem RPM auf vorzeigbare Sprunghöhen und eine durchschnittliche Hangtime. Die wahren Stärken des Zwölfers kommen zum Vorschein, sobald er vom Haken gelassen wird – insbesondere im Freestyle-Setting. Der Kite steht ausgehakt wie hingenagelt und produziert überaus kräftigen, aber dosierbaren Pop. Beim RPM weiß man schon beim Absprung genau, wie der Sprung ausfallen wird. Auch wenn man beim Pass die Bar mal schief greift, gerät der Kite nicht gleich ins Trudeln. Das sportliche, aber gleichzeitig gutmütige Unhooked-Handling sucht seinesgleichen. Garniert wird die gute Vorstellung von entzückend viel Slack.

Springen:

Die Freestyle-Maschine hat nichts verlernt, der RPM ist seinem Charakter treu geblieben. Eingehakt ist er zwar relativ einfach und gutmütig zu springen, doch dreht er nicht ganz so zügig wie Bandit, Dice oder GTS, sodass man ihn mit einem stärkeren Impuls nach hinten in Absprungposition schicken muss und auf der Kante et­was kräftiger zutreten sollte. Auch Union und Dash wirken hier etwas explosiver. Dennoch kommen auch Kiter ohne überragende Sprungtechnik mit dem RPM auf vorzeigbare Sprunghöhen und eine durchschnittliche Hangtime. Die wahren Stärken des Zwölfers kommen zum Vorschein, sobald er vom Haken gelassen wird – insbesondere im Freestyle-Setting. Der Kite steht ausgehakt wie hingenagelt und produziert überaus kräftigen, aber dosierbaren Pop. Beim RPM weiß man schon beim Absprung genau, wie der Sprung ausfallen wird. Auch wenn man beim Pass die Bar mal schief greift, gerät der Kite nicht gleich ins Trudeln. Das sportliche, aber gleichzeitig gutmütige Unhooked-Handling sucht seinesgleichen. Garniert wird die gute Vorstellung von entzückend viel Slack.

Fazit:

Der Freestyle-Spezialist RPM ist von 2018 bis 2020 kultivierter und breitbandiger, aber keinesfalls langweiliger geworden. Er punktet weiterhin mit herausragender Freestyle-Performance, spricht nun allerdings dank seines etwas filigraneren Handlings auch sportliche Freerider und Allrounder stärker an.

Grössen / Preise (Kite only)

4,5 qm:  1.159 EUR

6,0 qm:  1.209 EUR

7,0 qm: 1.259 EUR

8,0 qm:  1.309 EUR

9,0 qm: 1.409 EUR

10,0 qm:  1.449 EUR

11,0 qm: 1.509 EUR

12,0 qm: 1.569 EUR (Testgröße)

14,0 qm: 1.679 EUR

Bar / Preise

Compstick Guardian (17″, 20″, 23″): 489 EUR

Compstick Sentinel (17″, 20″, 23″): 489 EUR

Gut / Weniger Gut

  • sehr gutes Unhooked-Handling
  • hoher Grundzug
  • Bar-Grip wird von einigen Testern als zu rau wahrgenommen

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet
Testnoten Slingshot RPM

Der RPM im 2020er Freeride-Freestyle Kites Test:

Weitere Kites im Test: Airush Union, Cabrinha FX, Core GTS 5, Duotone Dice, Flysurfer Stoke, F-One Bandit 2020, Gaastra Pure, Naish Dash.

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Hersteller-Video zum Produkt: