Duotone hat im Sommer die Revolution im Kite-Design eingeläutet. Ab sofort gibt es den Neo in zwei Bauweisen: Neben der „normalen“ soll die neue SLS-Version High-Performance-Freaks und Könner ansprechen. Wie gut ist der hochgetunte Neo und für wen lohnt sich der Aufpreis? Wir hatten den Neo SLS bereits als 12er am Haken.

Duotone Neo SLS im Test
Duotone Neo SLS im Test

Lange waren wir nicht mehr so gespannt auf einen Test-Kite wie im August 2020. Der Grund: Duotone greift ganz tief in die Material-Trickkiste und hat mit dem SLS ein komplett neues Konstruktionskonzept vorgestellt, das sich an Performance-Fetischisten richten soll. SLS steht selbstbewusst für „strong, light, superior“ und umschreibt die Bauweise der neuen SLS-Modelle. Das Besondere: Die aufblasbaren Elemente, also Leading Edge und Quer-Struts, werden nicht aus herkömmlichem Dacron gefertigt, sondern aus dem neuartigen Penta-TX-Material, das der Tuchhersteller Challenge Sailcloth gemeinsam mit Duotone entwickelt hat. Der Unterschied in Zahlen: Penta TX wird von Duotone mit einem Gewicht von circa 130 Gramm pro Quadratmeter angegeben (herkömmliches Dacron liegt bei circa 150 g/m2), dabei soll es fünfmal reißfester sein als Dacron und eine deutlich geringere Diagonaldehnung aufweisen. Dadurch wird die Konstruktion nicht nur sta­bi­ler, sondern auch steifer, wie uns Designer Ralf Grösel in der letzten Ausgabe ausführlich erklärt hat. Grösel vergleicht SLS seiner Autoleidenschaft entsprechend mit einem straffen Sportfahrwerk, damit wäre SLS so etwas wie die AMG-Version eines Kites. In Verbindung mit weiteren Leichtbaukompo­nen­ten wie einer dünneren Bladder will Duo­tone das Gewicht beim Neo SLS um 15 Pro­zent im Vergleich zum „normalen“ Neo reduziert haben, der weiter in der Range verbleibt. Beide Modelle verwenden weiterhin dasselbe Trinity-TX-Flugtuch. Damit der Neo SLS trotz aller Steifigkeit noch ein rundes und enges Drehverhalten zeigen kann, wurde er mit den beweglichen Flex Struts ausgestattet. Da Duotone 2021 auch die Leinen gewechselt hat, kommen die Kites nun mit neuen Bridle-Leinen, genau wie die Bars. Von der Bar zum Kite laufen nun Flite99-Leinen von Produzent Teufelberger. Die neuen Dyneema-Strippen sollen eine 12 Prozent höhere Bruchlast und 15 Prozent weniger Dehnung aufweisen. Dazu verringern sie durch ihren dünneren Durchmesser den Wind­wider­stand um 6,5 Prozent (alles Herstellerangaben).

Vorweg: Wir wollten unbedingt einen der ers­ten SLS-Kites testen. Damals war der Neo SLS nur in Größe 12 verfügbar. Für einen Wave-Kite ist das natürlich groß, doch wurde der alte Neo ebenso von Freeridern, Foilern und sogar Schulen gern eingesetzt, weshalb auch diese Größe eine Testrelevanz hat.

Flugstabilität:

Kaum saust der federleichte Sport-Neo in den Himmel, spürt man, dass einiges anders ist. Während der Neo immer leicht gedämpft wirkte, ist die SLS-Version superdirekt abgestimmt. Die steife Kappe steht bombensicher im Himmel, doch spürt man Böen viel deutlicher an der Bar. Es empfiehlt sich, den Neo SLS ordentlich am Zugpunkt zu führen, sonst hat man das Gefühl, das Tuch scheppert weit depowert etwas stärker als beim gedämpfteren Normal-Neo. Dennoch tut das der Flugstabilität keinen Ab­bruch. Keine Stalls, kein Zappeln – selbst beim leisesten Windhauch steht der SLS wie mit eingeschaltetem Autopiloten in der Luft. 

Bar-Gefühl: 

Noch deutlicher fällt der Unterschied beim Bar-Gefühl aus. Die Mischung aus Penta TX und steiferen Leinen vermittelt ein messerscharf definiertes Bar-Gefühl. Der Sweet Spot ist kleiner als beim „normalen“ Neo, dafür deutlich präziser. Die Bar-Kräfte liegen nach wie vor im mittleren Bereich – man hat gut etwas in der Hand, doch der Neo strengt auf Dauer nicht an. Dazu punktet er durch die überaus präzise und direkte Rückmeldung. An so viel Feedback müssen sich Einsteiger oder Umsteiger vom Neo zunächst mal gewöhnen. Der Vergleich mit dem Sportfahrwerk ist nicht so weit hergeholt.  

Flug- und Drehverhalten:

Das agile Feeling an der Bar setzt der Neo SLS in der Luft konsequent fort. Minimale Lenkimpulse genügen, um selbst den großen Zwölfer in radikal enge Turns zu jagen. Dabei dreht der Zwölfer so direkt und eng ein, dass man glaubt, man hätte einen Neuner am Haken. Das liegt ei­ner­seits am eigentlichen Drehverhalten, andererseits aber daran, wie er nach einem Loop oder einer Sinuskurve wieder nach oben aufsteigt. Das geringere Gewicht macht sich bemerkbar, denn der Neo schießt förmlich hoch in Richtung Zenit. Die Agilität ist für einen Zwölfer wirklich herausragend.

Flugleistung:

Der Neo kommt im unteren Wind­bereich stärker über seine Fluggeschwindigkeit als über den Grundzug. Dafür fliegt er brutal früh und lässt sich blitzschnell durch Kurbeln auf Touren bringen. Gerade für Foiler, die einen spielerischen Kite suchen, ist der Neo eine Macht. Twintip-Freerider dürften etwas Low-End-Power vermissen, zumindest wenn sie ihn früh gestellt fliegen möchten. Um das enorme Low-End-Potenzial auszuschöpfen, muss man eben die richtige Fahrtechnik mitbringen. Am oberen Ende bietet der Neo SLS ebenfalls große Reserven und üppige Depower, wobei er im Grenzbereich etwas ruppiger wirkt. Dennoch ist er gut kontrollierbar und über die enorme Depower gut dosierbar, sodass der nutzbare Windbereich insgesamt klar größer ausfällt als beim „normalen“ Neo. 

Springen:

Beim Springen spricht der Neo we­niger die Twintip-Fraktion, sondern eher Strapless-Trickser an. Der Absprung lässt sich sehr genau treffen und dosieren, die Sprungleistungen sind für einen Wave-Kite überdurchschnittlich, nur halten Lift und Hangtime gegenüber Freeride-Kites nicht mit. 

Foil & Wave:

Hier kann der Neo sein ganzes Potenzial ausspielen. Die atemberaubende Agilität und Präzision lassen manche Tester damit liebäugeln, tatsächlich freiwillig einen Zwölfer in der Welle zu fahren. Dazu kommt der herausragende Drift, der durch das geringe Gewicht begünstigt wird. Der Neo schwebt auch ohne Leinenspannung problemlos lange mit. Er dreht auf Wunsch auf dem Punkt und beschleunigt wie ein Sportwagen, sobald man aufs Gas tritt. Wir freuen uns jetzt auf den Wave-Test mit den kleinen Größen. 

Fazit:

Schneller, direkter, agiler – der Neo SLS ist tatsächlich der hochgezüchtete Sport-Kite im Vergleich zum „normalen“ Neo und punktet dazu durch ultradirekte Steuerung und präzises Feedback. Um das ganze Potenzial auszuschöpfen, benötigt man Fahrkönnen. Wer das mitbringt, kann mit dem SLS die Grenzen des bisher Denkbaren verschieben. 

Grössen / Preise (Kite only)

 5,0 qm: 1.379 EUR

 6,0 qm: 1.459 EUR

 7,0 qm: 1.539 EUR

 8,0 qm: 1.619 EUR

 9,0 qm: 1.699 EUR

10,0 qm: 1.779 EUR

11,0 qm: 1.859 EUR

12,0 qm: 1.939 EUR*

*getestete Größen

Bar / Preise

Trust Bar Quad Control (S/M, M/L): 459-489 EUR

Click Bar (S, M*): 649 EUR

Quick Release Kit: 69-89 EUR

Quick Release Kit muss zur Bar separat dazugekauft werden; unter­schiedliche Größen und Ausführungen erhältlich

*getestete Bar

Gut / Weniger Gut

  • sehr direkte Steuerung und Rückmeldung
  • enorme Agilität

Flugeigenschaften

Halte- u. Lenkkräfte
Lenk- u. Drehverhalten
Einsatzgebiet

Der Neo SLS im Einzel-Test

Weitere Kites im Test der Ausgabe 5/20:

Freeride-Kites: Duotone Rebel, Flysurfer Soul, Naish Pivot, North Orbit, RRD Passion. Einzeltests: Slingshot Rally GT2, Bandit S2.

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